Interview

Anajo


Anajo sind wieder da. Mit dem zweiten Album "Hallo, wer kennt hier eigentlich wen" haben sie uns auch nicht im Geringsten enttäuscht. Anlass genug, sich mit ihnen in der Kantine Konstanz ein wenig zu unterhalten. Über das erste Mal im Fernsehen und von der wirklich wahren Wahrheit über den Mann aus Amsterdam. Und überhaupt: Wer ist denn jetzt eigenlich Monika Tanzband?

Lange war es ruhig um euch und plötzlich taucht ihr auf mit einer Ballade zum Bundesvision Contest. Wieso eine Ballade in dieser Form, die doch recht ungewöhnlich ist für euch?

Olli: Wir haben uns ja schon im Jahr davor für den Bundesvision Songcontest beworben, damals sind allerdings Tip Top für Bayern genommen worden. Anscheinend haben wir aber einen bleibenden Eindruck hinterlassen, und so kam letztes Jahr im Sommer der Anruf, wie es denn mit neuen Stücken aussähe. Wir haben dann bereits fertige Songs, bzw. Demos, dorthin geschickt, und dann war es so, dass dieser Song speziell gewünscht wurde.

Wie kam es denn zur Zusammenarbeit mit Suzie von Klee?

Olli: Das war schon, bevor wir wussten, dass wir beim Bundesvision Songcontest teilnehmen werden. Wir haben uns bei dem Song gedacht, da muss einfach zweistimmiger Gesang her, ein klassisches Gesangsduett mit einem männlichen und einem weiblichen Part. Da ist uns gleich Suzie in den Kopf gekommen, wir kannten sie schon von diversen Festivals, wo wir sie getroffen und uns immer gut mit ihr verstanden haben. Wir schätzen sie total, also als Sängerin und Frontfrau von Klee, deswegen haben wir sie gefragt und sie war dann gleich begeistert.

Habt ihr weitere Zusammenarbeiten mit anderen Musikern geplant?

Olli: Keine Ahnung, da lassen wir uns mal überraschen. Es hat auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht mit der Suzie und...ja, wissen wir noch nicht (grinst).

Was für eine Erfahrung war der Bundesvision Songcontest für euch?

Olli: Das war alles total aufregend. Es hat sich ja die Wochen vor dem Auftritt bei Stefan Raab alles nur noch um diese Sache gedreht. Da sind so viele Termine, die da mit dranhängen. Vorbereiten, hochfahren, sich mit den Leuten treffen. Und natürlich auch bei uns, wir mussten uns auf den Auftritt vorbereiten, und es gab halt nur noch den Bundesvision Songcontest...und am Schluss ist alles in drei Minuten vorbei (alle lachen) . Aber es war super spannend, mal zu sehen, wie das im Fernsehen alles so läuft. Wir waren auch überrascht, wie nett die Leute dort alle sind. Wirklich total coole Leute, und auch Stefan Raab selber war wirklich sehr respektvoll, sehr angetan und sehr nett zu uns. Speziell bei diesem Wahlwerbespot mit Bob Ross, den wir da gedreht haben, hat er uns ein paar mal gesagt, wie geil er den findet. Wir haben uns echt absolut wohlgefühlt dort.

Ist Stefan Raab wirklich so, wie vor der Kamera?

Michi: Also zu uns war er wirklich sehr zuvorkommend und sehr locker.

Olli: Aber man muss auch ehrlich sein und sagen, wir haben von Stefan Raab gar nicht viel gesehen. Er kommt eben kurz vorher vorbei und sagt: "Hallo".

Geht es in erster Linie um Spaß, oder spürt man backstage letztendlich doch ein bisschen Konkurrenzluft?

Olli: Wir waren natürlich froh, dass wir einen Platz vor Tele waren (lacht) . Nein, Schmarrn, das ist einer der absoluten Lieblingssongs von mir. Also wir haben es nicht so als Konkurrenz wahrgenommen. Das haben manch andere Leute wohl getan, bei Jan Delay hat man´s ja gemerkt, mit seiner Aussage "Hat Deutschland Style oder hat Deutschland keinen Style" mit Oomph und so, aber wir haben das echt locker gesehen. Natürlich wollten wir jetzt nicht gerade Letzter werden und haben uns Mühe gegeben, weit nach vorne zu kommen, klar, aber Konkurrenzgedanken hatten wir da keine.

Michi: Es hat wahnsinnig Spaß gemacht, auch, wenn wir die zwei Tage schon ständig unter Strom standen. Und nach dem Auftritt war die Party natürlich auch gut und lustig (alle lachen).

"Honigmelone" und "Monika Tanzband" sind auf dem Debüt auf ihre Art sehr herausgestochen und fehlen auf dem neuen Album.

Olli: Naja, wir haben halt die Songs genommen, wie sie kamen. Wir wollten jetzt keinen weiteren Song über irgendein anderes Obst oder Gemüse drauftun (lacht) . Aber du hast natürlich Recht, auf dem zweiten Album fehlt dieses dadamäßige wie Honigmelone. Ein, zwei Songs in eine ähnliche Richtung gibt es ja schon...

Michi: Hotelboy.

Olli: Hotelboy, zum Beispiel, genau.

Aber ihr sagt nicht, dass Honigmelone-Zeiten vorbei sind?

Olli: Nö, wie gesagt, wir haben die Songs genommen, wie sie gekommen sind. Das ist ja auch der große Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Album. Das erste Album basiert ja auf den ganzen Demos, die vorangegangen sind, und das zweite Album ist mehr eine Momentaufnahme. Auf dem ersten sind die Songs eben über fünf Jahre entstanden, deswegen ist das ganze Bild von "Hallo, wer kennt hier eigentlich wen" ein bisschen kompakter, es geht da auch nicht so weit auseinander wie Honigmelone und Hommage zum Beispiel.

Eure Texte kann man fast schon als Wortkunst beschreiben...

Olli: (unterbricht grinsend) Wenn du das sagst?

Auf jeden Fall...ausserdem arbeitet ihr mit sehr vielen Wortspielen. Zerbrecht ihr euch beim Texten den Kopf oder fällt euch das leicht?

Olli: Das ist wirklich mal so und mal so. Manche Texte entstehen innerhalb einer halben Stunde, das sind aber nicht allzu viele. Das ist meist eine Kombination von spontanen Einfällen und...(überlegt kurz)...Arbeit. Also, sich hinzusetzen, zu überlegen. Also immer beides. Wobei, die besseren Texte entstehen immer durch spontane Einfälle. Aber man kann ja nicht immer nur auf diese Sachen warten.

Den schönsten Mann sahst du ja auf einer Abifahrt in Amsterdam. Das ist wirklich passiert. Entstehen auch die anderen Songs aus persönlichen Erfahrungen?

Olli: Mmmmm (überlegt), einiges. Sagen wir einiges. Also, das mit Amsterdam-Mann, das muss man auch sagen, da ist ja auch im Nachhinein viel Verklärtes mit dabei. Ich muss sagen, ich weiß NICHT mehr, wie er aussah. Das war damals mit meiner damaligen besten Freundin immer so ein Running Gag. ´Ja damals dieser Typ da, auf dem Boot in Amsterdam´. Er sah natürlich gut aus, ich weiß allerdings nicht, ob ich ihn jetzt noch gutaussehend finden würde, aber das ist eine Sache, die hab ich erlebt, und das ist bei vielen anderen Stücken auch so, dass sie zumindest einen Anstoß oder eine Inspiration zu einem Thema geben.

Dieses Erlebnis hattest du ja schon auf deiner Abifahrt, trotzdem erscheint der Song erst mit eurem zweiten Album.

Olli: Zum einen, weil er nicht fertig war, es gab ihn also immer nur als Fragment. Den ganzen Text habe ich erst vor ungefähr zwei Jahren oder so fertiggeschrieben. Wir haben ihn ab und zu mal gespielt, vereinzelt auf Konzerten. Naja, und zum anderen haben wir auch ein bisschen diskutiert, ob wir ihn mit draufnehmen auf die Platte oder nicht, es hat schon ein bisschen Überzeugungsarbeit gebraucht...

Untereinander?

Michi: Bei mir. Ich hatte so ein bisschen Angst, dass wir in die Schiene Rosenstolz oder so rutschen, so als Vorzeigeband der Schwulen- und Lesbenszene. Da hab ich mir im Vorfeld schon einige Gedanken gemacht. Ich selber find den Song total schön...

Das ist er auch.

Michi: ...ich hab damit auch absolut kein Problem, nur finde ich, dass man als Band ein bisschen aufpassen muss, dass man nicht in eine Schiene oder Richtung gedrängt wird, die überhaupt nicht stimmt. Wir haben dann auch kurzzeitig überlegt, ob wir noch eine Strophe einbauen wie "Die schönste Frau traf ich in Künzelsau" (alle lachen).

Und wie wurdest du dann letztendlich doch überzeugt?

Michi: Im Endeffekt kann man das ja auch alles umdrehen, dass man es eben nicht als Mann sieht, sondern als Frau.

Ingolf: Manche Kerle sehen auch am Morgen so unglaublich perfekt aus.

Olli: Also wir ganz bestimmt nicht (grinst).

Michi: Daran haben wir dann auch immer die ganze Nacht gearbeitet (lacht).

Ist denn viel mit feiern? Zur Zeit seit ihr ja fast ununterbrochen unterwegs.

Olli: Also wir haben uns für diese Tour wirklich vorgenommen, anständig zu bleiben, auch mit der Feierei. Wir haben jetzt 18 Konzerte am Stück in diesem Block, das ist schon enorm. Da müssen wir, vor allem ich mit der Stimme, schon fit bleiben. Also gerade bei mir, zuviel Bier und zuviel Zigaretten, das geht halt gar nicht...na gut, also gestern...(grinst zu Ingolf und Michi) gestern war schon...

Michi: Naja, dann kennt man hier und dort die Leute, und das sind ja auch alles keine Kinder von Traurigkeit. Da haben wir das ein oder andere Bier schon leergetrunken. Man merkt das dann am nächsten Tag natürlich.

Olli: Aber wir haben uns das wirklich vorgenommen, schau´ma mal ob´s klappt (grinst) .

Und schließlich: Wer ist denn jetzt eigentlich Monika?

Michi: Monika ist die größte Popkünstlerin der Welt, sie ist überall, jedoch, wenn man sie sucht, ist sie unauffindbar.

Hä? (alle lachen)

Olli: Keine reale Person. Das war zum Beispiel so eine Sache. Der Text von Monika Tanzband war so etwas ganz Spontanes. Ich bin in Augsburg durch die Fußgängerzone gelaufen und habe die Unterhaltung von zwei Leuten, die mir entgegengekommen sind, so ein bisschen verstanden, also nur ein paar Wörter. Und davon waren zwei eben "Monika" und "Tanzband". Total aus dem Zusammenhang gerissen, aber das fand ich so cool und so absurd (grinst) . Und da hab ich eben diesen Text geschrieben.

Alles klar, vielen Dank und viel Spaß später auf der Bühne. Ich freu mich drauf.

Stefanie Graze

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Rezension zu "Drei" (2011)

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