Rezension

White Rabbits

It's Frightening


Highlights: Percussion Gun // They Done Wrong / We Done Wrong // Midnight And I
Genre: Indie // Rock
Sounds Like: Spoon // Cold War Kids // Clap Your Hands Say Yeah

VÖ: 22.01.2010

White Rabbits stammen wie so viele aufstrebende Bands der letzten Jahre aus Brooklyn. Obwohl es dort häufig das höchste Ziel zu sein scheint, so experimentell wie möglich zu klingen, geht das ursprünglich aus Missouri kommende Sextett anders vor und wird gerade durch den Einsatz gewöhnlicher Mittel zum Außenseiter in der Szene. In erster Linie handelt es sich nämlich bei ihrer Musik, wenn man eine Genrezuordnung versuchen will, um geradlinigen Indie-Rock. Allerdings lässt es sich die Band nicht nehmen, ihre Songs so weit zu verfremden, dass letztlich doch unglaublich viel auf einmal passiert. Dabei wissen die White Rabbits jedoch genau, wie weit sie gehen können, ohne den Hörer zu überfordern.

Das Ergebnis dieses Vorgehens war das allerorts hochgelobte Debütalbum „Fort Nightly“, ein Album, das frech nach vorne stürmte, ohne dabei den Kopf zu verlieren. Wie es auf dem von Spoon-Sänger Britt Daniel produzierten Nachfolger weitergeht, bringt schon der Titel des Openers „Percussion Gun“ auf den Punkt. Die Rhythmussektion ist eindeutig das bestimmende Element auf „It’s Frightening“. Es hat schon fast etwas Brachiales an sich, wie hier die Trommeln gleich von zwei Bandmitgliedern bearbeitet werden und wie Stephen Patterson seine Verse wütend herauspresst, ohne die geschickt gespannten Melodiebögen komplett über den Haufen zu werfen. Die klar perlenden Klaviertöne bilden den entscheidenden Gegenpol zum ansonsten recht ungestümen Vorgehen der Band, wodurch es gelingt, dass sich Gewalt und Schönheit gerade die Waage halten. Und genau das ist es, was „It’s Frightening“ so spannend macht. „They Done Wrong / We Done Wrong“ ist eines der Paradebeispiele dafür, wie gut das alles funktioniert, wenn ein luftiger Pianoteppich den Song aus seinen psychedelischen Tiefen hervorholt und dem gnadenlos vorwärts treibenden Song auf einmal eine überraschende Leichtigkeit verleiht. Auch in „Lionesse“ hält das Klavier mit seiner kreiselnden Melodie die polternde Maschinerie zusammen. Das in der Mitte platzierte „Company I Keep“ ist einer der wenigen Songs auf diesem Album, der einem Zeit zum Durchatmen gibt, bevor einem in der zweiten Albumhälfte Songs wie das bitterböse „Right Where They Left“ auflauern.

Das Zweitwerk der White Rabbits ist ein kurzweiliges Album geworden, das aber eine so finstere und aggressive Stimmung verbreitet, dass man es nicht zu jeder Gelegenheit auflegen kann. Wer an der wild fauchenden Single „Percussion Gun“ Spaß hat, sollte wissen, dass einem die White Rabbits auf Albumlänge doch so einiges abverlangen und man am Ende des Albums ziemlich gebeutelt zurückgelassen wird. Der Warnhinweis steht ja bereits auf dem Cover: it’s frightening.

Kilian Braungart

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