Rezension

Timber Timbre

Sincerely, Future Pollution


Highlights: Velvet Gloves & Spit // Moment // Sewer Blues
Genre: Blues // Folk // Experimental // Industrial // 80's
Sounds Like: Nick Cave & The Bad Seeds // Tom Waits // Bill Callahan

VÖ: 07.04.2017

Egal was für eine Platte Timber Timbre aus der Provinz Ontario in Kanada machen, sie machen sie mit kühlem Understatement. War „Hot Dreams“, das großartige Vorgänger-Album aus dem Jahr 2014, eine Platte mit einem Hauch Erotik, so ist diese Platte „Sincerely, Future Pollution“, wie sich schon am Titel erkennen lässt, eine dystopische Platte. Die Reaktion der alternativen Musikszene auf die Geschehnisse in der Welt kommt schnell, und sie kommt deutlich, Father John Misty ist bereit, Timber Timbre sind es auch. Voller Ruhe sind sie ganz bei sich und spiegeln das Zugrundegehen der Welt. Sie klingen dabei nach den Jahren, als die Welt das letzte Mal an einem ähnlichen Abgrund stand, zumindest wenn man die US-Präsidenten betrachtet. Synthies, Drum Machines, teilweise Industrial-Anleihen, ganz nach dem Jahrzehnt des Ronald Reagan, der 80er, klingend.

Sänger Taylor Kirk ist in seinen Texten dabei ziemlich auf den Punkt, wie stets bei Timber Timbre liegt der Fokus sehr auf den Worten, die oft eher in Spoken Word denn als Gesang vorgetragen werden. Sehr poetisch, aber auch sehr direkt. Und das alles ist versehen mit gekonnten Harmonien und markanten Melodiewechseln bitter und schön zugleich. So etwa im großartigen Opener „Velvet Gloves & Spit“, in dessen Titel schon zuckersüße Schönheit und Dreck zugleich stecken. Vom Stil her erinnert die Platte an einen David-Lynch-Film, bittere, scheinheilige Schönheit, eine Welt, deren Fassade bröckelt.

Musikalisch ist das dann in „Moment“ zum Beispiel strikt umgesetzt – der Song baut sich wunderschön harmonisch drei Minuten lang auf, um sich dann selbst zu zersägen. Wie vielleicht nie zuvor erinnern Timber Timbre an Nick Cave, in Dunkelheit, Schönheit, Schwere und Weite des Blicks und der Motive. „Sincerely, Future Pollution“ erklingt aus der Ferne durch einen Nebel her, doch kommt mit erstaunlicher Klarheit bei dem Hörenden an.

Daniel Waldhuber

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