Story

Jag älskar Sverige!


"Jag älskar Sverige!", haben sogar schon Die Ärzte gesungen. "Ich liebe Schweden!" heißt das übersetzt und ist in etwa die treffende Aussage von (fast) jedem, der schon mal dort gewesen ist, in Schweden, dem Land der Wikinger, der Elche, der blonden Menschen, Astrid-Lindgren-Geschichten und: Der guten Musik! So heißt es jedenfalls. Ob das alles wirklich stimmt?

Was man bei einem längeren Aufenthalt feststellen kann: Lange nicht alle Schweden sind blond, aber es gibt auffällig viele von ihnen. Wikinger und Elche kann man in freier Wildbahn leider nur selten persönlich kennenlernen, Astrid Lindgrens Geschichten blieben weiterhin erfunden, auch wenn so einige Orte sehr an sie erinnern. Und das mit der Musik... sagen wir mal so, in einem Land, in dem außerordentlich viel gute Musik gemacht wird, gibt es (leider) dennoch nicht mehr Menschen, als das z.B. in Deutschland der Fall wäre, die sich für diese interessieren. Fakt ist, dass sogar viele der in Deutschland – zumindest in Indie-Kreisen – zu Ruhm gelangten Künstler wie Shout Out Louds, Friska Viljor oder auch Audrey dem allgemeinen schwedischen Musikhörer unbekannt sind.

Natürlich heißt das nicht, dass keine landeseigenen Künstler groß raus kommen. Was das angeht, erlebte ich den ersten Hype um niemand geringeres als Lykke Li. Die wurde schon 2007 von der Presse als Erfolg versprechendste Newcomerin des folgenden Jahres angekündigt. Im Februar war es dann endlich so weit: Während ihrer "Youth Novels"-Release-Tour kam Lykke Li auch im HG (Herrgårn) Students-Pub in Linköping vorbei.

Am herbeigesehnten Konzertabend war das HG bis zum letzten Winkel gefüllt. Lykke Li bot eine wunderbare Live-Show. Sie tanzte zu "Dance! Dance! Dance!" und klatschte bei "I know your hands will clap!" selbst freudig in die Hände, um zu zeigen, wie das geht. Das Publikum hatte es nämlich anscheinend nicht begriffen. Das stand stocksteif da und war nur nach den Songs zu einem kleinen Applaus bereit. An mangelnder Begeisterung lag das nicht, und auch nicht an Platzmangel (obwohl es eng war). Ein Schwede erklärte mir die Bewegungsarmut nach dem Konzert so: "Was denkst du denn? Es ist Donnerstagabend! Da haben wir noch nicht genug getrunken!".

Die Schweden und ihr Alkoholkonsum. Ohnehin ein Phänomen für sich. Es ist ein unausgesprochenes Geheimnis, wie die Studenten und jungen Leute es sich dort leisten können, sich Woche für Woche zu betrinken, und das auch noch in den angesagtesten Kleidern. Für ein günstiges Bier zahlt man im normalen Club 40 Kronen (ungefähr 4,50€), und auch im "Systembolaget", dem einzigen Ort, in dem es legal Hochprozentiges zu kaufen gibt, ist es nicht viel günstiger. Das verleitet viele Schweden dazu, immer mal wieder einen Ausflug nach Deutschland oder Polen zu machen, um sich vor Ort günstig zu betrinken und auf der Fähre den Kofferraum randvoll mit steuerfreiem Alkohol zu füllen. Dass es im Endeffekt unter Umständen sogar teurer ist, die Fahrt zu bezahlen, anstatt die Getränke im Land selbst zu kaufen, interessiert nicht, immerhin hatte man einen spaßigen Ausflug.

Vor allem, wenn ein Feiertag bevorsteht, sind die Schlangen vor den Systembolaget-Geschäften besonders lang. An "Valborg", dem größten Studentenfest und dem schwedischen Pendant zum Spring Break in Amerika, gibt es tagelang überall Partys. Am traditionellsten wird in Uppsala, der renommiertesten Universitätsstadt Schwedens gefeiert. Zu der Zeit ist vor allem der Sekt schnell ausverkauft, denn zum klassischen "Champagner-Galopp" wird sich schon morgens getroffen, um sich gegenseitig mit gut durchgeschütteltem Sekt zu duschen.

Die grandioseste und einzigartigste Party erlebten wir in Stockholm. Ein sonst kleiner Club namens "Landet" veranstaltete seine Geburtstagsparty im ganz großen Stil. Ein leerstehender Bürokomplex diente als Location, in dem jeder einzelne Büroraum eine andere Party bot. So stolperte man von einem Fest zum nächsten: Von einem Live-Konzert einer Indie-Band zu einem Elektro-DJ, zu einer One-Man-Keyboard-Show, in einen Karaoke-Raum, ins Balladen-Zelt. Mindestens zwölf verschiedene Partys zur gleichen Zeit am gleichen Ort, nur durch Wände getrennt. Da musste für jeden Glücklichen etwas dabei sein.

Auch Schwedens zweitgrößte Stadt Göteborg bietet viele Anreize für Besuche. Göteborg an sich ist zwar nicht so hübsch wie Stockholms Altstadt, dafür behaupten die Göteborger aber von sich, dass sie nicht so oberflächlich und viel freundlicher seien als die Bewohner der Hauptstadt. Und in der Tat findet man, wenn man kein Geld für eine Unterkunft hat, über Couchsurfer nette Menschen, bei denen man kostenlos übernachten darf, und die einem die schönsten Plätze und das Beste vom Nachtleben zeigen. So eignet sich zum Ausgehen besonders das "Sticky Fingers". Wenn man am richtigen Abend kommt, bekommt man dort für seine 100 Kronen Eintritt alles, was das Herz begehren könnte: Angefangen mit Hardrock und Metal im Untergeschoss, Indie & Alternative Dancefloor, auf dem auch mal eine Live-Band spielt, im Erdgeschoss, und einem Elektro-Bereich mit DJ oder auch Live-Act im Obergeschoss.

Natürlich gibt es noch so viel mehr zu entdecken, nicht nur in den schwedischen Großstädten, sondern auch auf wundervollen Festivals, die sich vor allem im Sommer über das ganze Land verstreuen. Da wären nur einige Beispiele zu nennen: Das Arvika, das Emmaboda, oder auch das etwas kommerziellere Hultsfredfestival. Meistens bekommt man für wenig (bzw. im Vergleich zu den gewohnten Preisen weniger) Geld viele schöne Bands geboten, die in Deutschland noch ein Geheimtipp sind.

Egal, wohin es einen in Schweden führt, klar ist, dass es schön wird. Ob auf guten Partys, bei super Einkaufsmöglichkeiten in den Städten, wunderbaren Seenlandschaften, beinahe unendlichem Sonnenschein im Sommer und viel Schnee (mit dazu gehörigem Aufwärmen in der Sauna) im Winter. Außerdem tollen Traditionen, wie zum Beispiel dem Mittsommernachtsfest, Kubb-Spielen, leckerem Essen und natürlich: Jede Menge schöner Musik!


Anspieltipps:

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Blood Music >>>
Motoboy >>>
Dreamboy >>>
Familjen >>>
K.Katt >>>
Tyskarna Från Lund >>>
Slagsmålsklubben >>>
Hakan Hellström >>>
Markus Krunegård >>>
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Stockholm:

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Kultur-Tipps:
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Vasa Museet >>>
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Gröna Lund >>>

Shopping-Tipps (>>>):
Åhlens
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Göteborg:

Club-Tipps:
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Restaurang Trädgår'n >>>

Kultur-Tipps:
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Liseberg >>>


Linköping (>>>):

Club-Tipps (>>>):
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Landesinfo:

Wikipedia >>>
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Systembolaget >>>
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Musikblog >>>
Wörterbuch >>>

Marlena Julia Dorniak

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