Rezension

The White Buffalo

Darkest Darks, Lightest Lights


Highlights: Avalon // The Observatory // Border Town/Bury Me In Baja
Genre: Roots-Rock // Country // Americana
Sounds Like: Eddie Vedder // Bruce Springsteen // Johnny Cash

VÖ: 13.10.2017

Wer in den vergangenen paar Jahren auf der Suche nach No-Bullshit-Americana mit allen Gliedmaßen fest im Wurzelwerk der Rockmusik gesucht hat, wird um Jake Smith, alias The White Buffalo, kaum herumgekommen sein. Der US-Amerikaner mit dem Rauschebart und der dazu passenden Reibeisenstimme lieferte auf bislang fünf Alben feinste Singer-Songwriter-Kost zwischen Roots-Rock, Country und Folk, die sich dazu hervorragend eignete, um Highway- und Echte-Kerle-Fantasien in Serien wie „Sons Of Anarchy“ und „Californication“ zu untermalen. Auch auf Album Nummer sechs bleibt er grundsätzlich bei diesem Konzept, lässt aber mehr Teamwork zu als zuvor.

„Darkest Darks, Lightest Lights“ entpuppt sich vom ersten Moment an als Band-Platte erster Güte – wie sollte es auch anders sein, wenn schon die ersten Worte der klassische Einzähler „one, two, three, four“ sind? Was in „Hide In Seek“ dann folgt, ist ein astreiner Bluesrock-Stampfer, dem man höchstens vorwerfen kann, dass es ihn in etwa oder genau so bestimmt schon mal gab. Mit innovativem Anspruch sollte „Darkest Darks, Lightest Lights“ aber eh nicht begegnet werden, denn The White Buffalo ackert sich viel lieber an Bestehendem ab, als das (Plan-)wagenrad neu zu erfinden.

Das aber tut er auf hohem Niveau: „Avalon“ ist treibender Middle-of-the-Road-Rock mit einem ganz groß gedachten Stadionrefrain, die Murder-Ballad „Robbery“ lässt mit Wolfsheulen, Rhodes-Klavier, jazzigem Kontrabass und raunendem Gesang kein Klischee aus, funktioniert dank Jake Smiths Stimme aber fantastisch. „The Observatory“ leiht sich erst Harmonien und Kneipenstimmung bei Tom Waits' „I Hope That I Don't Fall In Love With You“, um sich dann im Refrain zur eigenständigen Ballade zu emanzipieren, die ihren eigenen Schmelz so hemmungslos umarmt, dass man ihr dafür kaum böse sein kann.

Nach der ersten Albumhälfte packt The White Buffalo dann für den „Nightstalker Blues“ noch dreckige Gitarren und die obligatorische Mundharmonika aus und macht die Tour durch den Rockmusikschatz der USA rund. „Darkest Darks, Lightest Lights“ probiert sich über eine Spielzeit von gut 35 Minuten in den verschiedensten Roots-Spielarten aus, bleibt aber immer dem zugleich weitschweifigen und traditionsbewusst-heimeligen Gefühl verpflichtet, das man gemeinhin damit verbindet. Wer genau danach sucht, kommt auch weiterhin nicht um Jake Smith herum.

David Albus

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