Rezension

Hinds

The Prettiest Curse


Highlights: Take Me Back // Good Bad Times // Riding Solo
Genre: Pop // Lo-Fi Garage Rock
Sounds Like: Soccer Mommy // Sleater-Kinney // Goat Girl

VÖ: 05.06.2020

„The Prettiest Curse“ wäre normalerweise schon am 03.04.2020 erschienen, ist dann allerdings aufgrund der Pandemiesituation in den Juni verschoben worden. Das war etwas schade, da die Vorabsingles einiges versprachen und man gespannt auf das Release des Albums wartete. Vor allem das bereits bekannte „Good Bad Times“ ist schon sehr überraschend mit seinem umarmenden Pop, den man von den vier Spanierinnen so noch nicht gehört hat. Jenn Decilveo, der unter anderem schon Producer für Beth Ditto und Bat For Lashes war, tauscht hier die Zerschossenheit ihrer früheren Werke gegen eine ausproduzierte Achtziger-Jahre-Hommage mit stampfendem Beat und Synthieflächen. Auch der Gesang wirkt kontrollierter und hat weniger diesen LoFi- Garagenrockcharackter, der bisher ein Markenzeichen der Band war.

Eine interessante Weiterentwicklung, die sich auch fast durch das komplette neue Werk „The Prettiest Curse“ zieht. Der einzige Song, der noch an die Frühphase erinnert, ist der sich gegen Sexismus stellende Fingerzeig „Just Like Kids (Miau)“, bei dem der etwas dreckigere Grundsound durchkommt, der vor allem auf ihrem Erstling „Leave Me Alone“ vorhanden war. Da hatte man mancherorts das Gefühl eine etwas entschleunigte The-Strokes-Version vor sich zu haben mit unglaublich tollen und einprägsamen Gitarrenmelodien wie beispielsweise auf „Easy“. Apropos Gitarren: Bester Song auf dem neuen Album ist wohl die Midtempo-Nummer „Take Me Back“, die basslastig beginnt und mit einer fiesen, an der Grenze zur Übersteuerung aufwartenden Leadgitarre und verzerrten Gesangparts um die Ecke kommt. Großartig. Ein ähnliches Kaliber ist sicherlich auch das bereits bekannte, an Eingängigkeit wohl nicht zu überbietende „Riding Solo“, bei dem sich die Gesangparts von Carlotta Cosials und Ana Perrote wieder perfekt ergänzen. Kompositorisch gibt es jedoch auch einige Lückenfüller, wie etwa „Waiting For You“ oder „The Play“, die zwar direkt ins Ohr gehen, aber leider zu wenig ausgearbeitet klingen. Hier fehlen dann doch die Ecken und Kanten.

Interessant ist, dass auf dem Album zum ersten mal spanische Texte mit einfließen, was ja durchaus Sinn macht und den Songs auch eine zusätzliche Note verleiht. Es wird spannend zu sehen sein, ob die Madrilenen diese Richtung hin zum Pop weiterverfolgen werden oder ob sie wieder zu ihren Wurzeln zurück kehren. Sie haben auf jeden Fall beides drauf.

Marcus Schmanteck

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Video zu "Good Bad Times"
Video zu "Riding Solo"

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