Rezension

Typhoon

Offerings


Highlights: Rorschach // Empiricist // Beachtowel // Chiaroscuro
Genre: Indie-Rock // Folk
Sounds Like: Hey Rosetta! // Arcade Fire // Modest Mouse // Broken Social Scene

VÖ: 12.01.2018

Vier Jahre hat sich die bis zu elfköpfige Band Typhoon aus Portland Zeit genommen für die Arbeiten an ihrem neuen Album „Offerings“. In der Zwischenzeit hat Kyle Morton, Sänger und Frontmann der Band, jedoch auch ein Soloalbum veröffentlicht, das sich deutlich vom Stil des neuen Typhoon-Albums unterscheidet. Während Mortons letztjährige Platte von leichteren folkigen Songs geprägt war, ist „Offerings“ ein ambitioniertes, wuchtiges Werk mit Art-Rock-Anleihen, gegliedert in vier Kapitel, das sich in mehr als einer Stunde mit dem Thema Erinnerung und Vergessen und ihrem Einfluss auf die menschliche Existenz auseinandersetzt.

Es lässt sich allein aus diesen Fakten bereits erahnen, wo die Stärken, aber auch die Schwächen des dritten Typhoon-Albums schlummern könnten: „Offerings“ verlangt dem Hörer Einiges ab und zwingt ihn zur Auseinandersetzung mit der Thematik des Albums, wenn er denn nicht direkt nach dem wuchtig-dramatischen Opener „Wake“ aufgibt. Denn auch wenn ein solch großes Ensemble wie das von Typhoon die musikalischen Mittel, die eine so große Zahl an Mitgliedern mit sich bringt, durchaus effektvoll einzusetzen weiß, funktioniert „Offerings“ vor allem durch die Kontraste, die zwischen den lauten und den leisen Momenten entstehen. „Empiricist“ und „Algernon“ sind nach dem furiosen Start des Albums deutlich in sich gekehrter, und auch Songs wie „Chiaroscuro“ setzen wichtige Akzente der Ruhe in einem ansonsten von einer sehr unruhigen und aufgewühlten Stimmung durchzogenen Album.

Bei allen Aufs und Abs darf nicht unerwähnt bleiben, dass das wichtigste Bindeglied von „Offerings“ sicherlich Kyle Mortons Gesang ist, der sich trotz seiner Zerbrechlichkeit auch in den lauten Momenten des Albums durchzusetzen weiß und bei den zum Teil sehr üppigen Arrangements mit seiner melancholischen Färbung emotionale Bezüge schafft. Dennoch bleibt „Offerings“ ein Album, das man in seiner Gesamtheit nur mit viel Geduld und Konzentration am Stück durchhören kann. Man muss Typhoon anrechnen, dass sie es sich sicherlich nicht leicht gemacht haben mit diesem Album, und wie wichtig es für die Band selbst ist, dieses Album aufzunehmen, kann man kaum überhören. So mitreißend wie ihre bisherigen Veröffentlichungen ist ihr neues Album allerdings trotz seiner starken Momente leider nicht geworden.

Kilian Braungart

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