Rezension

Wolf Parade

Cry Cry Cry


Highlights: You're Dreaming // Baby Blue // Am I An Alien Here // King Of Piss And Paper
Genre: Indie // Rock
Sounds Like: Modest Mouse // Clap Your Hands Say Yeah // Handsome Furs // Arcade Fire

VÖ: 06.10.2017

Endlich war es im Januar 2016 soweit: Wolf Parade gaben bekannt, dass der 2010 verkündete Hiatus vorbei sei. Zunächst ein paar Shows hier und da, bei denen schnell klar wurde, dass die Band live an ihrem Reiz nichts eingebüßt hatte. Rohe Energie, mitreißend, aufwühlend. Eine kurze EP erschien, die musikalisch jedoch eher unterging, und die Erwartungen auf das ebenfalls angekündigte vierte Album zumindest nicht befeuerte. Das ewige Denkmal, das die Band sich gesetzt hat, wird eben immer das Debütalbum "Apologies To The Queen Mary" bleiben, das Arcade Fires "Funeral" aus dem selben Jahr eigentlich in nichts nachsteht. Roher, mitreißender, oft punkiger Indie-Rock, zwei großartige Songwriter – Spencer Krug und Dan Boeckner – die sich aufreiben, zweifeln und verzweifeln. Zehn Songs, die hadern, die getrieben sind, textlich und musikalisch, und das ist für die Hörenden unmittelbar spürbar. Nach 12 Jahren hat das Meisterwerk nichts an Reiz verloren, Songs wie "I'll Believe In Anything", "Dinner Bells", "Hearts On Fire" oder das großartige "Dear Sons And Daughters Of Hungry Ghosts" werden immer bleiben.

Auf den folgenden zwei Alben wurden Wolf Parade dann zunehmend glatter – die Hymnen blieben, aber sie waren nicht mehr aufgerieben, nicht mehr unmittelbar. "Cry Cry Cry", das neue, vierte Album der Band, geht diesen Weg weiter. An die Stelle der ewigen Rastlosigkeit, die diese Band ausgemacht hat, tritt nun ein pompöser, immer etwas zu üppig produzierter Sound. Wolf Parade schreiben immer noch Hymnen, aber sie klingen nun mitunter unangenehm groß, was häufig auch an der Produktion liegt. Klar, die Melodien sind mitunter mitreißend, auch das Songwriting. Aber es klingt distanzierter als früher, und dadurch nicht mehr so persönlich. Das gibt dieser emotionalen Musik eine Dramatik, die mitunter zu beliebig wirkt. Wolf Parade kribbeln nur noch oberflächlich. Sie reißen mit, aber auf eine zu pompöse Art und Weise.

Wolf Parade sind eben auch älter geworden, ihr Sound ist jetzt auch oft etwas proggiger und düsterer als zuvor, in all dem Aufreiben fehlt manchmal der Horizont, das Element in ihrer Musik, das immer Hoffnung gegeben hat. Klar – Songs wie "You're Dreaming", "Baby Blue" oder "Am I An Alien Here" sind gute Songs, aber eben keine außergewöhnlichen. Von einer sehr berührenden und aufwühlenden Band sind Wolf Parade zu einer gewöhnlichen guten Indie-Rock-Band geworden. Die Musik geht nicht mehr unter die Haut und wurschtelt dort alles in Aufbruchsstimmung. Sie kribbelt eher so oberflächlich auf der Haut herum. Auf Platte. Live bringen Wolf Parade zum Glück immer noch alles in Wallung, und deswegen ist es trotz eher enttäuschendem neuem Album gut, dass sie zurück sind.

Daniel Waldhuber

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