Rezension

Ezra Furman

Twelve Nudes


Highlights: Calm Down aka I Should Not Be Alone // Evening Prayer aka Justice // I Wanna Be Your Girlfriend
Genre: Indie-Rock // Punk
Sounds Like: Fontains D.C. // Rolling Coastal Blackout Fever // Car Seat Headrest

VÖ: 30.08.2019

Ezra Furman ist aktuell einer der Musiker der Stunde. Unzählige Projekte, fast jedes Jahr eine neue Platte, Musik für eine Netflix-Serie („Sex Education“), ein wunderbares Coveralbum und immer mit wichtigen Themen, die den Musiker selbst sehr beschäftigen: Liebe, Gott und Queerness. Seine Bisexualität und sein Auftreten als Cross-Dresser, sowie der größere Fokus auf seinen jüdischen Glauben waren nicht nur neben der Karriere und auf der Bühne, sondern auch in den Texten essentielles Thema.

„Perpetual Motion People“ enthielt Rock’n’Roll und Swing-Elemente, das letzte Album „Transangelic Exodus“ war eine Anlehnung an eine Rock-Oper – und nun? „This is our punk record“, bezeichnete Furman selbst die neue Scheibe. In Summe ist es wohl eher Indie-Rock, aber manche Tracks sind richtige Punksongs geworden, in denen es Krach und Geschreie gibt und deutlich andere musikalische Elemente im Vordergrund stehen als zuletzt. „Twelve Nudes“ ist eine abwechslungsreiche Platte, die viel Interessantes bietet, aber ein zeitweise hohes Niveau nicht immer halten kann.

Der Albumstart ist grandios und hat gleich die größten Highlights parat mit „Calm Down Aka I Should Not Be Alone“ und „Evening Prayer aka Justice“. Beides wunderbare Indierock-Songs, die vor allem nach dem Frühwerk von Ezra Furman klingen und Lust auf Tanzen bei Konzerten oder in Indie-Clubs machen. Danach wird es laut, schrammelig und rockig. Mal schreit Furman, mal singt er und nach kurzem Einhören muss man sagen, dass auch das gut funktioniert. Es kommt nochmal ein überraschender und dabei wunderbarer Moment mit der Ballade „I Wanna Be Your Girlfriend“, die fast an schmalzigen Rock’n’Roll erinnert, aber auch nur fast, denn bei Ezra Furman kann auch so etwas funktionieren. Zum Ende der Platte wird es wieder rockiger. Das anfänglich hohe Niveau des Albums kann leider zum Ende nicht gehalten werden und die letzten Songs sind eher von unscheinbarer Natur.

Marian Krüger

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Video zu "I Wanna Be Your Girlfriend"

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