Rezension

Various Artists

Lazarus (Original Cast Recording)


Highlights: Klling A Little Time // When I Met You // No Plan
Genre: Rock
Sounds Like: David Bowie // Iggy Pop // Velvet Underground // Tin Machine

VÖ: 21.10.2016

Als David Bowie im Januar diesen Jahres für viele Menschen überraschend starb, erschien nicht nur gerade sein neuestes Album „Blackstar“, mit dem er sich verabschiedete. Auch das Musical „Lazarus“, bei welchem er mitproduzierte, war seit wenigen Wochen auf der Bühne. Die Aufnahmen dieses Musicals sind nun auch für jene, die es nicht ins Theater nach New York oder London schaffen, als „Lazarus Original Cast Recording“ verfügbar. Dabei bestätigen sie alles, was man von Musicals erwarten kann: Wer diese mag, wird an den Aufnahmen nichts auszusetzen haben, wer an sich schon wenig mit dieser Bühnenform anfangen kann, wird es nicht mögen. Zum einen ist es befremdlich, die Stücke ohne den Originalgesang zu hören, andererseits sind die Stücke bisweilen stark verfremdet. Einzig Michael C. Hall reißt einiges heraus, da seine Interpretationen sowohl stimmlich als auch stilistisch nah am Original liegen („Where Are We Now“, „Absolute Beginners“, „Lazarus“). Grausam hingegen viele der insbesondere als Duett dargebotenen Pathosvarianten bekannter Stücke („Heroes“). Zusätzlich haben Sophia Ann Caruso und Cristin Milioti, die zum Beispiel „Life On Mars“ oder „Changes“ darbieten, zwar ausgebildete Gesangsstimmen, aber diesen furchtbaren kaugummiamerikanischen Dialekt. Es klingt bisweilen sehr nach Quäken. Fazit: Aus diesen Meisterwerken singsang zu machen, kann man sich sparen.

Warum man sich diese Veröffentlichung überhaupt kaufen sollte, hat einen anderen Grund. Es gibt nämlich zwei Veröffentlichungen in einer. Die zweite, nur vier Songs umfassende EP enthält den von Bowie selbst gesungenen Titelsong „Lazarus“, wie man ihn auch schon vom Album kennt und drei komplett neue Stücke: „No Plan“, „Killing A Little Time“, „When I Met You“. Es sind die letzten, die Bowie selbst eingesungen hat. Binnen dieser fünfzehn Minuten beweist Bowie ein letztes Mal sein herausragendes Talent und zeigt auch auf, warum ein Musical mit seinen Stücken nicht funktioniert. In seiner Stimme liegt, nicht nur ob des nahenden Endes, eine gewisse Schwermut und Einzigartigkeit, die sich nicht zum fröhlichen Herumtanzen eignet (selbst „Let’s Dance“ ist ja vor allem ein Antihit). Alle drei haben ein Motiv gemeinsam: Rückblick zum einen auf ein erfülltes Leben („No Plan“) und das Bedauern, doch zu wenig Zeit auf diesem Planeten gehabt zu haben. „Killing A Little Time“ ist wütend, zornig, gräbt den Industrialsound von „Earthling“ wieder aus und packt ihn in sein zuletzt ausprobiertes Jazzrockgewand. War „Lazarus“ sein leiser Abschied, ist „Killing A Little Time“ der große Knall. „When I Met You“ gräbt noch einmal in der Vergangenheit. Bowie zitiert hier seinen Rocksound der 1970er Jahre, insbesondere „Station To Station“ oder „Diamond Dogs“ schienen hier Pate zu stehen. In schnellen, flirrenden Zeilen wiederholt er eine letzte, große Botschaft an eine geliebte Person, hörbar in der Hast, dieses Stück noch fertig stellen zu wollen. Völlig im Gegensatz übrigens zur Aufnahme im Musical, bei dem dieses Stück als geradezu fröhlich anmutendes Happy-End-Tanzduett daherkommt.

Klaus Porst

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