Festival-Vorbericht

Trænafestivalen 2012


Træna. Noch nie gehört? Ist das wohl norwegisch für Zug oder vielleicht doch eher die neueste Tränenflüssigkeit für Kontaktlinsenträger? Nein, natürlich nichts dergleichen. Træna ist der Ort, an dem inmitten paradiesischer Natur nun schon seit zehn Jahren das exklusive Trænafestivalen statt.

Meist wird Træna für eine Insel gehalten, die südlich der Lofoten liegt. Schon fast richtig... Sie ist mit fast 500 Einwohnern eine der kleinsten Gemeinden und das älteste Fischerdorf Norwegens. Allerdings ist Træna genau genommen nicht bloß eine Insel, sondern gleich ein ganzes Inselarchipel mit rund 1000 Inseln, wovon gerade mal eine Hand voll bewohnt sind. Eine davon, nämlich die Hauptinsel Husøya, hält eine ganz besondere Kuriosität bereit: Jedes Jahr im Mitsommer verfünffacht sich für nur wenige Tage die Einwohnerzahl: für das Trænafestivalen.

Die meisten Konzerte des Festivals werden von der Hauptinsel beherbergt. Als Locations eignen sich neben der Hauptbühne auch Zelte, Wohnstuben, Felsvorsprünge oder eben eine abgeschottete Kirche. Die Fenster werden nämlich verdunkelt, da sonst selbst am späten Abend keine düstere Kirchenstimmung zustande kommen mag, denn so weit im Norden geht zu dieser Jahreszeit die Sonne gerade mal für zwei bis drei Stunden schlafen.

Auf der Nachbarinsel Sanna befindet sich dann die legendäre Höhlenbühne, die für ihre so besondere Akustik bekannt ist. Dort darf jedes Jahr nur ein einziger Künstler ein Konzert geben. 2012 wird Ingrid Olava die Ehre haben, in der ca. 30 Meter hohen Naturkathedrale mit Meerblick zu spielen, wo sie bereits schon 2008 mit Damien Rice musizieren durfte. Gutes Schuhwerk ist gefragt, denn man muss sprichwörtlich über Stock und Stein, um durch einen 700 Meter langen, steilen Stollen, den sogenannten Liebestunnel, zu dieser außergewöhnlichen Konzertlocation gelangen zu können.

Soviel Rede von Natur, aber was gibt's dort eigentlich auf die Ohren? Insgesamt ist es wohl ein buntes Genre-Gemisch von Folk über Pop hin zu elektronischen Klängen, die zum Mitsommernächte Durchtanzen einladen. Vorwiegend kommen die Künstler aus dem eigenen Land (Ane Brun, The Whitest Boy Alive, Moddi), aber neben Schweden, Dänen und Co. mischt sich dieses Jahr auch mal ein Amerikaner unters Inselvolk. Bei dem Gedanken an den stets humorvollen Josh T. Pearsons lässt es sich jetzt schon breit grinsen.

Eine Besonderheit noch zum Schluss: Die Festivalveranstalter verzichten in diesem Jahr auf Bargeld, mit Kronen werden sich die Festivalbesucher sich nichts kaufen können. Nicht, weil es nichts zu bezahlen gibt, sondern weil statt langwierigen Geldabzählens lieber alles mit einer aufladbaren Geldkarte bezahlt wird – so gibt's keine langen Schlangen und man kann die gesparte Zeit lieber für den Meerblick samt Insellandschaft ausgeben...

Steckbrief

Zeitraum: 5. - 7. Juli 2012
Kostenpunkt: Rund 160 € plus Camping- und Fährkosten
Line-Up: Neneh Cherry & The Thing (Se/N), The Whitest Boy Alive (N/De), Manu Chao (Fr), Ane Brun (N), Sivert Høyem (N), Ingrid Olava (N), Halvdan Sivertsen (N), LCMDF (Fin), Josh T. Pearson (US), Todd Terje (N), Razika (N), Moddi (N), Death By Unga Bunga (N), Lukas Graham (Dk), Mhoo (N), &Aelig; og Dem (N), Lång-Kalle (Se), Sisÿ Ey (Isl), Beglomeg (N), Raggabalder (N), Gerilja (N), Alina Devecerski (Se), Joakim Haugland (N), Carmen Villain (UK/N), Eric Trosset, QueDuhSka (N), Die Bettys (N), Stefan Skreiskryt (Træ)
Webseite: www.trena.net

Frauke Stenglein

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