Rezension

Young Guv

Ripe 4 Luv


Highlights: Crushing Sensation // Ripe 4 Luv // Crawling Back to You // Kelly I'm Not a Creep
Genre: Power-Pop // Glam-Rock
Sounds Like: Cheap Trick // Matthew Sweet // Marvelous Darlings

VÖ: 10.03.2015

Ben Cook war Gründungsmitglied der brachialen No Warning, ist Gitarrist von Fucked Up, erforschte mit seinen Marvelous Darlings den Power-Pop der Siebziger, ist als Ghostwriter für Taylor Swift, Kelly Clarkson und Sum 41 aktiv und organisiert zudem noch ein alljährliches, riesiges Musikfestival für Nachwuchskünstler jeder Art in Toronto. Nun veröffentlicht er unter dem Pseudonym Young Guv sein zweites Soloalbum „Ripe 4 Luv“. Alleine diese kaleidoskopische Arbeitsweise macht Cook zum perfekten Spiegelbild seiner sich in sämtliche Musikrichtungen ausstreckenden Hauptband Fucked Up.

„Ripe 4 Luv“ versucht den Spagat zwischen Stadionrock-Melodien und der Intimität eines Wohnzimmerkonzerts. Die technischen Mittel bleiben krude, doch die Lieder strahlen gerade aufgrund ihrer reduzierten Herangehensweise und klingen wie Cheap Trick in einer alternativen Realität ohne das Gekreische Tausender japanischer Teenies auf Budokan. „Ripe 4 Luv“ ist völlig aus der Zeit gefallener Siebziger-Jahre-Radiopop: Cheesy und euphorisierend. Wenn Cook auf „Crushing Sensation“ mit Kopfstimme vor sich hinträllert, könnte er nicht weiter vom Hardcore-Punk entfernt sein. Der Titelsong klingt wie eine Cabriofahrt in einen strahlend roten Sonnenuntergang. „Kelly I'm Not a Creep“ stapelt Mitsingrefrains in schwindelerregende Höhen und schmachtet um eine verflossene Liebe. Und ja: Die Holde sollte ihm gefälligst eine allerletzte Chance geben.

Natürlich gibt es manchmal etwas zu offensichtliche Anleihen an Größen: „Livin' The Dream“ kupfert etwas zu stark bei den La's ab. Auch „Aquarian“ und das abschließende „Wrong Crowd“ driften teilweise zu sehr in seichte Softrock-Gewässer ab. Doch das sind nur Grantlereien von Menschen, die sich nicht auf das Einfache, Wahre und Schöne einlassen können. Ripe 4 Luv wird weder Leben verändern noch Musikgenres revolutionieren. Doch es schenkt dir 32 Minuten mit einer Musikrichtung, die viel zu lange ironisch belächelt und ausgezählt wurde.

Yves Weber

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Musikvideo zu "Crushing Sensation"

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