Rezension

The Thermals

Desperate Ground


Highlights: I Go Alone // Born To Kill // Our Love Survives
Genre: Indie-Punk
Sounds Like: Superchunk // Chokebore // Dismemberment Plan // Wavves

VÖ: 12.04.2013

Die noch so frische Partnerschaft zwischen den Thermals und dem Label Saddle Creek Records hat nicht nur viele Fans, sondern am allermeisten wohl die Band selbst begeistert. Sinnvoll ist diese Geschichte durchaus, wenn man bedenkt, dass einerseits Saddle Creek zu wohl keiner Zeit einer Trendfliege hinterherflog und dessen Erfolgsgeschichte vielmehr eindeutig gekoppelt ist an ein stetig gestiegenes Ansehen seines Conor Oberst oder Omahas Musik-Szene im Allgemeinen und andererseits die Thermals sich in elf Jahren Bandbestehen beständig den Trends verweigerten, mit welchen gerade Anfang der „Nuller-Jahre“ viele Bands mit altbekanntem „The“ im Namen rumhurten. Der Aufstieg von Label und Band fand bemerkenswerterweise ziemlich simultan und ähnlich statt. Der Erfolg kam mit der Zeit.

Am Ende des Tages zählt letztlich aber die neue Platte, die man nach immerhin drei Jahren Abstinenz endlich in Händen halten kann. Und nun ja, Die Thermals melden sich keinesfalls schlampig zurück!

Sänger Hutch Harris meinte vorab: "We're jetting back to what people really like about this band. Our songs are short, fast, loud and violent." Natürlich klingt so was zu schön um wahr zu sein und mit solchen Sätzen und Ankündigungen kann man im Falle der Thermals irgendwie ja auch nichts falsch machen. „Desperate Ground“ ist näher an den letzten Alben der Band als an „More Parts Per Million“ oder „Fuckin’ A“, aber die Aussage trifft schon zu. Schnell, laut und massiv muss solide Produktion ja nicht ausschließen. Die Songs sind durchgängig simpel und gekonnt eingängig. Geile Songs eben. Kein Fest für die intellektuelle Zunft aber wenigstens nicht dumm und doof.

Thematisch haben sich die Thermals auch wieder etwas Schönes ausgedacht. Dieses Mal geht es schlicht und einfach ums Töten. „Born To Kill“ macht da auf eindeutige Art und Weise den unsanften Einstieg. Wer braucht schon ein weiteres Anti-Kriegs-Album von Spaßvögeln, die zur Entwaffnung auffordern. Das Ganze ist aber nicht als verspätetes Pro-Bush-Statement zu verstehen. Vielmehr zeigt sich die Band fasziniert von einem wohl niemals endenden Phänomen namens Krieg. Inspiriert wurde das womöglich irrwitzigerweise von GIs, die sich im Irak von „The Body, The Blood, The Machine“ beschallen ließen. Kranker Scheiß auf jeden Fall!

Eigentlich ist das so verdammt unanständig aber irgendwie auch wieder lasziv großartig und befriedigend. „Full Metal Jacket“ im Soundtrackformat und ein Blick auf das Böse, das jedem Menschen innewohnt. “Du bist noch nicht der Mann, den Teufel festzuhalten.”, meint Mephisto. Hell Yeah, Baby!

Achim Schlachter

Sehen


Video zu "Born To Kill"

Finden


Bye-Bye



Am 5. Januar 2021 haben wir éclat eingestellt. Mehr Infos hierzu gibt es auf unserer Startseite!
Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.