Rezension

Tops

I Feel Alive


Highlights: I Feel Alive // Ballads & Sad Movies // Colder & Closer
Genre: Indiepop // Yachtpop
Sounds Like: Men I Trust // Part Time // Tennis

VÖ: 03.04.2020

Jede Zeit braucht ihren Soundtrack. Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass ein Virus im März und April 2020 das öffentliche Leben auf der ganzen Welt lahmlegen und die Menschen zurück in ihre vier Wände treiben würde? Was bleibt einem sonst übrig, als Zeit zur Muße zu finden? “I Feel Alive” ist die perfekte Beschallung zum Daheim-auf-der-Couch-Fläzen, zum Auslesen längst aufgegebener Bücher und zum Aufgießen einer weiteren Tasse Tee.

So wirklich kanadisch klingen Tops auch auf ihrem vierten Album “I Feel Alive” nicht. Die sonnengetränkte Leichtigkeit erinnert an den in den letzten Jahren wiederentdeckten Yachtpop der Achtziger und südländische Radiostationen, die man als Kind mit den Eltern im Urlaub hören musste, und die gerade wegen ihrer Cheesiness dann doch ganz schön waren. Die feste Erweiterung der Band um eine Keyboarderin trägt zu dieser Atmosphäre bei und tüncht die Songs in melancholische Sepiafarben, ohne jemals ernsthaft deprimierend zu werden. So bleiben die Songs trotzdem wie das flötenbegleitete und durch einen Discorhythmus unterstützte “Direct Sunlight” immer tanzbar. Auch “Colder & Closer” klingt trotz seines Titels dann doch verträumt. Dass Tops aus Montréal stammen, verrät wohl allein die Bandinfo und das auf Französisch gehauchte “Drowning In Paradise”

Tatsächlich war das Album wohl eher für eine Strandparty mit endlos langen Sonnenuntergängen und bis in die Morgenstunden auslaufenden Afterhours gedacht, aber auch auf Balkonien funktionieren diese elf Lieder wunderbar. So verfliegt diese gute halbe Stunde – wie sollte es aufgrund der ganzen zur Schau gestellten Leichtigkeit auch anders sein? – wie im Flug und ein weiteres Drücken auf die Play-Taste ist gar nicht so anstrengend. Einfach noch ein bisschen Zeit vertrödeln, man hat ja endlich genug davon.

Yves Weber

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