Rezension

GoGo Penguin

Man Made Object


Highlights: Branches Break // Initiate // All Res
Genre: Jazz-Pop // Akustische Elektronika
Sounds Like: Mammal Hands // Bill Laurance // Jamie Cullum

VÖ: 05.02.2016

Wenn man den Bandnamen GoGo Penguin hört und nicht weiß, was einen erwartet, kann man sich so allerhand Geschichten ausdenken. Vielleicht machen die ja witzige Kinderlieder, um Pinguine anzufeuern?! Oder locker-leichten Indie-Pop, bei dem man schön mitsingen und -klatschen kann. Oder vielleicht Jazz, so ganz ohne Gesang, aber dafür mit Melodien, die noch viel mehr Geschichten zu bieten haben als die Assoziationen zum Bandnamen?! Letzteres trifft auf GoGo Penguin zu.

Chris Illingworth (Klavier), Nick Blacka (Bass) und Rob Turner (Schlagzeug) schaffen Soundlandschaften, zu denen man wunderbar ausdrucksvoll tanzen, in Gedanken schwelgen, mit dem Kopf mitwackeln oder einfach abschalten kann. Die Band war in den letzten Jahren viel unterwegs, vertonte zuletzt live den Kultfilm "Koyaanisqatsi" und arbeitete mit der Choreografin Lynn Page zusammen. Diese und all die anderen Liveauftritte, bei denen das Trio aus Manchester regelmäßig für Standing Ovations sorgte, und auch der Erfolg des Vorgängers "V2.0" sorgten dafür, dass man beim legendären Jazzlabel Blue Note Records hellhörig wurde und GoGo Penguin unter Vertrag nahm.

Dabei sehen sich GoGo Penguin selbst gar nicht so recht in der Kategorie "Jazz", denn die ist ihnen viel zu umfassend und ungenau, wenn man von Ornette Coleman bis zum Bigband-Swing von Robbie Williams denkt. "Insofern ist dieses Kategoriesystem weder akkurat noch nützlich – es ist wie bei der Klasse der Säugetiere, zu der alles vom Wal bis zum Hamster gerechnet wird", so Rob. Also lässt man das Diskutieren über Schubladen lieber gleich und konzentriert sich darauf, großartige Musik zu schreiben.

Die birgt Einflüsse von Four Tet, Aphex Twin, Brian Eno, Massive Attack, Debussy oder auch Shostakovich in sich, klingt irgendwie elektronisch und ist doch so akustisch und natürlich, wie sie es durch Klavier, Kontrabass, Schlagzeug und hier und da ein paar Blasinstrumente nur sein kann. Dass da auch mal die Becken des Schlagzeugs mit einem Bogen bespielt werden, Sirenenklänge eingebaut werden und viele andere Experimente durchgeführt werden, sorgt dafür, dass GoGo Penguin ihren ganz eigenen Klang entwickeln. Vor allem auch, weil die meisten ihrer Songs anfangs elektronische Kompositionen waren, die die Band dann irgendwie versucht hat, akustisch umzusetzen. So ist eine Art "akustische Elektronika" entstanden. Die klingt so toll, dass man selbst nun gerne GoGo Penguin anfeuern möchte, sodass sie auf ihrer Erfolgslaufbahn so großartig und charmant bleiben, wie sie sind.

Marlena Julia Dorniak

Sehen


GoGo Penguin mit "All Res"
GoGo Penguin live beim Jazz Sous Les Pommiers 2015
GoGo Penguin beim EFG London Jazz Festival 2015 (mit Lynn-Page-Choreografie)

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.