Story

Washington D.C.


Why don't you come down to D.C.?

Sie ist nicht so hip wie New York City, nicht so "alternativ" wie Philadelphia und hat auch nicht so ein großes Staraufgebot wie Los Angeles: Washington D.C., Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika und für ein Jahr mein zu Hause.

D.C.s Ruf könnte unterschiedlicher nicht sein, von konservativ über langweilig bis hin zum "melting pot" einer Nation. Aber auch bekannt für einen der besten Indieclubs der Ostküste, dem 9:30 Club, berühmt als Wiege des Hardcore und später Geburtsort der ersten Emowelle. Genau diese Diversität macht Washington D.C. aus und spiegelt sich in der Bevölkerung wieder. Das ist es, was die Stadt für mich so interessant und liebenswert macht.

Natürlich könnte ich jetzt von den interessanten Museen, den Denkmälern und den guten Restaurants berichten – mache ich aber nicht. Zumindest nicht am Anfang des Artikels. Denn dieser etwas andere Reisebericht soll davon handeln, was der Musikliebhaber an D.C. ansprechend findet. Es geht hierbei um die Orte, Shops und Sehenswürdigkeiten, die ich suchen musste, als ich hierher kam, weil sie zum Großteil in keinem "normalen" Reiseführer erwähnt werden.

Vorab schonmal: Die Probleme, die sich aufgrund der aufeinandertreffenden Kulturen in D.C. ergeben, sind wohl jedem bekannt. Kriminalität gibt es leider zu viel, vor allem im Südosten der Stadt. Die Orte, die ich hier beschreibe, sind relativ sicher. Trotzdem sollte man immer ein wenig vorsichtig sein. Sonst kann es zum Beispiel passieren, dass man auf dem Weg zum "Black Cat" in einer nicht so sicheren Gegend landet. Das war die Warnung vorne weg und nun zum wirklich interessanten Teil und dazu werfen wir erstmal einen Blick zurück in die Musikgeschichte von Washington D.C.

Um nicht allzuweit zurückzugehen, hier ein paar Beispiele für Musikgenres, die in der Hauptstadt vertreten sind. Zum einen wurde D.C. vor allem durch den Jazzmusiker Duke Ellington berühmt, und auch heute noch gibt es viele Bars mit Live-Jazz, zum Beispiel im U-Street-Korridor. Desweiteren stammen einige wichtige Blues- und Folkmusiker aus D.C., unter anderem Marvin Gaye, Tim Buckley und Scott McKenzie ("If you're going to San Francisco"). Heutige bekannte Namen aus anderen Musikrichtungen sind beispielsweise Tori Amos, Toni Braxton, Dave Grohl und Joan Jett. Go-Go, House, Reggae, R'n'B und Hip Hop sind hier genauso vertreten wie Indiemusic.

Am meisten verwundert hat mich jedoch, dass hier in der "uncoolen" Stadt Washington D.C. die Wurzeln des Hardcore zu finden sind. So stammen die Mitglieder von Minor Threat, einem der bekanntesten Hardcoreacts seiner Zeit, aus D.C.. Bandleader Ian MacKaye ist wohl vielen bekannt, die sich im Genre auskennen und das nicht nur, weil er unabsichtlich das Straight Edge Movement auslöste. 1980 gründete er Minor Threat und schon 1984 sollte die nächste Musikwelle von Washington D.C. aus um sich greifen.
Besagte Welle bekam erst später ihren Namen: Emo. Heute immer noch ein Hype, obwohl es nichts mehr mit der ursprünglichen Idee zu tun hat und der Begriff sich eigentlich nur auf die Bands der damaligen Musikszene D.C.s bezieht. Doch erstmal zurück zu den Anfängen. Diese befinden sich im Jahre 1985, als Guy Picciotto, Schüler der Eliteschule "Georgetown Day School" und ein grosser Minor Threat-Fan, die Band "Rites of Spring" gründete. Der Sommer von 1985 wird in der D.C. Szene oft als "Revolution Summer" betitelt, da sich die Musik weg von der zunehmenden Gewalt der Hardcoreszene in die persönlichere Richtung bewegte. Auch MacKaye trug dazu bei, denn er nahm das erste und einzige "Rites of Spring"-Album auf und gründete "Embrace". So waren "Rites of Spring" zu dieser Zeit die wohl wichtigste Band in D.C., aber bei weitem nicht die einzige. Zum Beispiel zählten auch Gray Matter, Beefeater, Fire Party (erste weibliche Emoband), Shudder To Think und Moss Icon zu der neuen Szene. Ihre Alben wurden meist auf MacKayes Label "Dischord Records" veröffentlicht.
Wichtig zu wissen ist allerdings, dass die Musikszene damals sehr klein und offen für neue Musikfans war. Sie definierten sich selbst nicht, teilten Gemeinsamkeiten, waren "thinking people", spielten in denselben Bands und hatten eine ähnliche Lebensweise, aber eben ohne mit einem Namen definiert zu werden. Diese Leute waren auf einer "Rites of Spring"-Show die Mehrheit: Sie tranken keinen Alkohol, waren intellektuell und standen zu ihren Emotionen. Zu dieser Zeit war Emo noch kein Begriff, auch wenn er zum ersten Mal im Bezug auf "Rites of Spring" auftauchte.

"Rites of Spring" trennten sich nach nur 14 Konzerten in der D.C. area. 1994 wird als Ende der ersten Emowelle bezeichnet, auf die allerdings weitere, verteilt über das ganze Land, folgten. Und auch dazu trugen wiederum MacKaye und Picciotto bei, indem sie die Post-Hardcore-Band Fugazi gründeten. Obwohl diese nicht dem typischen Emosound dieser Zeit entsprach, beeinflusste die Band die nachfolgende Musikwelle.

So schnell wie sich Hardcore von D.C. aus seinen Weg durch das ganze Land bahnte, so schnell wurde auch Emo bekannt und genauso schnell endete die jeweilige Welle auch. Und auch heute gilt noch: "The thread that connects the D.C. hardcore bands of the 80's with the clear-cut pop-rockers of the 00's doesn't lie in the music at all, it's in the fans."

Soweit zu D.C.s neuerer Musikgeschichte und damit zu den heutigen Konzerten. Das erste, was mir auf den Konzerten in D.C. auffiel, war, dass es heute nicht mehr "die" Szene gibt. Unterschiedliche Styles, Meinungen und Ansprüche treffen bei den Shows, ob nun Black Cat oder 9:30 Club, aufeinander. Angefangen beim kritischen Collegestudenten, dem klischeeentsprechenden Punk, den Emoboys und Indiegirls, bis hin zu aufgestylten Mitt-30ern, die direkt vom Büro in den Club kommen. Diese Vielfältigkeit findet sich bei so gut wie jedem Konzert. Manchmal ist es schon verwunderlich, wer welche Musik hört, denn das Äußere allein gibt in D.C. wenig Aufschluss darüber. Als größten Trend diesen Jahres muss man ganz klar die hautengen Jeans der männlichen Konzertbesucher bezeichnen, jeder trägt und trug sie. Von Elementary bis High School sind längere Haare, wenn möglich Locken à la Mando Diao und The Strokes der beliebteste Style. Chucks bzw. Converse werden natürlich auch in D.C. in allen Farben und Mustern getragen, außerdem besitzt wohl jedes Mädchen ein paar Ballerinas. Allerdings lässt sich auf der weiblichen Seite kein fester Trend ausmachen, dazu sind die getragenen Kleidungsstile zu unterschiedlich. Natürlich findet sich irgendwo jedes Klischee vertreten, wer aber eine wirklich bunte Konzertcrowd sehen will, sollte das Black Cat an einem Freitag- oder Samstagabend besuchen.

Dank des lokalen Radiosenders "D.C.101.1- D.C.s No. 1 Rockstation", erfährt man immer früh genug von den anstehenden Konzerten und was am Wochenende so los ist. Die Website mit dem aktuellen Konzertkalender aufzusuchen, lohnt sich definitiv. Verschiedene Shows gibt es rund um die Uhr on air, die Musik reicht von Pearl Jam, Nirvana, Jimmy Eat World, Incubus bis hin zu Death Cab For Cutie und Modest Mouse, von Alt-Rock bis zu Indiepop, sowie teilweise von Ska und Reggae unterbrochen. Eine der besten Shows läuft jeden Sonntagabend um 21 Uhr, dann wird eine Stunde lang ausschließlich Musik von lokalen Bands gespielt. Eine sehr gute Chance also, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erlangen.

Apropos lokale Bands, davon gibt es einige gute, die den Durchbruch schon geschafft haben bzw. ihn noch vor sich haben. Gerade in die neue Generation der Musiker aus D.C. wird die Hoffnung gesetzt, dass durch sie die Hauptstadt wieder zur Musikschmiede wie in alten Zeiten wird. Schon etwas länger im Geschäft sind zum Beispiel "Washington Social Club", deren erstes Album 2004 erschienen ist. Sie eroberten mit ihrem Post-Punk-Pop MTV und stürmten die Warped Tour. OAR, die zur Zeit wieder sehr gefragt sind, gründeten sich 1999 und haben inzwischen landesweiten Erfolg. Zu den neueren Bands zählen unter anderem "The Chance". Ihr Sound ist von Old-School-Rock geprägt und nach zwei EPs erscheint nun auch bald ihr erstes Album. Zu den Aufsteigern zählen auch "Exit Clov". Die Band kombiniert Post-Punk mit schönen Harmonien, die in musikalisch erzählten Geschichten umgesetzt werden. Desweiteren wären da noch "Monopoli" zu erwähnen, eine meiner Lieblingsbands aus D.C. Das Quartett produziert schönen Pop-Rock und sorgte schon vor Veröffentlichung ihrer ersten EP für Aufmerksamkeit. Dies ist eine Leistung, in der sonst etwas zynischen und kritischen D.C. Musikszene. Zum Abschluss seien noch "Army of Me" erwähnt (siehe Bild). Die vierköpfige Band besteht schon mehrere Jahre unter verschiedenen Namen und gewann durch ihre Single "Come down to D.C." an Popularität. Vor allem durch Unterstützung von DC101, denn der Song lief wochenlang auf besagtem Sender. Seit Army of Me's Vertrag mit Atlantic/Doghouse Records diesen Jahres steigt ihre Bekanntheit weiter an.

Man muss sagen, dass die lokalen Bands sehr gut unterstützt und gefördert werden, sei es durch DC 101, durch allmonatliche Konzerte im 9:30 Club ausschliesslich mit lokalen Bands oder durch die "Locals Only Stage" auf dem HFStival. D.C. weiss schon, was es an seinen Nachwuchskünstlern hat und gibt ihnen die nötige Hilfestellung.

Von den lokalen Bands zu den lokalen Clubs und Konzerthallen. Die meiste Zeit habe ich wohl im Black Cat und im 9:30 Club verbracht. Beide Clubs, die sich der independent und alternative Musik verschrieben haben, befinden sich im U-Street-Korridor und sind gut mit der Metro erreichbar. Der U-Street-Korridor erfreut sich wieder größerer Beliebheit. Nach dem Abflauen seiner Berühmtheit im Zeitalter des Jazz, fanden die Unruhen 1968 dort statt. Jedoch kam mit den 90ern ein neuer Aufschwung und heute ist dieser Bereich D.C.s einer der besten Orte, um das Nachtleben zu genießen. Clubs, Bars und zahlreiche Restaurants laden dazu ein, für jeden Musikgeschmack findet sich hier etwas: Jazz, Reggae, R'n'B, Rap, House bis hin zu unserer geliebten Indiemusik.

Nun aber zu meinem Favorit, dem Black Cat. In diesem Club treten lokale, nationale und internationale Acts auf. Es stellt sozusagen das Sprungbrett des Bekanntheitsgrades einer Band dar. Denn den Aufstieg einer Band erkennt man gut daran, wo sie in D.C. spielt: Z.B. fangen sie im Black Cat an, werden bekannter, spielen im 9:30 Club und danach die wirklich grossen Venues, wie die Constitution Hall oder den Merriweather Post Pavilion. So schaffte es zum Beispiel Death Cab For Cutie im Herbst letzten Jahres den 9:30 Club zu füllen, im Frühjahr 2006 füllten sie die Constitution Hall. Somit stiegen die Zuschauerzahlen von um die 500 auf 3000.
Doch zurück zum Black Cat. Der Club besteht aus vier Bereichen, zum einen der Main Stage. In diesem Saal finden Konzerte, Gedichtslesungen und teilweise auch die monatlichen DJ-Dancenights statt. Die Atmosphäre hier ist bezaubernd und pulsierend zugleich. Im Erdgeschoss befinden sich die "Red Room Bar", das "Backstage" (siehe Bild) und das "Food For Thought Café". In der Red Room Bar kann man abhängen, kickern oder die Zeit bis zum Konzert bei einem Bier totschlagen. Sollte man hungrig sein, ist das "Café" der beste Tip für alle Vegetarier, Veganer, aber auch "normale" Fleischfresser. Das Menü ist sehr lecker und günstig. Von Falafel, Veggie-Lasagne bis hin zu traditionellen Burgern, ist etwas für jeden Geschmack dabei. Im "Backstage" spielen unbekanntere Bands, finden Dancenights statt oder auch die Vorstellung von independent Filmen. Als das Black Cat 1993 seine Tore öffnete, trug es seinen Teil zur Explosion des Indierock bei und D.C. war um ein Clubhighlight reicher. Nicht zuletzt liegt es vor allem daran, dass die Investoren selbst Musiker sind. Mit dazu gehört beispielsweise Dave Grohl, der selbst in Alexandria, einer Vorstadt D.C.s, aufwuchs.
Die Preise für Konzerttickets betragen zwischen $5 und $13. Zu den Künstlern, die bereits im Black Cat aufgetreten sind, zählen zum Beispiel: The Arcade Fire, At The Drive-In, Bad Religion, Belle & Sebastian, Bikini Kill, Bloc Party, Bright Eyes, Jeff Buckley, Blur, Death Cab For Cutie, Ani DiFranco, The Flaming Lips, Fugazi, The Hives, Nina Hagen, Jamiroquai, Le Tigre, Modest Mouse, The Offspring, Pennywise, Pavement, The Postal Service, Radiohead, Q and Not U, Rancid, The Shins, The Strokes, Elliott Smith, The White Stripes, Yeah Yeah Yeahs und viele mehr.
Doch nicht nur die Konzerte erfreuen sich großer Beliebtheit, auch die allmonatlichen Dancenights sind bekannt, zum Beispiel: "WAG: 60s Garage", "Mousetrap: D.C.s Biggest Britpop Dance Night", "Girl Friday: First Ladies DJ Collective", "80s: Alt-Pop", und "Bliss: Indie Dance Party". Vom Konzert gehts also direkt zum Abtanzen mit D.C.s verrückten Einwohnern und das jedes Wochenende! Besonderer Tip von mir ist der halbjährliche Flohmarkt im Black Cat. Dort findet man CDs, Platten, Bücher, Schmuck, Klamotten und revolutionäre Gedanken. Zu Stöbern und vor allem sich mit den Besuchern und Verkäufern zu unterhalten, lohnt sich. Desweiteren sollte man keine Themen-Danceparty verpassen. Besonders toll fand ich das "Cryfest: The Smiths vs. The Cure". Das Black Cat war so voll, dass man kaum tanzen konnte und zu den Songs der beiden Bands wurden die passenden Videos an die Wand projiziert.

Der 9:30 Club ist die nächst größere Venue mit Platz für ca. 500 Konzertbesucher. Die Ticketpreise liegen je nach Band zwischen $10 und $25. Der Club besteht zum einen aus einer Halle mit Bühne, zwei Bars und einer Essenstheke, und zum anderen aus einer Empore mit zwei zusätzlichen Bars und Sitzplätzen, die für alle zugänglich sind. Der 9:30 Club ist eine tolle Konzerthalle, ob man nun Pogo tanzen möchte oder das Geschehen am liebsten ganz in Ruhe betrachtet- hier findet jeder sein Plätzchen. Die Atmosphäre allein macht einen Besuch wert!

Aber nicht nur Downtown sind gute Clubs vorhanden. Das Jammin' Java in Vienna zum Beispiel ist inzwischen einer meiner liebsten Orte geworden, ob zum Konzert einer lokalen Band, Open Mic-Night, Poetryslam, Filmfest oder einfach, um mit Freunden lecker Kaffee oder Frappuccino zu trinken. Viele Abende habe ich dort verbracht und interessante Leute trifft man dort garantiert, sowie mit grosser Wahrscheinlichkeit jemanden aus Deutschland.

Zu den größeren Venues zählen die DAR Constitution Hall (Downtown D.C.), der Nissan Pavilion (in Virginia, ca. 30 min. außerhalb von Washington D.C., der Konzertverkehr ist grausam, aus 45 min. werden da locker 3 h, weil nur EINE Strasse zum Gelände führt) und der Merriweather Post Pavilion (siehe Bild) in Maryland (auch ca. 30 min. ausserhalb D.C.s). Die Ticketpreise hier liegen bei $30 aufwärts, außerdem gibt es verschiedene Sitzplatzkategorien (Pit, Sitzplätze, lawn sprich Rasen). Wer ein echtes Konzerterlebnis sucht, sollte daher den 9:30 Club oder das Black Cat den großen Venues vorziehen und sich diese nur für besondere Bands zumuten. Ich habe sie auch zum größten Teil gemieden und nur aufgesucht, wenn es wirklich nicht anders ging, denn allein die Soundqualität ist meist nicht sehr berauschend. Auch sehenswert, aber nicht in D.C., sondern in Baltimore gelegen, ist das Sonar (ca. 45 min. von D.C. aus). Der Club entspricht von der Größe her etwa dem 9:30 Club und hat ebenfalls tolle Acts zu bieten.

Da nun schon vom U-Street-Korridor die Rede war, gehe ich jetzt auch auf ein paar sehenswerte "neighborhoods" ein. Viel Zeit habe ich in Georgetown (Metrostation Foggy Bottom) verbracht. Diese Gegend ist das Zuhause der berühmten Georgetown University und gleichzeitig DAS Studentenviertel D.C.s. Jeder, der etwas auf sich hält, flaniert hier, ob nun am Wochenende oder an warmen Sommerabenden, nach der Arbeit. Da Georgetown zu den besten Unis zählt, ist auch das Wohnen hier sehr teuer. Somit gibt es hier viele gut betuchte US-Bürger, die den Lacoste oder Gucci Store stürmen, aber auch für "Normalos" findet sich hier etwas. Besonders schön ist es im Sommer im Garten des Old Stone House oder im C&O Canal Park. Georgetown liegt direkt am Potomac River und so kann man zum Beispiel von Old Town, Alexandria mit dem Boot bis nach Georgetown fahren. Die ehrwürdige Universität sollte man sich defintiv auch anschauen. Im ehemaligen Staples Store auf der M Street finden desöfteren interessante Ausstellungen statt, wie z.B. "Post Secret". Zum Shoppen eignet sich Georgetown vor allem für den prallen Geldbeutel, aber auch für den Durchschnittsmenschen gibt es hier gute Angebote. Es gibt Läden der nationalen Ketten wie Urban Outfitters (mein absoluter Lieblings-US-Store!), Levis und American Eagle. Desweiteren findet man hier kleine, gemütliche Bookstores mit tollen Angeboten, sowie Recordstores und Secondhandläden. Einfach mal die M Street und Wisconsin Avenue entlanglaufen, Leute beobachten, was Essen oder Trinken oder sich aus der Hand lesen lassen (ab $5). Auch das Nachtleben kann man in Georgetown genießen, allerdings nur mit gültiger ID und ab 21 Jahren, denn da wird hier im Studentenviertel stark drauf geachtet.

Wem Georgetown zu Schicki-Micki ist, sollte den Dupont Circle aufsuchen. Auch bekannt als der "Gaybourhood", befinden sich hier die Botschaften der verschiedenen Länder, sowie wunderbare Kunstgalerien. Der Dupont Circle zählt definitiv zu meinen Lieblingsgegenden, denn hier treffen die unterschiedlichsten Menschen aufeinander, es geht einfach bunt und relaxt zu. Die Metrostation befindet sich direkt unter "Krispy Kreme Doughnuts", also sollte man unbedingt dort vorbeischauen und von dort aus weiter bummeln. Bei 2nd Story Books findet man günstige, gebrauchte Bücher und Antiquate zu jedem Thema. "Kramerbooks" hat nicht nur ein Café mit leckerem Kuchen, sondern auch eine tolle Bücherauswahl, die oft skurril ist. Ist man schon mal dort, sollte man "Melodyrecords" besuchen und bei "Wrap Works" essen. Viele kleine Geschäfte, Restaurants und Cafés laden zum Ausspannen ein, denn die Atmosphäre ist einfach liebenswert. Mein liebstes Café ist das "SoHo Café". Dort wird den ganzen Tag lang Frühstück serviert, manchmal finden auch Gedichtlesungen statt und der Café Mocha (serviert in einem Krug) ist der Beste der Umgebung. Die Auswahl an Restaurants für jeden Geldbeutel kann außerdem locker mit Georgetown, Adams Morgan und dem U-Street-Korridor mithalten.

Ebenfalls sehenswert ist Adams-Morgan (Metrostation: Woodley Park). In der Nähe des National Zoo befindet sich dieses Viertel, voll von kulinarischen Highlights für jeden Geschmack und ein Nightlife Hotspot am Wochenende. Hier reihen sich Clubs, Bars und Restaurants aneinander und Nachtschwärmer sind herzlich willkommen. Ähnlich Adams-Morgan ist auch der U-Street-Korridor, wobei ich sagen muss, dass ich diesen am Wochenende immer vorziehe, weil es einfach preislich günstiger ist und nicht zuletzt, weil dort Black Cat und 9:30 Club lokalisiert sind.

Der Capitol Hill läd zu einem Spaziergang ein, auf dem man gleichzeitig die Folger Shakespeare Library besichtigen kann. Hier befinden sich schöne old townhouses, und viele Menschen, die ebenfalls auf dem "Hill" arbeiten, leben hier.

Die National Mall, die große Grünfläche zwischen Capitol, Monument und Lincoln Memorial (siehe Bild), ist Touristenort Nummer Eins. Gesäumt von Museen und Denkmälern, das Weiße Haus im Blickfeld, ist es besonders im Frühling oder Sommer toll hier Picknick zu machen. Allerdings sollte man Nationalfeiertage und die Cherry Blossomzeit meiden, da man hier kaum einen Fuss vor den anderen setzen kann, so voll vollgestopft ist dann die National Mall. Am Wochenende ist hier immer etwas los, zum normalen Programm gehören die Kickball, Frisbee, Football und Baseball spielenden Collegestudenten und Familien, wobei man schnell in ein Spiel einsteigen kann. Sollte eine Demo stattfinden: Unbedingt angucken, den Reden zuhören und die Stände besuchen. Mein Jahr war vor allem von der größten Friedensdemo auf der National Mall anlässlich des fortschreitenden Irakkrieges geprägt, aber auch die Demo gegen den Völkermord in Darfur sorgte für Aufsehen.

Ein weiteres Highlight ausserhalb D.C.s ist Old Town, Alexandria. Das Hafenstädtchen mit wunderschönen Häusern und Straßen ist gerade im Sommer gut besucht. Man kann am Potomac River, am Hafen von Old Town sitzen und Eis essen oder die ehemalige Torpedo Factory, die viele kleine Kunstgalerien beheimatet, besuchen. Auf der King Street, der Haupteinkaufstrasse, kann man an netten Shops entlang bummeln und die leckeren Restaurants besuchen. Ob nun "Mai Thai" (mein Favourit, liegt direkt am Hafen), Sushibar, Irish Pub, "Cosi's" (Sandwiches und Salate), spanisches, französisches oder mexikanisches Restaurant, die Auswahl ist groß. Man sollte außerdem dem Besitzer von "House of Klaus" Hallo sagen, denn der ist Deutscher und weiß immer etwas zu berichten. Wie gesagt die Auswahl ist groß. "Olsson's Books and Records" gibt es auch hier und einen Weihnachtsstore, sowie eine Bäckerei nur für Hunde (was der Mensch nicht alles braucht...). Es gibt zwei Eisdielen mit hausgemachtem Eis und ein altes Kino, indem zwar nur zwei Filme gezeigt werden, dafür werden aber auch Bier und Wein serviert. So kann man in Old Town das Leben richtig genießen, ohne direkt nach D.C. Downtown fahren zu müssen.

Bevor ich meinen Bericht mit meinen Favoriten abschliesse, noch soviel: D.C. ist das, was man daraus macht! Hier lässt sich für jeden etwas finden, ganz egal, woran man interessiert ist. Einfach mal den City Paper (kostenlos erhältlich in Buchhandlungen, CD Läden und Cafés), den Weekend Teil der Washington Post (jede Woche freitags als Beilage der Washington Post erhältlich) zur Hand nehmen oder DC 101.1 einschalten, um zu erfahren, was gerade in D.C. los ist. Bester Tipp ist allerdings einfach die Einheimischen anzusprechen, denn diese wissen garantiert Bescheid und geben nur zu gerne Auskunft. Wer sich hier langweilt, ist selbst Schuld, so just be a part of it and enjoy!

Meine Favoriten:

*Recordstores:
- Smash Records (Georgetown, M Street)
- Games and Exchange (Tenleytown, gegenueber von Best Buy)
- Melody Records (Dupont Circle, 1623 Connecticut Avenue)
- Crooked Beat (Adams Morgan, 2318 18th St.NW)
- Revolution Records (Van Ness, 4215 Connecticut Avenue NW)

*Clubs/Konzertvenues:
- Black Cat (U Street, 1811 14th St. NW)
- 9:30 Club (U Street, 815 V St. NW)
- Jammin' Java (227 Maple Avenue East, Vienna, Virginia)
- Sonar (407 E Saratoga St., Baltimore, Maryland)
- Iota Club & Café (2832 Wilson Blvd., Arlington, Virginia)

*grosse Venues:
- Merriweather Post Pavilion (10475 Little Patuxent Pkwy, Columbia, Maryland)
- Nissan Pavilion (7800 Cellar Door Dr, Bristow,Virginia)
- DAR Constitution Hall (Downtown D.C., 1776 D St. NW)

*Websites:
- www.dcist.com
- www.dc101.com
- www.930.com
- www.washingtonpost.com
- www.washingtoncitypaper.com
- www.thingstododc.com
- www.dailycandy.com

*Neighborhoods/Stadtteile:
- Dupont Circle
- Georgetown
- Old Town, Alexandria
- Adams Morgan
- U-Street-Korridor

*D.C. Bands:
- Minor Threat
- Fugazi
- Rites of Spring
- Washington Social Club
- Monopoli
- Army of Me

*Stores/Cafes:
- Urban Outfitters (Georgetown, M Street)
- Commander Salamander (Georgetown, 1420 Wisconsin Avenue)
- Bartleby's Books (Georgetown, 3034 M St. NW)
- Bridge Street Books (Georgetown, 2814 Pennsylvania Avenue NW)
- Kramerbooks (Dupont Circle, 1517 Connecticut Avenue NW)
- Guitar Shop (Dupont Circle, 1216 Connecticut Avenue NW)
- Second Story Books (Dupont Circle, 2000 P St. NW)
- Olsson's Books and Records (Old Town Alexandria und 1307 19th St. NW)

Verena Blättermann

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