Festival-Vorbericht

Southside Festival 2007


Wenn man über die Misere der Musikindustrie spricht, bezieht man das für gewöhnlich auf die Labelzunft. Die Albumverkäufe gehen zurück, Abteilungen werden zusammengelegt, Mitarbeiter entlassen. Ganz anders sieht es bei den Konzertagenturen aus. Vor allem die großen Festivals rennen von Rekord zu Rekord. Rock am Ring war vor wenigen Wochen zum ersten Mal in seiner Geschichte mit 82.000 Besuchern vorab ausverkauft, bei der Parallelveranstaltung Rock im Park waren 60.000 Zuschauer - ausverkauft. Und das, obwohl die Zahl der großen und kleinen Festivals immer weiter zunimmt, und gleichzeitig die Preise in ungeahnte Höhen steigen.

Auch das Southside - und dessen Zwilling das Hurricane Festival - liegen voll im Trend. Selbst der Preisanstieg auf psychologisch ungünstige 109 Euro verhindert nicht, dass der Ausverkauf, trotz Vergrößerung - Hurricane auf 60Tsd., gegenüber 50Tsd, Southside auf 45Tsd, gegenüber 40Tsd im Vorjahr - kurz bevorsteht. Die insgesamt 40.000 "Early Bird"-Tickets, die es um 10 Euro vergünstigt gab, waren innerhalb von nur sechs Tagen ausverkauft. Zusätzlich soll es für beide Festivals noch Tagestickets geben. Genauere Informationen dazu erhält man selbstverständlich über die Internetpräsenzen www.southside.de und www.hurricane.de. Dort findet man auch Campingpläne - aufgrund der Festivalvergrößerung sollten selbst alte Hasen einen Blick auf die neuen Pläne riskieren - Timetables, Packpläne, Wettervorhersagen und eine nette Community, die mit Sicherheit jede noch so abwegige Frage beantworten kann.

Änderungen zu den vergangenen Jahren gibt es nicht viele. Glasflaschen für Getränke bleiben verboten, ebenso das Crowdsurfen und benzinbetriebene Stromaggregate. Die anfänglichen Diskussionen über diese Maßnahmen sind mittlerweile breiter Anerkennung gewichen. Neu ist ein allgemeiner Grillplatz, der für jedermann zugänglich sein wird. Genauere Informationen darüber haben wir bisher leider nicht erhalten können. Neben den zwei großen Bühnen gibt es auch in diesem Jahr wieder das Zelt, in dem nachmittags vor allem Newcomer die Chance haben, sich einem größeren Publikum zu präsentieren.

Im Vordergrund steht selbstverständlich das Line Up, und das lässt 2007 kaum Wünsche offen. Nachdem im vergangenen Jahr an den ganz großen Namen gespart wurde - wohl auch aus Gründen der Verfügbarkeit - gab es dieses Mal schon mit den ersten Bandbestätigungen einige Überraschungen. 60 Millionen verkaufte Alben und eine halbe Million Zuschauer auf 23 Europakonzerten in 2006 sprechen eine klare Sprache - Pearl Jam ist eine der größten Bands der letzten Jahre und wird das Festival headlinen. Dazu kommen die Beastie Boys, die seit 1998 auf keinem deutschen Festival mehr gespielt haben, und der Fürst der Finsternis, Marilyn Manson, der erst vor wenigen Tagen ein neues Album veröffentlicht hat.

Neben diesen absoluten Festivalraritäten gibt es eine wahre Phalanx an großartigen Bands, die teilweise auch noch mit neuem Material anreisen und zudem nur selten in unserer Nähe antreffen sind: Interpol, Arcade Fire, Modest Mouse, Bright Eyes, Kings Of Leon, Bloc Party - eine Liste, die das Herz jedes Indiehörers höher schlagen lässt. Porcupine Tree, Queens Of The Stone Age, Blood Brothers, Mogwai, Biffy Clyro, Mute Math und Aereogramme für die Freunde der härteren, der progressiven und postrockigen Musik. Nicht zu vergessen Ska (La Vela Puerca), Deutsch (Die Fantastischen Vier, Dendemann, Deichkind, Super700), Chartstürmer (Snow Patrol), Altbekannte (Sonic Youth) oder Hoffnungsvolle (Datarock, Tokyo Police Club). Und bevor wir noch Placebo oder die Dropkick Murphys vergessen, verweisen wir auch hier einfach auf die Homepage des Festivals, und zitieren eine Userin aus dem Helga-Forum: "Ich schreie, ich wüte, ich tobe, ich kann nicht mit auf's Southside".

Tja, so kann es gehen. Allen anderen wünschen wir viel Spaß und ein großartiges Wochenende.

Matthias Kümpflein

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