Interview

Muff Potter


Muff Potter sind momentan der Presseliebling in der deutschen Rocklandschaft. Nicht zuletzt ihre intelligenten Texte und ihr Engagement für den "I Can´t Relax In Deutschland" Sampler haben sie zuletzt häufig ins Gespräch gebracht. Grund genug für uns, Drummer Brami mal genauer auf den Zahn zu fühlen.

Wie läuft denn die Tour soweit bei euch?

Brami: Super! Wir haben die Hälfte der Läden bisher ausverkauft. Waren natürlich keine Riesenhallen, aber doch, läuft alles toll.

Ihr habt euer neues Album sowohl unter eurem eigenen Plattenlabel „Huck´s Plattenkiste“, als auch unter einem Major veröffentlicht. Wie kam es dazu? Hat sich das einfach so ergeben, oder war das eure Absicht?

Brami: Es hat sich so ergeben würde ich sagen. Es war ja so, dass wir uns schon bei der vorletzten Platte umgeschaut haben, was ein neues Label angeht. Da haben wir dann nichts gefunden und das Ganze dann selber gemacht. Und dieses Mal war es einfach so, dass sich Universal gemeldet hatte, nachdem wir die Platte bereits komplett im Kasten hatten. Von daher waren wir in einer glücklichen Position zu denen hinzufahren mit einer fertigen Platte im Gepäck und zu sagen was wir wollen und was wir nicht wollen. Das war halt super für uns.

Ihr habt dann nachträglich quasi gar nichts mehr daran gemacht?

Brami: Nein. Wir waren ja dann in der Lage Bedingungen zu stellen und die haben die seltsamerweise alle akzeptiert. Wir können jetzt egal, ob es um Videos geht oder die künstlerische Gestaltung der Platte alles selber entscheiden. Das ist schon etwas außergewöhnlich. Wir haben zum ersten Mal so die Gelegenheit das zu tun, was wir eigentlich tun wollen: Platten aufnehmen und zu touren. Und nicht Zuhause rumhocken und tausend Päckchen als Promos zu packen oder sich um jedes Konzert zu kümmern. Das ist schon eine Menge Arbeit, die uns jetzt erspart bleibt.

Habt ihr deswegen jetzt irgendwelche Identitätsprobleme mit der Szene, die euch vorwirft, ihr würdet euch verkaufen?

Brami: Ja klar. Die gibt’s natürlich immer wieder. Das war aber früher schon so. Als wir beispielsweise mit der Homepage online gegangen sind, haben sich viele verabschiedet. Aber naja, das ist halt so. Also davon darf man sich dann irgendwie auch nicht abhalten lassen. Das was uns so lange Zeit schon bewegt und ermutigt weiterzumachen ist halt diese ständige Suche nach Veränderung. Das hat nicht nur mit dem Label zu tun, sondern auch mit der Musik an sich und mit Sachen, die wir eben vorhaben. Wir wollen Videos machen und auch im Ausland touren. Im Moment steht nämlich sogar eine Japan- Tour im Raum, aber das ist noch nicht ganz sicher. Das Album wollen wir da auch rausbringen.

Deswegen habt ihr das Album wahrscheinlich auch noch einmal auf Englisch eingesungen.

Brami: Genau! Das ist eben das, was uns interessiert. Und da kommen natürlich auch aus dieser Punkszene, der wir auch viel zu verdanken haben, weil wir ja jahrelang in jeder ranzigen Punkkneipe gespielt haben, solche Vorwürfe von wegen Ausverkauf und so. Aber irgendwann will man auch mal was anderes abarbeiten, weil sonst ja die Luft raus ist. Es gibt halt auch Bands, die 20 Jahre das Gleiche machen, was ich auch respektiere. Aber für uns wär das nichts.

Ging das von euch aus, das Album auf Englisch noch einmal aufzunehmen, oder hat man das euch nahegelegt, dass es Vorteile auf dem internationalen Markt haben könnte?

Brami: Es ist ja so, dass der Ingo, der Sänger von den Donots mit unserem „Manager“ Florian sehr gut befreundet ist. Die haben halt in Japan zusammen ein Label eröffnet und von denen kam dann der Anstoß das so zu machen. War ja dann auch ein relativ kleiner Aufwand da noch einmal in Englisch drüberzusingen. Jetzt gefallen mir irgendwie manche Stücke auf Englisch nicht mehr so richtig und manche dafür umso mehr. Das ist schon komisch.

Ihr kennt ja den aktuellen Boom an deutschen Bands mit deutschen Texten. Denkt ihr darüber nach, dass das für euch auch einen Schub geben könnte?

Brami: Ich glaub schon, dass wir davon profitieren in gewisser Weise, aber andererseits haben wir schon immer unser Ding mit deutschen Texten durchgezogen und werden das auch dann noch machen, wenn dieser ganze Hype wieder abgeflacht ist in ein paar Jahren. Daher kratzt mich das auch nicht großartig. Ich meine wir singen zwar deutsch, aber wir definieren uns ja nicht jetzt darüber deutsch zu sein.

Womit wir gleich beim nächsten Thema wären. Ihr habt ja auch bei dem „I Can´t Relax In Deutschland“ Projekt mitgewirkt. Hat man euch da gefragt, ob ihr mitwirken wollt, oder war das euer Anliegen da dabei zu sein?

Brami: Also wir haben schon von längerer Zeit davon gehört, dass es diesen Sampler geben soll. Da hat man uns dann auch angefragt, aber wir hatten zu dem Zeitpunkt noch keinen Song, der sich mit dieser Thematik beschäftigt hatte. Dann haben wir das irgendwie vergessen und dann wieder davon gehört. Diesmal waren schon ein paar Namen von anderen Bands bekannt und dann hat Nagel (Anm. d. Red. Sänger von Muff Potter) denen geschrieben: „Tschuldigung, wolltet ihr uns nicht dabei haben? Wir haben jetzt mittlerweile nen Song für...“ Also, der Song „Punkt9“ war jetzt nicht extra für diesen Sampler gemacht, sondern wir wollten einfach schon länger einen Song zu diesem Thema schreiben.

Wie war das denn mit den anderen Bands? Habt ihr da alle die gleiche Meinung gehabt, oder gab es da ein paar Differenzen, die zuerst geklärt werden mussten?

Brami: Ne, da war allen genau klar worum es ging im Vorfeld und alle haben sich damit einverstanden erklärt. Tocotronic, die ja auch auf dem Sampler vertreten sind, sind ja bekannt dafür sich smart zu dem Thema äußern zu können und deswegen freuen wir uns auch dabei zu sein.

Wie geht ihr denn mit anderen Meinungen zu diesem Thema um? Versucht ihr da die Leute von eurer Einstellung zu überzeugen, oder akzeptiert ihr ein Stück weit andere Ansichten?

Brami: Nein, ich akzeptier keine anderen Meinungen! (lacht) Nein, es wäre natürlich dumm, wenn wir das nicht tun würden. Aber das fing ja damals schon an, als sich Heinz Rudolf Kunze zu Wort gemeldet hatte mit seiner Deutschquotenforderung und ähnlichem Schwachsinn. Deshalb fanden wir es einfach wichtig, dass dazu endlich mal etwas gemacht wird, weil es ein recht komplexes Thema und auch schwierig zu vermitteln ist. Es ist ja kein Anti- Nazi Sampler. Es ist halt immer schwierig Leuten zu vermitteln, was man will, die sagen: „Wieso? Franzosen dürfen auch stolz auf ihr Land sein! Warum dürfen wir das nicht?“. Nämlich genau dieser Opfermentalität, die es ja tatsächlich noch gibt, dass deutsche Kultur und Musik unterdrückt wird etc. etwas entgegenzuhalten. Eben zu versuchen, einem völkischen Gemeinschaftsgefühl entgegenzuwirken, welches meiner Meinung nach aber zum Glück gar nicht gibt.

Genau das wird aber doch gerade mit diesem neuen „Du bist Deutschland“ Werbespot versucht.

Brami: Ja, das ist ja auch hochgradiger Schwachsinn. Also ich glaub ja nicht, dass Xavier Naidoo rechtsradikal ist, sondern es geht einfach um einen verkürzten eindimensionalen Blickwinkel zu der ganzen Sache. Deswegen ist der Sampler wichtig um da aufzuklären. Da ist zwar für meinen Geschmack zuviel Elektro-Pop drauf (lacht), aber das ist auf jeden Fall eine wichtige Sache.

Anderes Thema. Ihr wart ja Support bei einigen Queens Of The Stone Age Gigs hier in Deutschland. Kannst du da ein wenig von berichten?

Brami:(wird ganz euphorisch) Jaaa!!! Ich bin ja immer noch hin und weg. Wir sollten ja drei Shows supporten. Stuttgart ist dann leider ausgefallen, weil Josh Homme einen Tag vorher irgendwie auf der Bühne zusammengebrochen ist. Aber Wiesbaden war dann der absolute Oberhammer! Das war eins der besten Konzerte, die ich je gesehen hab und die Queens sind ja sowieso eine meiner absoluten Lieblingsbands.

Hattet ihr Kontakt zu der Band?

Brami: Ne, da war eher wenig. Die waren zwar alle ganz nett und so, aber man hat sich einfach relativ wenig gesehen. Da war dann irgendwie einfach die Zeit dafür nicht da und Josh ging es ja auch total dreckig. Leider hat es da nicht so gemenschelt. Aber das Ganze war auch ein Stück weit das, was ich vorhin schon einmal erwähnt hatte. Das war auch ein Schritt für uns als Band nach vorne mal so eine Band zu supporten und vor so vielen Menschen zu stehen. Die Reaktionen waren auch besser als erwartet. Die Leute waren jetzt nicht euphorisch, aber haben immerhin wohlwollend geklatscht.

Das Album habt ihr jetzt schon längere Zeit im Kasten gehabt. Schreibt ihr bereits an neuen Songs?

Brami: Ne, noch nicht. Also, ich glaub, das wird so wie beim letzten Mal, wo wir uns dann zu einem bestimmten Zeitpunkt zusammensetzen und dann ganz massiv und mit Gewalt Songs schreiben. Das Nächste, was noch ansteht ist ein zweites Video, ansonsten haben wir erst mal keine weiteren Pläne.

Benjamin Köhler, Lisa Krichel

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