Rezension

Wolf Parade

At Mount Zoomer


Highlights: Soldier's Grin // Language City // California Dreamer
Genre: Indie-Rock
Sounds Like: Modest Mouse // The Arcade Fire // Sunset Rubdown // Handsome Furs

VÖ: 20.06.2008

Unermüdlich spielt Arlen Thompson auch noch nach zehn Minuten des letzten Songs "Kissing The Beehive" - zeitweise Arbeitstitel des neuen Albums - das Schlagzeug. "At Mount Zoomer", das Zweitwerk der vier bis fünf Kanadier von Wolf Parade, hört also mit einem ziemlichen Brett auf. (Ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, wie überdurchschnittlich oft der letzte Song eines Albums der längste ist?) Und was geschah in den acht Songs davor?

Dazu später, erst kurz zur Entstehungsgeschichte: Laut Sänger und Gitarrist Dan Boeckner hatten Wolf Parade nach dem Vorgänger "Apologies To The Queen Mary" zunächst vier oder fünf neue Songs geschrieben, die ziemlich stark an den Sound jenes ersten Albums erinnert hätten: "We could have easily made another Apologies… but what would have been the point?" Bevor es mit Wolf Parade weiterging, vielleicht bevor es weitergehen konnte, brachte Boeckner 2007 einfach mal mit seiner Verlobten Alexei Perry unter dem Namen Handsome Furs ein Album heraus, und Spencer Krug, der zweite Kopf, Sänger und außerdem Keyboarder von Wolf Parade, war unter dem Namen Sunset Rubdown sogar noch produktiver - zwei Alben, in Deutschland ebenfalls beide 2007 veröffentlicht.

Nicht, dass ein Wolf-Parade-Fan befürchten müsste, mit dem Stil des neuen Albums nicht zurechtzukommen. Nur weil das Album diesmal nicht von Isaac Brock (Modest Mouse), sondern von der Band selbst produziert wurde, oder nur, weil sie sich für die Aufnahmen in der Kirche verkrochen haben, die sich Arcade Fire für ihre "Neon Bible" gekauft hatten, oder nur, weil sie angekündigt haben, sich vom Sound von "Apologies..." zu entfernen - nur deswegen müssen sie ja nicht gleich eine scharfe stilistische Kurve nehmen oder gar eine Kehrtwendung machen.

Den Rückwärtsgang haben Wolf Parade freilich trotzdem nicht eingelegt. "At Mount Zoomer" beginnt mit seinem besten Song "Soldier's Grin", der Wolf Parade noch ein Stück verspielter im Umgang mit den Keyboards und Gitarren zeigt als auf "Apologies...". Aber vor allem ist da wieder dieser großartige Gesang Boeckners, der schlicht einzigartig ist. Das folgende "Call It A Ritual", das sich in düstereren Gefilden bewegt - nicht, dass Murder By Death Ritualmorde begingen, aber falls doch, gäbe es jetzt den passenden Song dazu -, zeigt aber umgehend, dass auch Krugs Stimme ein unverzichtbarer Bestandteil der Musik von Wolf Parade ist.

Erfreulicherweise lässt sich das Ganze hier abkürzen: Wolf Parade machen im Folgenden auf ähnlich hohem Niveau weiter, lediglich "An Animal In Your Care" fällt ab und "Kissing The Beehive" ist mit seinen fast elf Minuten vielleicht doch etwas zu lang geraten, aber es soll ja auch Leute geben, die auf sowas stehen, für mich trotzdem ausschlaggebend weg von den vier hin zu dreikommafünf von fünf Punkten. Ob es mehr am Artwork oder mehr an der Musik liegt, insgesamt hinterlässt "At Mount Zoomer" einen bunteren Eindruck als "Apologies To The Queen Mary". Und: Kein Song klingt eindeutig nach dem Debüt, aber jeder eindeutig nach Wolf Parade. Wenn das keine Leistung ist.

Mario Kißler

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.