Rezension

Devendra Banhart

Smokey Rolls Down Thunder Canyon


Highlights: Cristobal // Tonada Yanomaminista // Lover // I Remember
Genre: Sixties-Pop // Folk
Sounds Like: M. Ward // Iron & Wine // ein wenig Beirut // ein klein wenig The Doors

VÖ: 21.09.2007

Ein Blick aufs Artwork lässt vermuten: Bei Devendra Banhart hat sich auf "Smokey Rolls Down Thunder Canyon" nicht viel verändert. Zwar hat er erfolgreich einen weiteren unauffälligen Grundfarbton irgendwo zwischen grau und braun gefunden (Tendenz: grauer werdend), dieser hätte aber eigentlich auch gerne mal knallrot sein dürfen. Zugegeben, das Coverfoto von "Cripple Crow" fiel etwas aus der Reihe. Und sowieso: Auf der Rückseite der Neuen gibt es frisches Obst und vorne ein lilanes Ufo, oder so. Was will man mehr?

Musik vielleicht. Die ist, wie man es von Devendra Banhart auch nicht anders erwartet hatte, gut. Fraglich nur, ob es auf "Smokey Rolls Down Thunder Canyon" nicht doch möglicherweise zu viel des Guten gibt. Wer Banhart kennt, weiß, dass 16 Songs pro Album Minimum sind. 16 sind es auch diesmal, und da diese 16 Songs im Schnitt länger als vier Minuten dauern, ergibt sich als Summe ein Album, das die Hörerschaft in seiner Länge problemlos erschlagen kann. Was freilich weniger mit der Gesamtlänge als mit den einzelnen Songs zu tun hat, die teilweise einfach nicht ins Ohr gehen.

So hört man das Album ein paar Mal, dann nochmal, und noch ein paar Mal. Man erkennt mit der Zeit immer mehr Stellen wieder, findet die Musik durchaus schön - doch selten war ein dem Singer/Songwriter-Genre zuzuordnendes Album weiter davon entfernt, Ohrwürmer zu liefern. Das ist kein Kritikpunkt? Irgendwie schon. Das Album ist ja wirklich schön, und ab und zu auch eingängig. "Lover" könnte im schlimmsten Fall der Soundtrack einer außergewöhnlich hochqualitativen Telefonkonzern-TV-Werbung werden, die Konkurrenz würde es dann vermutlich mit "Tonada Yanomaminista" versuchen. Die beiden Songs sind wohlgemerkt nicht die einzigen, die an lustigen Pop aus den Sechzigern erinnern.

Am schönsten ist allerdings "Cristobal", das eine träumerische Atmosphäre schafft. Versetzt einen in eine andere Welt. Welch Zufall, sowas ähnliches singt Devendra auch: "Hay un mundo más aya" - Spanisch. Deutsch: Es existiert eine Welt jenseits von dieser hier. Glaubt man gerne, denn auf eine bestimmte Weise ist die Musik von Devendra Banhart so befremdlich, dass man sich vorstellen könnte, dass er aus jener anderen Welt kommt. Und um ehrlich zu sein: Das ist vermutlich die einzig logische Erklärung.

Mario Kißler

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.