Rezension

Josh T. Pearson

Last Of The Country Gentlemen


Highlights: Honeymoon's Great! Wish You Were Her // Country Dumb
Genre: Folk // Singer-Songwriter
Sounds Like: Smog // Bill Callahan // Will Oldham // Jason Molina // J. Tillman

VÖ: 11.03.2011

Die letzte Veröffentlichung des texanischen Musikers Josh T. Pearson reicht ziemlich genau zehn Jahre zurück. Damals machte er noch mit seiner Band „Lift To Experience“ Musik, die mit „The Texas-Jerusalem Crossroads“ ein ambitioniertes Doppelalbum auf den Markt brachte, das weitaus mehr zu bieten hatte, als das etwas geschmacklos gestaltete Cover vermuten ließ. Es sollte das erste und letzte Album der Band bleiben. Danach wurde es still um Pearson. Während der Kult um sein bisher einziges Album immer größere Ausmaße annahm, hielt sich dieser mit Hausmeisterjobs über Wasser, zog schließlich nach Paris, begann wieder Konzerte zu geben und im Gegensatz zum mächtigen Rocksound von „Lift To Experience“ reduziertere Songs zu schreiben. Nach der langen Pause ging dann alles doch erstaunlich schnell. In zwei Nächten wurde in einem Berliner Studio schließlich „Last Of The Country Gentlemen“ aufgenommen.

Die Umstände der Entstehung seines ersten Soloalbums werfen freilich Fragen auf. Was hat ihn dazu bewogen, nach zehn Jahren ein Album voller episch ausufernder, reduziert arrangierter, zerbrechlicher Folk-Balladen aufzunehmen? Was ist der Grund für seine musikalische Umorientierung? Pearson selbst bleibt vage. Er spricht von einem „rauen Jahr“, dessen Ereignisse sich in diesem Album widerspiegeln. Auch in den Songs selbst werden nur undurchsichtige Andeutungen gemacht, was sich in Pearsons Innerem abspielt. Dabei ist es jedoch nicht so, dass er in seinen Songs nichts zu sagen hätte. „Last Of The Country Gentlemen“ umfasst sieben Stücke, von denen vier die zehn-Minuten-Marke überschreiten. Die zentralen Themen, um die sich dieses schwer verdauliche Stück Musik dreht, sind schnell ausgemacht. Es sind elementare Themen, die uns alle beschäftigen. Pearson singt von enttäuschten Erwartungen, Hoffnungslosigkeit, Trennungsschmerz, zerplatzten Träumen und Zukunftsängsten und befasst sich mit diesen Themen in einfacher Sprache, jedoch häufig in kryptischen Bildern und christlicher Symbolik, was, zusätzlich zur kargen Instrumentierung, zum archaischen Charakter des Albums beiträgt. "Don’t cry for me, cause I’m off to save the world", singt er beispielsweise im dramatischen „Thou Art Loosed“. Auch musikalisch greift Josh T. Pearson zu einfachen Mitteln. Meist bestreitet er seine Songs tatsächlich ganz allein mit Gesang und Gitarre, höchstens eine Violine verleiht den trübseligen Songs hin und wieder noch ein wenig mehr Tiefe. Umso erstaunlicher ist es, dass gerade die langen Stücke dieses Albums stets interessant bleiben.

“Last Of The Country Gentlemen” ist ein Album, das überhaupt nicht in unsere Zeit zu passen scheint, da sich Pearson in vielen Belangen von seinem musikalischen Umfeld abgrenzt. Es ist ein mutiges Unterfangen, das dem Album jedoch gerade die Faszination verleiht, die einen dazu bringt, es sich immer wieder anzuhören, auch wenn man diese mystischen Stücke nicht zu fassen kriegt, mit jedem Hören ein bisschen mehr zu verstehen meint und sich zugleich weiter verirrt in diesem unergründlichen Stück Musik. Ein herausragendes Album wird Pearsons erstes Soloalbum jedoch erst dadurch, dass es dem bärtigen Musiker gelingt, einen zu berühren und einen mit seinem Gesang, der so viele Emotionen in sich trägt, zum Zuhören zu zwingen. Pearson sagt über sein Album selbstironisch: „Es sollte eine Platte werden, die als würdiger Schlusspunkt stehen kann, falls ich in den nächsten zehn Jahren kein weiteres Album herausbringe.“ Fest steht, dass man sich an diesem Album nicht allzu schnell satthören wird.

Kilian Braungart

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