Rezension

Fidlar

Almost Free


Highlights: By Myself // Too Real // Good Times Are Over
Genre: Pop-Punk // Rock
Sounds Like: Beck // Kid Rock // Dj Shadow

VÖ: 25.01.2019

Wie viel Veränderung gesteht man einer Band zu? Die ehemaligen Sauf-Punks aus Los Angeles haben so viele Neuheiten auf ihrem Album versammelt, das man sich erstmal ungläubig schüttelt: neuer Produzent, Ricky Reed, der sonst mit Jason Derulo, Christina Aguilera oder Kesha arbeitet, lange Texte, Hiphop-Grooves, ein Instrumental-Song und eine große Portion Handclaps und Bläser. Paow!

Aber langsam vom einen zum anderen. Nach eigener Aussage finden Fidlar es furchtbar, das Rock immer rückwärtsgewandt ist und die coolen Neuerungen eher aus anderen Musikrichtungen kommen, beispielsweise Hiphop. Kann man sagen, muss man nicht glauben. Offensichtlich haben sie sich von Ricky Reed hart inspirieren lassen, einfach alles Mögliche auszuprobieren und es coolerweise geschafft, dabei ihre dreckige Attitüde zu behalten. Nicht in allen 13 Songs, aber hey: No Border, no Nation. Zu den gelungenen Experimenten gehört auf jeden Fall “Almost Free”. Der titelgebende Song kommt ohne Gesang aus – auf Hinraten von Mr. Reed. Stattdessen poltert ein Drum-Loop zu einem einfachen Gitarrenriff und Trompeten. DJ-Shadow-Assoziationen tauchen auf, Verfolgungsjagden mit alten Amischlitten – und schon kommt der nächste Song. Das Experiment ist kurz.

Präsenter sind Songs, die catchy und poppig die Beine auffordern, die Sitzposition zu verlassen. Auf eine rauhe Art und Weise kennt man das von Fidlar. Neu ist, dass die auditive Bierdusche gegen Glitzer und Sonnenbrille getauscht wurde. Das ist für den eingefleischten Fan erst irritierend bis zornerregend, lohnt sich aber. Nach mehreren Durchläufen wird es immer besser, versprochen.

Das Album ist geil produziert, fast zu anschmiegsam, aber unter der vermeintlich glatten Oberfläche brodelt immer noch eine wilde Mischung aus Drogen, Mittelfingern, Lärm und guter Laune ohne Grund. Dass sie, wie andere Musiker unter Ricky Reed, die Milliarden-Klick-Grenze bei Youtube knacken, kann man ihnen wünschen.

Peter Heidelbach

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