Rezension

Faber

I Fucking Love My Life


Highlights: Das Leben Sei Nur Eine Zahl // Ihr Habt Meinen Segen // Das Boot Ist Voll
Genre: Singer/Songwriter
Sounds Like: AnnenMayKantereit // Von Wegen Lisbeth

VÖ: 01.11.2019

Da ist er wieder: ein Faber im Wind. Zwei Jahre nach seinem letzten Werk veröffentlicht der Schweizer nun „I Fucking Love My Life“ und zeigt sich auf dem Cover in selbstzufriedener, offener Pose ganz in weiß gekleidet. Die Farbe des Covers steht allerdings im Kontrast zum Inhalt, denn in seinen wieder in Schwermut getränkten Texten sieht er eher schwarz. Eins ist klar: Einfache Kost ist das hier nicht.

Die wirkliche Erträglichkeitsgrenze wird in „Sag Mir Wie Du Heisst (Pt.2)“ erreicht, wenn er unter Einsatz von Streichern allzu betrübt mit den Worten „Denk an mich, bevor du gehst, denk an mich, bevor du schläfst“ vor sich hin leidet. Mehr Elegie in Moll geht kaum. Das darauf folgende, stark reduzierte „Ihr Habt Meinen Segen“ ist dagegen deutlich zugänglicher und erinnert mit seinen Melodiebögen an Leonard Cohen. Die Stärke des Songs liegt auch darin, dass die Stimme hier nur von einer Akustikgitarre getragen wird und somit voll zur Geltung kommt. Sollte er öfter machen. Das schon bekannte „Generation YouPorn“ zeigt mit sarkastischem Unterton auf, wie sich die Gesellschaft entwickelt hat: „Ich bin so dumm, ich weiß nicht mal mehr, wer ich bin“. Hallo Volksverdummung. Ein musikalischer Ausreißer ist „Das Leben Sei Nur Eine Zahl“. Hier werden wieder die guten alten 80er mit Synthesizerflächen und Saxofoneinsatz heraufbeschworen. Das wirkt alles sehr smooth und beweist, dass es nicht immer die Goran Koc y Vocalist Orkestar Band sein muss, die nämlich ansonsten zumeist das Kernstück der Songs bildet. Politisch hat Faber auch einiges zu sagen, was vor allem in „Das Boot Ist Voll“ deutlich wird, denn hier bekommen die „Besorgten Bürger“ ihr Fett weg. Zeilen wie „Wenn Menschlichkeit und Verstand deiner Wut weicht / Besorgter Bürger, ich besorg's dir auch gleich“ sind mehr als deutlich und wichtig in einer Zeit, in der ein Rechtsruck durch Europa geht. Den Abschluss bildet „Heiligabig Bin Ich Bsoffe“ in dem er „Alles, was mir heilig ist, bist du“ vor sich hin säuselt. Kann man vielleicht mal unter dem Tannenbaum zu später Stunde anhören. Mehr aber auch nicht.

Alles in allem ist „I Fucking Love My Life“ kein wirklich rundes Album geworden. Der schönste musikalische Ausreißer bleibt der 80er-Jahre-Verschnitt „Das Leben Sei Nur Eine Zahl“, das Akustikgitarrenkleinod „Ihr Habt Meinen Segen“ und der menschliche Fingerzeig „Das Boot Ist Voll“. Daneben stehen leider viele schwermütige Songs an der Grenze zum Erträglichen. Deswegen nächstes Mal gerne wieder mehr überdrehte Sachen wie „Züri“ vom Debütalbum.

Marcus Schmanteck

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