Rezension

We Were Promised Jetpacks

These Four Walls


Highlights: It’s Thunder… // Roll Up Your Sleeves // Conductor // Quiet Little Voices
Genre: Indie-Rock // Post-Rock
Sounds Like: Frightened Rabbit // Glasvegas // The Twilight Sad // Aereogramme

VÖ: 19.06.2009

Dezember… – Panik! Ein Jahr geht zu Ende und als hätten wir es nicht kommen sehen, müssen in Windeseile endlos lange Rankings mit den besten Platten der letzten 12 Monate zusammengestellt werden. Offensichtlich ist: Je länger die Liste, desto mehr Ahnung von Musik hat der Ersteller… Ja nee, ist klar. Aber egal, wie lang die Liste ist, irgendwer wird immer vergessen. Ein heißer Kandidat hierfür ist die schottische Band We Were Promised Jetpacks, die im Sommer ihr erstes Album „These Four Walls“ herausbrachte. Im Wust der unfassbar vielen Platten des Jahres aus Schottland (Biffy Clyro, The Twilight Sad, Glasvegas…) ist dieses Juwel selbst der Redaktion von helga-rockt.de entgangen. Kurz vor Toresschluss soll „These Four Walls“ an dieser Stelle die verdiente Aufmerksamkeit zuteil werden.

Der Sound von We Were Promised Jetpacks nimmt seinen Ausgangspunkt bei den unschuldigen Gitarren-Klängen („An Almighty Thud“) der befreundeten Band Frightened Rabbit, um sie mit einem Fingerschnipsen zu verwerfen: Das Tempo ist meist höher, an einigen Stellen sogar tanzbar („Quiet Little Voices“). Zusätzlich schimmern epochale Rock-Klänge hindurch und lassen erahnen, dass We Were Promised Jetpacks auch das Zeug dazu hätten, verhaltenen Post-Rock zu kreieren. Ähnlich wie Aereogramme gehen sie einen Weg, der zwischen laut und leise schwankt, ohne dabei jedoch die gleiche Melancholie aufkommen zu lassen.

Die große Stärke der Jungs aus Glasgow sind Spannungsbögen. „Conductor“ beispielsweise beginnt sehr schlicht. Zu monotonen Gitarren-Klängen und nacktem Gesang treten erst nach einer Weile Xylophon, zweite Gitarre und Schlagzeug und steigern die Intensität sukzessiv. Doch kurz bevor man glaubt, gleich breche die Wall of Sound über einen herein, wird der Sound völlig zurückgenommen. Der Song scheint auszuklingen, um sich dann doch noch einmal aufzubauen. Das Quartett spielt mit der Erwartung des Hörers, selbst beim wiederholten Durchlauf lässt sich die komplexe Dramaturgie der Songs nur erahnen. Ähnlich grandios komponiert ist „Keeping Warm“, das nach und nach eine unglaubliche klangliche Dichte erzeugt, nur um diese am Höhepunkt in sich zusammenfallen zu lassen. Was bleibt, ist die Textzeile Chances of being Born // Are so small // So keep warm // Keep warm. Dann treten Upbeat und Post-Rock-Gitarren hinzu und der Song hat innerhalb von sechs Minuten bereits das dritte Mal sein Gesicht gewandelt.

Trotz des guten Songwritings ist das Album überraschenderweise nicht überproduziert. Damit dürfte auch zu erklären sein, weshalb „These Four Walls“ zwar vielerorts wohlwollend zur Kenntnis genommen wurde, kommerziell jedoch kaum Erfolg hatte: Die Platte fasst das zeitgenössische Potential des Indie-Rock in großartiger Weise zusammen, ist damit aber wiederum zu progressiv, um von den Indie-Schnitten der Nation gekauft zu werden.

Mischa Karth

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