Rezension

Za!

Pachinko Plex


Highlights: Ochate Zi Ô // Pachinko: Las Monedas // Pachinko: Riff Madre
Genre: Math-Rock // World // Noise
Sounds Like: Yeasayer // Crystal Fighters // Battles

VÖ: 25.05.2018

Za! aus Barcelona donnern mit einer enormen Spielfreude voran. Das Ganze in irgendeine Schublade mit dem Label „Math-Rock“ zu stecken wäre naheliegend, würde dem musikalischen Paukenschlag aber nicht gerecht werden, den die Herren Papa Dupau und Spazzfrica Ehd auf „Pachinko Plex“ loslassen.

Pachinko ist eine Art Glücksspielautomat aus Japan. Ähnlich unvorhersehbar, aber nur scheinbar dem Zufall überlassen, drehen die Spanier auf ihrem sechsten Album eine Pirouette nach der anderen und nehmen dabei die unterschiedlichsten Einflüsse und Fundstücke mit, die sie auf ihrem bisherigen Weg einsammeln durften („Avances 1 2 3“ klingt gar selber wie eine solche Maschine, die wie verrückt blinkt, wenn man einen Hebel betätigt). Vor allem am Anfang steht da ein Instrument im Mittelpunkt, das die beiden kennenlernten, als sie in Mosambik und Swasiland als Lehrer unterwegs waren: Mbali, ein Xylophon, welches traditionellerweise von bis zu 20 Personen gespielt wird. Auch wenn Za! zu zweit sind, könnten sie mit ihren Arrangements ebenso viele Musiker beschäftigen, verteilen die Arbeit jedoch auf diverse synchronisierte MIDI-Kanäle, ohne jemals den Eindruck einer ausufernden Live-Performance aufzugeben.

Und so schimmern in dem gewaltigen Koloss voller weltlicher Polyrhythmen („Ochate Zi Ô“), verzerrter Noise-Orgien („Pachinko: Las Monedas“), Free-Jazz-Einlagen („Solo Chezz“) und psychedelischem Rock („Maningue Nais“) immer auch zwei Menschen durch. Am Ende scheint die Schublade „Weltmusik“, die eher eine große, wühlige Kiste ist, dann doch passender. Vielleicht noch mit einem „Post-“ davor.

Jonatan Biskamp

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