Rezension
Wild Nothing
Nocturne
Highlights: Shadow // Nocturne // Paradise
Genre: Dream-Pop
Sounds Like: Twin Shadow // Destroyer // Lower Dens
VÖ: 24.08.2012
Sind wir doch mal ehrlich: Die Achtziger waren nicht nur in modischer Hinsicht an Peinlichkeiten kaum zu überbieten, auch musikalisch konnten sie den Folk-, Funk- und Discobewegungen der Jahrzehnte davor kaum das Wasser reichen. Umso erstaunlicher, dass ausgerechnet jenes Zeitalter mit ausgeprägtem Hang zu geschmacklosem Pomp und übertriebenem Pathos seit einigen Jahren ein kleines Comeback feiert. Denn überall scheinen sie plötzlich aus dem Boden zu sprießen, die Dream- oder Elektro-Pop-Bands, die in ihrer Musik ganz unverhohlen den Geist der 80er wieder heraufzubeschwören versuchen. Kurioserweise klingt das Ganze dann in vielen Fällen auf einmal auch noch richtig gut, wie zum Beispiel der Amerikaner Jack Tatum von Wild Nothing 2010 mit seinem Kritiker verzückenden Debüt „Gemini“ demonstrierte und nun auf seinem aktuellen Album „Nocturne“ erneut unter Beweis stellt.
Auf Songs wie dem von versonnenen Streichern verzierten Opener „Shadow“ oder dem nicht minder bezaubernden Titeltrack „Nocturne“ werden nämlich nicht einfach nur wahllos Sound-Spuren übereinander gekleistert, sondern vielmehr ausgesprochen dezent wirkende Synthie- und Gitarrenklänge feinsinnig zu einer warmen, wohligen Decke verwoben, die gepaart mit Tatums sanfter, fast schon einlullender Stimme für eine wahrlich kuschelige Atmosphäre sorgt. Diese zieht sich dann auch über das ganze Album, was zwar insgesamt einen sehr harmonischen und homogenen Eindruck hinterlässt, dafür aber eben keinen bleibenden.
Denn im Gegensatz zu Destroyer, an deren Soft-Rock-Großtat „Kaputt“ man sich hier immer wieder erinnert fühlt, fehlt es Wild Nothing ein wenig an Konsequenz und Mut, aus den gefälligen Gefilden auszubrechen und auch mal Riskanteres auszuprobieren – selbst auf die Gefahr hin, zu polarisieren und den ein oder anderen Hörer gar vor den Kopf zu stoßen. So plätschert „Nocturne“ so ganz ohne ironisches Augenzwinkern oder die verschmitzte Raffinesse eines George Lewis Jr. am Ende einfach zu unscheinbar vor sich hin, um einen auf Dauer fasziniert die Ohren spitzen zu lassen. Was prinzipiell voller Potential steckt, verkommt letztendlich also leider zu harmloser Hintergrundmusik, die zwar durchaus zu gefallen, aber nie so richtig zu begeistern weiß. Vielleicht ist "Kaputt" aber auch einfach bloß der denkbar undankbarste Vergleich, den man mit seiner eigenen Musik evozieren kann.
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