Rezension

Toydrum

My Eye on You (To Reinvision)


Highlights: I've Got A Future (Nick Cave & Warren Ellis Rework) // Void & Form ( Trentemøller Rework) // It Came Without Warning (Samana Rework)
Genre: Synthiepop // Elektropop // melancholischer Pop
Sounds Like: Trentemøller // UNKLE // Nick Cave // Gavin Clark // Evangelist

VÖ: 07.04.2017

Nach dem plötzlichen Tod Gavin Clarks im Jahre 2015 schufen Pablo Clements und James Griffith aus den halbfertigen Studioaufnahmen der damaligen Sessions ein beklemmendes, herausragendes Abschiedsalbum. „Evangelist“ brach mit dem sonst sehr elektronischen Stil der drei, die auch in der Formation UNKLE bekannt wurden. „My Eye On You (To Reinvision)“ setzt nun die posthume Würdigung Clarks fort, wenngleich mit anderen Mitteln. Statt Unfertiges zu vollenden, werden dieses Mal die Songs der Kollaboration dekonstruiert und neu zusammen gesetzt – eine namhafte Auswahl an Künstlern nimmt sich dabei des Werkes an.

Ein voller CD-Rohling ist es geworden, mit knapp 80 Minuten Material bis an die Grenze zusammen geschnitten. Viel Quantität, die jedoch immer mal wieder qualitative Hänger hat. Gerade im Mittelteil, wenn ein elektronischer Sieben- bis Achtminutenremix auf den nächsten folgt, entstehen deutliche Längen. Zunächst jedoch nimmt sich Anders Trentemøller „Void & Form“ an und verpasst diesem sein mittlerweile typisches 1980er-Wave-Soundgewand. Beachtenswert ist dabei das Fehlen der sonst markanten weiblichen Vocals. Joel Wells übernimmt diesen Part. Atmosphärischer geht anfangs Alexander Palmestål in „It Came Without Warning“ vor. Dann jedoch zeigt sein Remix auf, was das Problem vieler Neueinspielungen ist – einfach ein Stück mit einem Stampfbeat zu unterlegen, der monoton vor sich hin wummert, ist vielfach zu wenig. Gleiches gilt für den Frank-Wiedemann-Mix zu „God Song“. Hier kommen die 1980er Jahre wieder durch, als man nahezu jeden Song als verlängerten „Clubmix“ auf eine 10" presste. Selbst wenn der Gesang dem Beatgestampfe völlig im Weg steht, so auch hier. Wie es besser geht, zeigt Pye Corner. "I’m In Love Tonight“ ist ebenfalls acht Minuten lang und schafft den Spagat zum zeitgenössischen Elektro, allerdings ohne Spannung aufzubauen.

Besser und auch völlig anders agiert Nick Cave. Zusammen mit Warren Ellis fordert er Clark zu einem Duett in „I’ve Got A Future“, dessen Ausgestaltung völlig dem Titel zuwider läuft. Da bleibt kein Auge trocken, denn Cave setzt stilistisch an seine letzte Veröffentlichung „Skeleton Tree“ an und verfällt einmal mehr in Katharsis. Nicht im Ansatz mit dem weiter vorne platzierten Stück gleichen Namens vergleichbar ist „It Came Without Warning“ von Samana. Die elegische Schönheit von Samanas Stimme trifft auf ein reduziertes Klangambiente. Gerade diese Aufarbeitungen, die sich nahe an „Evangelist“ orientieren, sind gelungen, während nahezu alle Versuche, die tiefen, schweren Abgesänge Clarks in eine Art clubtaugliches Korsett zu zwängen, schiefgehen. Da soll zusammen wachsen, was nicht zusammen gehört – und scheitert dabei.

Klaus Porst

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"I've Got a Future" (feat. Gavin Clark) im Nick Cave & Warren Ellis Rework

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