Festival-Vorbericht

Reeperbahn Festival 2008


Lieber Leser,

bitte entschuldige, dass ich gleich zu Beginn dieses Festivalvorberichts persönlich werden muss, aber eine Frage wollte ich dir schon seit geraumer Zeit stellen. Wieso sind es eigentlich ausgerechnet die großen Festivals, die von Jahr zu Jahr neue Rekordzahlen vermelden können? Rock am Ring/Rock im Park, Southside/Hurricane, je größer die Veranstaltung, desto schneller steigt der Preis, und trotzdem bleiben die Besucher nicht fern. Das finde ich schon überraschend, lieber Leser, zumal solche Massenevents nicht nur ungemütlicher und teurer sind als die kleinen Pendants, nein, sie bieten dem Musikinteressierten auch kaum Neuentdeckungen.

Dem entgegen tritt ein Konzept, auf dessen Umsetzung wir Deutschen viel zu lange warten mussten: Das Club-Festival. Anstatt fernab der Zivilisation eine komplette Kleinstadt hinzustellen, in deren geistigem Zentrum sich zwei oder drei riesige Bühnen befinden, nutzt man einfach die fertige Infrastruktur einer musikbegeisterten Stadt. Hamburg schien den Veranstaltern des Reeperbahnfestivals im Jahre 2006 der perfekte Ort, um so ein Festival aufzubauen. Und das, obwohl auch dort - zuletzt im Zusammenhang mit dem Molotow - der Begriff "Clubsterben" immer wieder durch die lokale Presse geistert.

Nachdem im Jahr 2007 alles ein bisschen kleiner und billiger wurde und damals laut Presseauskunft dank 12.000 Besuchern schon schwarze Zahlen geschrieben wurden, sind wir nun schon bei der dritten Ausgabe angelangt. Der Band-Countdown steht mittlerweile bei 137, ein paar kommen wohl noch hinzu, und schon am kommenden Donnerstag geht es los. Da kann man als jemand, der noch nie bei einem Club-Festival war, durchaus langsam nervös werden. Schließlich will man in alle Bands kurz reinhören, sich nen schönen Plan erstellen, welche Band man wann sehen will, und am Ende steht man doch nur vor nem Türsteher und muss sich ein "der Club ist voll" anhören.

Deswegen, lieber Leser, ist hier ein ganz besonderer Tipp, der für ein glückliches Reeperbahnfestival unbedingt zu befolgen ist: Kauf dir ein 3-Tages-Ticket, schlendere drei Tage durch eine der schönsten Städte Deutschlands und schau dir mindestens drei Bands an, von denen du bisher noch nie gehört hast. Dann wirst auch du nicht mehr so schnell zurück auf die Wiese wollen.


Hier sind die wichtigsten Eckdaten:

Termin: 25.-27. September 2008
Preis: 55€ (3-Tages-Ticket), 38€ (2-Tages-Ticket), 1-Tages-Ticket: 26€
Webseite: www.reeperbahnfestival.com

Bisher bestätigte Bands:
1984, Absynthe Minded, Anais Mitchell, Ane Brun, Angus and Julia Stone, Assoto Sound Connaisseurs, At The Farewell Party, Attack! Attack!, Ben Weaver, Beta Satan, Blood Red Shoes, Bon Iver, Bonaparte, Bondage Fairies, Borko, Bratze, Cedarwell, Choir Of Young Believers, Clare Bowditch, Coco Zhao And The Possicobilities, Constantines, Crystal Castles, Dancing Pigeons Like Ice Cream, Dez Mona, Disco Ensemble, Dutch Uncles, Enders Room, finn., First Floor Power, Flo Fernandez, Foals, Fugalo, Fulton Lights, Get Well Soon, Gisbert zu Knyphausen, Gotye, Gravenhurst, Herrenmagazin, Huecco, I'm From Barcelona, James Ausfahrt, Jape, Jenniffer Kae, John Dear Mowing Club, José James, Josefine und das Meer, Justin Hopkins, K-Rings Brothers, K.I.Z., Karamel, Kissey Asplund, Kitty Daisy & Lewis, Kristof Schreuf, Kristoffer Ragnstam, Lapko, Lefties Soul Connection, Limbogott, Lizzy Loeb, Look See Proof, Lykke Li, Madsen, Magistrates, Makabu, Marathon, Maria Taylor, Men Among Animals, Mint, MIT, Mnemonic, Mocambo, Moto Boy, Murder, Nada Surf, Naomi Sample, Neimo, Nephew, Nicole Willis and The Soul Investigators, Nina Kinert, Nneka, P:LOT, Parachutes, Pete and the Pirates, Pete Blume, PeterLicht, Philipp Poisel, Poni Hoax, Portugal. The Man, Quit Your Day Job, Racoon, Rosie Oddie And The Odd Squad, Royalchord, Rue Royale, Ryoma, Sahara Hotnights, Samavayo, Sarah Walker & The Fuzz, Scab, Schwefelgelb, Seabear, SixNationState, Slut, Smudo (DJ Set), Son of Dave, Sugarplum Fairy, Sven Borosch, Tahiti 80, Talk Radio Talk, Tape, The Asteroids Galaxy Tour, The Black Box Revelation, The Blackout, The Courteeners, The Glam, The Hong Kong Blood Opera, The Jessica Fletchers, The Lemonheads, The Little Ones, The Miserable Rich, The More Assured, The Rakes, The Shutes, The Subways, The Sweet Vandals, The Teenagers, The Wong Boys, Tomte, Triband, Turner Cody, TV on the Radio, Unbunny, Uncle Frankle, Vincent Van Go Go, Voicst, Wildbirds & Peacedrums, Wintersleep, Wirtz, Zascha Moktan

Matthias Kümpflein

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.