Rezension

Vampire Weekend

Modern Vampires Of The City


Highlights: Unbelievers // Diane Young // Don't Lie // Finger Back // Hudson
Genre: Indierock
Sounds Like: Grizzly Bear // El Guincho // Ra Ra Riot // Yeasayer

VÖ: 10.05.2013

Es wird sicherlich kein Zufall sein, dass Paul Austers „New York Trilogy“, eins der vielleicht wichtigsten Werke der literarischen Postmoderne, nicht gerade „L.A. Trilogy“ oder „Cleveland Trilogy“ heißt: So bietet sich wohl kaum eine andere Stadt so sehr als Schauplatz einer Saga über Identitätsverluste an wie diese Metropole, die zugleich Anonymität als auch in Reinform das Prinzip des Schmelztiegels verschiedenster Kulturen repräsentiert. Mit dem – zugegebenermaßen in Teilen in L.A. Aufgenommenen – „Modern Vampires Of The City“ vollenden Vampire Weekend nun in gewisser Weise ihre eigene New-York-Trilogie – Resultat und Wirkung sind hier jedoch vollkommen andere.

So hatten Vampire Weekend zwar schon immer so sehr aus dem Füllhorn verschiedenster internationaler musikalischer Einflüsse geschöpft, dass selbst die Genrebezeichnung „Afro-Pop“ gerne hin und wieder für sie aus der Mottenkiste gekramt wurde – auch aktuellen westlichen Einflüssen verschließen die vier New Yorker jedoch nicht die Ohren, wie der durchaus an Grizzly Bear erinnernde Opener „Obvious Bicycle“ oder die leichten Animal-Collective-Assoziationen, die durch „Ya Hey“ evoziert werden, beweisen. Die Sakralität – denn kaum ein anderer Begriff greift hier – von „Hudson“ verdeutlicht jedoch, inwiefern die Kreise, die Vampire Weekend mit ihren Sounds ziehen, von Album zu Album nur immer größer werden.

Dass all dies zu einem Identitätsverlust nach Auster'scher Manier führen würde, ist jedoch auch auf „Modern Vampires Of The City“ nicht zu konstatieren, denn die New Yorker bleiben trotz allem stets sie selbst. So zeigt „Step“, dass das Cembalo vielleicht immer noch jede Bandumfrage zum geheimen Lieblingsinstrument gewinnen würde, und wieviel Freude und gute Laune auch wieder die melancholischsten Lieder unweigerlich versprühen, hat ebenso wenig jemals wirklich in die postmoderne Tristesse gepasst – bestes Beispiel ist hier die fast schon zu quirlige Endorphinrutsche „Diane Young“: Dass die Band hier Spaß gehabt haben muss, beweist eigentlich schon die Tatsache, dass zumindest Drummer Chris Tomson hier klingt, als würde er den kompletten Track über ausschließlich spielen, worauf er allein gerade Bock hätte – was den Song in gewisser Weise besonders mitreißend macht.

Wenn Vampire Weekend mit dem kurzen, zeitlupenartig-choralen „Young Lion“ dann gewissermaßen ein Outro ans Ende von „Modern Vampires Of The City“ setzen, wirkt es wirklich so, als würde hier eine Trilogie beendet, jedoch eine, die New York und ihre Musikschaffenden von ihrer besten Seite zeigt. Mögen Vampire Weekend auch in Zukunft hieran anknüpfen – auf die „Postmodern Vampires“ sollte man wohl noch viel gespannter sein.

Jan Martens

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