Festival-Vorbericht

Pop-Kultur 2018


Dass ein Festival nicht immer nur daraus bestehen muss, von einem Auftritt zum nächsten zu hetzen, beweist eindrucksvoll das Berliner Festival "Pop-Kultur". Neben einer sehr gelungenen Auswahl an gebuchten Liveauftritten hat man hier den Blick auch für das Drumherum. So finden vielfältige Programmpunkte wie Künstlergespräche, Filme, Lesungen, Ausstellungen statt.

Vom 15. bis 17. August findet in der Berliner Kulturbrauerei das 4. "Pop-Kultur"-Festival statt. Dabei hat sich diese Veranstaltung zu einem echten Kleinod entwickelt: Es gibt so viel zu entdecken und so viel Programm abseits des üblichen Ablaufs, einfach nur Bands – bei denen übrigens darauf geachtet wurde, einen hälftigen Anteil mit weiblichen Künstlerinnen zu buchen – auf eine Bühne zu stellen. Neben Auftritten finden Talks und Workshops statt, sowie die eigentlichen Highlights, deren Wert man gar nicht genug betonen kann: Eigens für dieses Event erstellte "Commissioned Works", also eigene Beiträge von gebuchten Künstlern, die etwas komplett Neues schaffen und in den diversen Backsteingebäuden an der Schönhauser Allee präsentieren. Dabei gilt das Prinzip "für jeden etwas dabei" – von Black Music bis Black Metal dürfte so ziemlich jedes Genre zu finden sein, und beispielsweise mit Neneh Cherry, Chelsea Wolfe oder Anna von Hausswolff wurden viele hochkarätige Buchungen getätigt.

Einziger Wermutstropfen vorab: Da das Festival mit öffentlichen Mitteln gefördert ist, wird jede Institution, die in irgendeiner Form Geld beisteuert, im Rahmen des Transparenzgebots auf der Homepage erwähnt. Wie schon im letzten Jahr führte eine minimale Künstler-Reisekostenbeteiligung des Landes Israel dazu, dass die antisemitische BDS-Kampagne Schmähbriefe an viele Künstler verschickte – leider mit Erfolg, es gab eine Handvoll Absagen, die aber beispielsweise mit ...And You Will Know Us By the Trail Of Dead mehr als kompensiert wurden.

Ein kompletter Überblick über das Programm findet sich auf der Webseite: www.pop-kultur.berlin/programm

Klaus Porst

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