Rezension

UNKLE

War Stories


Highlights: Burn My Shadow // Twilight // Broken
Genre: Electronic // Rock // Stoner-Rock // Disco
Sounds Like: Soulsavers // Death In Vegas // Nine Inch Nails

VÖ: 06.07.2007

U.N.K.L.E., ein Projekt, das jeder irgendwie kennt, unter dem sich jedoch kaum einer etwas genaueres vorstellen kann. Klar, das waren die, die mit Hilfe von Thom Yorke einen Track schufen, der spätestens durch Jonathan Glazers Meister-Musikvideo unsterblich wurde. Doch wer sind U.N.K.L.E.? Nein, der Name ist keineswegs eine Zusammensetzung aus fünf Vornamen. Fünf ist um Weiten zu hoch gegriffen, und um Vornamen geht es auch nicht. James Lavelle, der Chef des legendären Trip-Hop-Labels Mo'Wax ist U.N.K.L.E.. Er und niemand anderes war von den ersten Remix-EPs bis hin zum dritten Studioalbum mit im Boot. In der immerhin 13jährigen Band- oder sagen wir lieber Projektgeschichte - denn bei U.N.K.L.E. wird zwangsläufig von einem Projekt gesprochen - wurde Lavelle zuerst von den Produzenten Tim Goldsworthy und Kudo, später von DJ Shadow, und bei den zwei neuesten Werken, "Never, Never, Land" und dem vorliegenden "War Stories", von Musiker Richard File unterstützt. Überschneidungen waren und sind bis heute ein Tabu.

Wie auf den zwei bereits erschienenden Alben, gibt es auch auf dem aktuellen einen Haufen von Gastmusikern, ohne die das Konzept U.N.K.L.E. gar nicht denkbar wäre. Die zwei bisher beeindruckensten Kollaborationen befinden sich mit dem bereits im ersten Absatz angesprochenen "Rabbit In Your Headlights" und dem von Richard Ashcrofts (The Verve) Stimme getragenen "Lonely Soul" eindeutig auf der Debüt-LP "Psyence Fiction". Ob Josh Homme, Gavin Clark, Ian Astbury, The Duke Spirit, Autolux und 3D etwas an diesen Umständen ändern können, ist leider doch recht schnell beantwortet: Nein, auch wenn die Single "Burn My Shadow", welche in Zusammenarbeit mit Ian Astbury, der momentan in einer The Doors-Revivalband aktiv ist, entstanden ist, das treibenste Lied seit langer Zeit ist.

Ähnlich intensiv ist auch der Einstieg "Chemistry" ausgefallen. Nach 20sekündigem Intro präscht dieser dreieinhalb Minuten in bester Instrumental-Manier, wie er für einen 007-Film nicht besser hätte komponiert werden können. Ansonsten sollten noch das zum Antanzen einladene "Hold My Hand", das Notwist-eske "Persons And Machinery" und das sehr spezielle "Broken" erwähnt werden: Alles in allem klingen die neuen Songs beim ersten Hören ziemlich unterschiedlich, doch beim nächsten Mal plötzlich komplett gleich. Wobei das negativer klingt als es gemeint ist. Lavelle ist es gelungen, allen 14 Stücken einen runden Klang zu verleihen. Das Leitmotiv, wenn man das so nennen kann, ist die 80er-Jahre-Elektro-Disko-Stimmung - jedes Lied weist diese, zumindest für einen Moment, auf, was "War Stories" letztlich rund, aber widerum etwas langweilig macht.

Diese zwei Anhaltspunkte machen mir als Rezensent die Bewertung in Punkten schwerer denn je. Die nichtssagenden 60%, die letzenendes über der Rezension stehen, sind als Mischung aus 2/5 und 4/5 zu sehen. Manchmal möchte man alle Mitwirkenden verfluchen: Wie kann man so wenige zwingende Momente bloß in 71 Minuten verpacken?!? Doch es gibt durchaus Tage, an denen man sich liebend gerne zurücklehnt und diese für eine CD schon lange Zeit opfert.

Paul Weinreich

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.