Festival-Vorbericht

Melt! Festival 2008


Hin und wieder kommt es vor, dass man ganz unverhofft durchs Melt!-Festival neue Freunde findet. Da trägt der Sitznachbar in der schrecklich langweiligen Vorlesung plötzlich ein Melt-Shirt, -Bändchen oder hat sich den Termin in Neonfarben in seinen Kalender eingetragen. "Fährst du etwa zum Melt?" "Na klar." "Ich auch. Ich freu mich schon so." "Das wird so geil." "Ja, das wird so geil." Die letzten zwei Sätze werden die nächsten anderthalb Stunden mantraartig wiederholt, man trommelt wilde Rhythmen auf den Tisch und lächelt sich so wissend an, wie es nur solche jungen Menschen können, die schon einmal dort waren. Dort, das meint in Gräfenhainichen, dort meint auf dem Melt!, dem Festival, das wie kein anderes jedes Jahr aufs neue das Rundum-Glücklich-Paket verspricht.

Wer sich auch von Kopfsteinpflasterstraßen nicht davon abhalten lässt, den Weg in die Einöde Sachsen-Anhalts anzutreten, wird Jahr um Jahr mit einem Line-Up belohnt, das keine Genregrenzen kennt. Erst ein sanfter Indienachmittag, dann ein bisschen Kopfnicken und später tanzen zu harten Technobeats unterm Braunkohlebaggerhimmel? Bitteschön. Mit den Musikgrenzen werden auch die Publikumsgrenzen aufgeweicht. Am Ende flirtet der bebrillte Nerd mit dem quietschbunten Electrochick und alle sind glücklich. Einmalig macht das Melt! sicher nicht zuletzt die Kulisse. Ferropolis – die Stadt aus Eisen – ehemaliges Braunkohleabbaugebiet und heute Industriedenkmal, bietet neben riesigen Baggern, die unter nächtlicher Beleuchtung eine beeindruckende Schönheit entfalten, vor allem eins: Den künstlichen See. Er sorgt dafür, dass das Festival sich immer weniger nach Musikstress, als vielmehr wie Urlaub anfühlt. Daher die auch nicht selten zu hörende Antwort auf die Frage, ob jemand in diesem Sommer in den Urlaub wegfahren würde: "Ja, ich fahr aufs Melt." Strahlender Sonnenschein in den letzten beiden Jahren sorgte für entspannte Planschenachmittage am Wasser, genau das richtige also, um vom Durchtanzen müde Beine wieder so richtig in Schwung zu bringen. Deshalb unbedingt Badehose anpacken, auch wenn ein verregneter Hamburger Montagmorgen wenig Hoffnung auf einen Wetterumschwung aufkeimen lässt.

Neuerungen gibt es in diesem Jahr zuhauf. Die wichtigste zuerst: Das Melt! geht nun nicht mehr nur über zwei, sondern über drei Tage. Diejenigen, die ihre Sonntagmorgende schon die letzten Jahre im Halb-Delirium auf dem Sleepless-Floor verbracht haben, mögen mir nun heftig entgegenschreien, dies sei doch schon immer so gewesen, tatsächlich aber spielen in diesem Jahr auch noch Bands, und was für welche. Die kreativste Schwänin der Welt, Björk nämlich, dürfte die Hauptverantwortliche für die Verlängerung gewesen sein. Wer weiß, wie lange die Intro-Mitarbeiter in quälenden Nächten schon davon geträumt haben, sie endlich auf die Main-Stage zu holen, auf jeden Fall ist die Isländerin in diesem Jahr der Headliner und egal, ob man nun Fan ist oder nicht, der Auftritt dürfte ausgesprochen interessant ausfallen. Ebenfalls am Sonntag spielen Hot Chip. Nach ihren grandiosen Auftritten 2006 und 2007 gehören sie wohl inzwischen zum Inventar. Das restliche Line-Up in alphabetischer Reihenfolge:

Adam Green * Alexander Marcus * Alter Ego * André Gardeja * Battles * Berlin Battery * Blackmail * Blood Red Shoes * Bonde Do Role * Booka Shade * Boys Noize * Burger/Voigt * Caspa * Cobblestone Jazz * Commix * Crookers * Daniel Dreier * Daniel Haaksman * David Dorad * Deize Tigrona * dEUS * Die Türen * Dillon * Dirty Doering * DJ Beware * DJ Supermarkt * Doc Scott * Does It Offend You, Yeah? * Dúné * Editors * Edu K * Efdemin * Ellen Allien * Empro * Fabiano * Fotos * Fraenzen Texas * Franz Ferdinand * Friendly Fires * Fujiya & Miyagi * Get Well Soon * Goldie * Gui Boratto * GusGus (live) * Henrik Schwarz * Hercules and Love Affair * Hot Chip * Jack Tennis * Jape * Jens Bond * Kakkmaddafakka * Karrera Klub * Kate Nash * King Kong Klub * Kissy Sell Out * Klee * Ladyhawke * Late Of The Pier * Len Faki * Les Yper Sound * Lightspeed Champion * Los Campesinos! * Luna City Express * Lützenkirchen * M.A.N.D.Y. * Man Recordings Special * Marcus Meinhardt * Markus Kavka * Markus Welby * Mathew Jonson * Mathias Kaden * MC Glacius * MC Gringo * MC Kemo * MC LowQui * MEN (from Le Tigre / DJ-Set) * Metalheadz Special feat. Goldie Miss Kittin & The Hacker * Miss Platnum * Modeselektor * Mr. Oizo * Mutlu * Møenster (Lexy vs. Gunjah) * Navel * Neon Neon * Oliver Koletzki * Operator Please * PeterLicht * Philipp Maiburg * Renato Ratier * Revolver Club * Robyn * Róisín Murphy * Ruede Hagelstein * Rummelsnuff * Sascha Funke * Say Hooo! * Shir Khan * Sick Girls * Sick Sinus * Skream * Stereo MCs * Steve Bug * Storm * Supermayer * Superpunk * Team Recorder * The (International) Noise Conspiracy * The Cheapers * The Count & Sinden (live) * The Mitchell Brothers * The Notwist * The Teenagers * The Whitest Boy Alive * Tobias Thomas * Tomas Andersson * Turbostaat * Uffie & Feadz feat. Technotronic * Why? * Zoot Woman

Unschönste Neuerung ist leider, wie auf so vielen Festivals, der Ticketpreis. Die 3-Tages-Tickets kosten im Vorverkauf 85€ (AK 100€, 2-Tages-Tickets 65€ (AK 80€). Tagestickets für Freitag und Samstag gibt es ausschließlich für 50€ an der Abendkasse, Tagestickets für den Sonntag mit Björk kosten im VVK 45€, an der AK 55€. Natürlich alles inklusive Parken und Camping und freuen. Alle weiteren Infos gibt es auf www.meltfestival.de und natürlich bei uns im Forum.

Wir sehen uns am Wochenende!

Lisa Krichel

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.