Rezension

Wire

Red Barked Tree


Highlights: Now Was // Adapt // Red Barked Trees
Genre: Post-Punk // Indie
Sounds Like: Gang Of Four // The Fall // The Pop Group // Joy Division

VÖ: 14.01.2011

Aktive Phasen haben Bands in der Regel eine, bei einem Comeback auch mal zwei. Wire gönnen sich seit 2006 bereits ihre vierte, schön verteilt auf alle Dekaden. Wohlgemerkt seit dem Gründunsjahr 1976. Die große Kohle scheffelten sie nie, dafür stets hohes Lob und Annerkennung von Szenen und Kritikern. Man ist halt Indie, da wird ums Verrecken weiter gemacht. Kann man als Trio jenseits der Vierzig heute noch mithalten? Und wenn, dann wie? Dadurch, sich dem Zeitgeist zu widersetzen? Oder durch den Versuch, ihn wieder einzufangen?

Wire versuchen's tatsächlich. Die elf Vorgänger von „Red Barked Tree“ hin oder her: Da geht noch was. Gitarren, die frösteln lassen, gleichgültiger Gesangsstil, unaufgeregtes Songwriting – alles Tugenden, die die Band sich während des stilistischen Roadtrips aufgabelte, der sie aus dem heimatlichen Punkrock der Anfangstage herausführte. 2011 stecken Wire erneut ab, was noch so drinnen ist: Es lärmt, poltert und eiert im skurrilen Noiseklotz „Two Minutes“, lullt ein im schüchternen Friedensständchen „Adapt“ oder fließt im trockenen Midtempo-Groover „Bad Worn Thing“ gelassen vor sich hin. Innerhalb ihres Kosmos spielen Wire unbefangen und locker mit Abwechslung.

Um ihren Orbit wirklich mal zu verlassen, reicht's auf „Red Barked Tree“ nicht so recht. Die Blicke über den Tellerrand sind vorsichtig. So klingt Wires zwölftes Album trotz sachter Experimentierlaune stets homogen – Fluch und Segen der Platte zugleich. Sie ist aus einem Guss, eckt aber selten an oder schreckt auf. Wirklich gelungen ist der Band der mollig-warme Abschluss „Red Barked Trees“, der über das Ende der Platte noch eine süße Note Melancholie tröpfelt. Songs wie dem Opener „Please Take“ fehlt aber der Biss, „Clay“ mangelt's an Farbe wie an Schwung, „A Flat Rent“ ist nur Post-Punk von der Stange, den Genrekollegen schmissiger servieren.

Die Mehrheit dieser 39 Minuten scheint sich nicht so richtig rauszutrauen und Flagge zu bekennen, geschweige denn, sich dann auch richtig anzubiedern. Unter'm Strich wirkt „Red Barked Tree“ unentschlossen und wenig pointiert. Beides Fallen, in die der tappt, der nicht so genau weiß, wo in der Musikwelt er eigentlich steht. Oder hin will. Wire täte es gut, sich für einen Weg zu entscheiden – und nicht beide nur bis zur Hälfte zu gehen.

Gordon Barnard

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