Rezension

Damien Rice

9


Highlights: 9 Crimes // Accidental Babies
Genre: Singer/Songwriter // Folk
Sounds Like: Nick Drake // Jeff Buckley // Kristofer Aström // Emmett Tinley

VÖ: 24.11.2006

Seid beruhigt, ich spare mir ausnahmsweise das übliche Geschwafel über das gefürchtete, ach so schwere zweite Album. Ist doch eigentlich auch egal, wie lang man an den Songs rumtüftelt. Entweder es funktioniert oder eben nicht. Hat nicht Musikproduzenten-Legende Dieter Bohlen einst erklärt, dass ein richtig guter Songschreiber desöfteren eine Art Geistesblitz erfährt und dann einfach in schlappen fünf Minuten einen Welthit schreibt? Wenn Dieter das kann, was zweifelt dann wer bei unserem Lieblingsiren?

Für all diejenigen, die's tatsächlich getan haben, dürfte der Zweifel, insofern sie nichts an den Ohren haben, bereits nach wenigen Sekunden verflogen sein. Is that alright with you? Give my gun away when it's loaded, Is that alright with you?, If you don't shoot it how am I supposed to hold it, Is that alright with you? Give my gun away when it's loaded, Is that alright with you? With you. flüstert Lisa Hannigan, Damiens aus seinem Meisterwerk "O" bekannte Duettpartnerin, die glücklicherweise auch auf "9", wenn auch nicht ganz so oft wie auf dem Debüt, einigen Songs mit ihrer wunderbaren Stimme zusätzlichen Glanz verleiht. Wenig später folgt Damiens Antwort. So muss ein Lied, speziell ein Duett klingen. Untermalt von Piano und später Streichern, bringt es mich soweit, Folgendes zu sagen: Was wir hier hören ist nicht nur der Song des Jahres, sondern auch das Fabelhafteste, was wir bisher von ihm gehört haben. Ein Dieter-Bohlen-Geistesblitz-Moment?

Mag sein. Doch leider muss man mit der Zeit feststellen, dass "O" wohl nicht zu toppen ist. Zwar ist es abwechslungsreicher geworden und jeder von Rice ausprobierte neuer Stil steht ihm auch, doch was vor drei Jahren "Cannonball", "The Blower's Daughter" oder "Amie" mit mir angestellt haben, wiederholt sich diesmal nicht. Es klingt einfach nicht mehr ganz so brutal ehrlich - kann jemand überhaupt noch dermaßen ehrlich klingen, wenn er mit jeder neuen Single die Charts in ganz Großbritannien stürmt?

Diese Frage stellt man sich während "Rootless Tree", das zwar mit einer Gitarrenmelodie beginnt, die beim Hören zwangsläufig zur Ausschüttung von Glückshormonen führt, doch diese Schönheit leider durch einen etwas zu pathetischen Refrain verliert, genau wie bei den Liedern "Dogs" und "Grey Room", die objektiv betrachtet schon nach Liedern von "O" klingen, aber dennoch frei von deren Magie sind. Was ist schon objektiv?

Also wieder subjektiv. "Accidental Babies" knüpft kurz vor Schluss nochmal an den großartigen Einstieg an. Wieder ist es einer der minimalistischen Songs, der für Begeisterung sorgt. Damien und sein neuer bester Freund das Klavier, ein wunderbarer Spannungsbogen, der für sechsminütiges Luftanhalten sorgt und ein selbst für den Herbst fast schon zu trauriger Text: Well I know I make you cry, And I know sometimes you wanna die, But do you really feel alive, without me?, If so: be free, If not: leave him for me, Before one of us has accidental babies. We aren't free. Mehr solche Geistesblitze bitte.

Paul Weinreich

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