Rezension

Anajo

Drei


Highlights: Schattenkabinett // Mädchenmusik
Genre: Power-Pop // Indie-Pop
Sounds Like: BMX Bandits // Tele // Sportfreunde Stiller // R.E.M.

VÖ: 11.02.2011

Da ist er nun, der dritte Streich der Lausbuben aus Augsburg. Kennt die überhaupt noch jemand? Es waren die feschen Jungs von Anajo, die die Sonne über Haunstetten (Anm.: Ein Stadtteil von Augsburg) retteten, versprachen, uns hier rauszuholen, und die Dreistigkeit besaßen, einen Song über Honigmelonen zu schreiben. Das konnte bisweilen schon abschreckend wirken. Auf der anderen Seite: So flapsige, teils durchgeknallte Texte, die, an der Grenze zum puren Kitsch, in dieser Weise erst einmal glaubhaft vorgetragen werden wollen, das war schon ganz gut. An der Wortwahl lag das nicht, denn die war ja stets recht bodenständig und direkt, man mag beinahe sagen banal, und dabei intelligenter als bei manch anderen Sportfreunden dieser Stunde. Ja, das machte den Gitarrenpop mit Synthie-Anleihen doch recht unterhaltsam. Für manche zumindest. Gut gelaunt, schlecht gelaunt? Gut gelaunt, verdammt gut gelaunt waren sie und sind sie noch immer!

Ist es nicht schön, wenn ein so herrlich unkompliziertes Album wie „Drei“ ganz unverhofft aus dem Nichts erscheint und frech erst einmal behauptet wird, es sei beeinflusst von Bands wie Guided by Voices oder den BMX Bandits? Ok?! Wer braucht schon Synthies? Ab und an eine Orgel reicht ja völlig. Daneben ist es wirklich so, dass Anajo verdammt rotzig und dabei poppig klingen und das auf den ersten drei Songs überraschend gut demonstrieren. „Das war jetzt ein Schritt in die richtige Richtung“, ist man geneigt zu sagen. „Schattenkabinett“ oder die erste Single „Mädchenmusik“ machen Laune. Und die Texte haben durchaus Witz und Charme: „[Hi, Freaks und] Schwule Sänger dieser Welt, bleibt doch da, wo‘s euch gefällt! Haha hahaha!“, singen sie. Die Anspielung ist doch mal à la bonne heure, sodass der Hörer hämisch grinsen muss.

Dann kommt diese Phase, in der der Hörer feststellt, dass es immer noch Anajo sind, die da singen. Also die von früher mit Kitsch und Tralala und gewagten Thesen wie „Kleine Lügen erhalten die Freundschaft“. „Naja, also war das jetzt wirklich cool?“, geht es einem durch den Kopf. Das war und bleibt wohl Geschmackssache. Alles beginnt gut bei „Mann auf dem Mond“: Eingängig, getragen, schön. Dann aber gesellt sich dazu etwas zu sehr Pathetisches, was so gar nicht zu rauen Gitarren und zum neuen Image passt. Dann sind wir eher wieder bei dem biedermeierlichen Pop-Nümmerchen, die Anajo einst zu Stefan Raab gebracht hat. Jungs, das wolltet ihr doch gar nicht!

Die Ansätze stimmen schon und es ist beileibe kein schlechtes Album. Symphatisch sind sie obendrein seit jeher. Hach ja, Anajo!

Achim Schlachter

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