Rezension

Timber Timbre

Creep On, Creepin' On


Highlights: Bad Ritual // Black Water // Too Old To Die Young
Genre: Blues // Folk // Singer-Songwriter
Sounds Like: Dead Man's Bones // Patrick Watson // Tom Waits // Bill Callahan // J. Tillman // Vetiver

VÖ: 08.04.2011

Hiermit sei eine Warnung vor dem neuen Album der Kanadier Timber Timbre ausgesprochen. “Creep On, Creepin’ On“ ist nämlich alles andere als ein Frühlingsalbum – und wenn einen dieses Album im falschen Moment erwischt, kann es einen ganz schön verwirren. Bewegte sich der selbstbetitelte Vorgänger mit seinen verschrobenen, kargen Songs oft schon gefährlich nah am Abgrund, versinkt die Band um Taylor Kirk mit „Creep On, Creepin’ On“ nun noch tiefer in ihren finsteren Klangwelten.

Das vierte Album von Timber Timbre lebt vor allem von seiner detailvollen Inszenierung, von der Atmosphäre, die durch die raffinierte Verfremdung meist recht konventioneller Blues-Songs entsteht und wieder einmal von Taylor Kirks Gesang, der warm und einfühlsam und zugleich seltsam entrückt und aufwühlend wirkt. Dass die Bläser so bedrohlich klingen, die flirrende Violine eine Gänsehaut erzeugt und das Klavier so unheimlich klingt, liegt nicht zuletzt daran, dass Timber Timbre besonders viel darauf Wert legen, wie die Instrumente klingen und welche Assoziationen sie erzeugen sollen. Oft hört man verhallte Klänge aus der Ferne und die klassischen Instrumente erreichen durch verschiedene Effekte ganz unerwartete Wirkungen.

Der Opener „Bad Ritual“ ist ein Paradebeispiel für die wohlig-schaurige Atmosphäre, die Timber Timbre auf diesem Album erzeugen. Mit monotoner Härte werden die Klaviertasten angeschlagen, während Taylor Kirk begleitet von wackeligen Bläsern seine dunklen Verse singt. Instrumentelle Einschübe wie „Obelisk“ und „Swamp Magic“, in denen Timber Timbre jegliche Songstrukturen über den Haufen werfen und sich gänzlich auf das Erzeugen gespenstischer Klänge konzentrieren, lassen einen erst feststellen, dass die eigentlichen Songs des Albums in ihrer Struktur recht einfach gestrickt sind und ihren Reiz in erster Linie durch ihre Inszenierung bekommen. In „Too Old Too Young“ zeigt sich die Gratwanderung, die Timber Timbre begehen, besonders deutlich, wenn die Violine von einem sphärischen Flirren bis zum Kreischen zu einer schwelgerischen Melodie übergeht und der Song mit gemütlichem Chorgesang gelassen ausklingt.

Timber Timbre haben sich mit ihrer seltsamen, aber auf eine gewisse Weise liebenswerten Musik eine Nische im aktuellen musikalischen Geschehen gesucht, in der sie so gut wie alleine dastehen. Man spürt beim Hören von „Creep On, Creepin’ On“ noch deutlicher die klare Vision der Band, wie ihre Musik zu klingen hat. So viel Mut zur Eigenständigkeit sieht man leider viel zu selten.

Kilian Braungart

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