Rezension

Darkstar

Civic Jams


Highlights: Text // 1001 // Wolf
Genre: (Post-)Dubstep
Sounds Like: Burial // James Blake // Actress // Floating Points // Nicolas Jaar // Ghostpoet

VÖ: 19.06.2020

Der klassische Dubstep gilt im Grunde als tot. Geschliffen von jenen, die die tiefen Bässe mitnahmen, vielfach mit Breaks versahen und überdrehten Ballerelektro einbrachten. Spricht man heute im musikalischen Bekanntenkreis über neue Veröffentlichungen aus dem Genre, geht das schon gar nicht mehr ohne den Zusatz „ist aber kein Dubstep wie Skrillex, Noisia und Co.“ – die im Übrigen ihre absolute musikalische Berechtigung haben. Darkstar aus London stehen genau in diesem Genre. Gegründet zeitlich rund um das Erscheinen von „Untrue“, des Referenzwerks der britischen Bassmusik schlechthin, ist „Civic Jams“ nun Album Nummer vier der Briten.

Thematisch nehmen sich Darkstar des Persönlichen und Privaten an – und verweisen auf das alte Sprichwort, nach dem auch das Private politisch ist: Wenig überraschend fließen die Umbrüche des Brexit in die Betrachtungen von Aiden Whalley und James Young. Als „Negativaufnahme eines Dancealbums“ bezeichnet das Duo ihr Werk selbst, was einerseits treffend ist, andererseits aber auch absurd – lässt es sich zu einigen der Songs geradewegs tanzen. Zu „1001“ etwa, welches mit einem herrlich angeschrägten, fast schiefen Signature-Beat aufwartet.

Ein Großteil der Tracks flimmert im Zwischenraum, so wie es für viele insbesondere junge Menschen in Großbritannien gerade ist: Die Fragen, wo gehört was hin, was ist eigentlich der aktuelle Status, wie wird die Zukunft aussehen? Alles schwammig und neblig, die Aussichten: eher düster. Die Stimmung bisweilen resigniert, andererseits auch: Fuck it, let’s dance! „Tuesday“ zitiert den Madchester, verweist lose zu Underworld und donnert eingangs ziemlich los. Und dann ist da noch „Text“: ein ungemeiner, unverschämter Hit. Potentieller Song des Jahres. Ein unglaublich lässiger Groove, wunderschöne Gesangsmelodien und als special effect klingelnde Kassen passend zum Takt. Direkt anzuschließen kann nur undankbar sein. Darkstar lösen dies über „Blurred“, welches mehr ein längeres Outro als ein vollwertiger Track ist und lassen so „Civic Jams“ ganz entspannt ausfaden.

Klaus Porst

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"Wolf"

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