Rezension

The Raconteurs

Broken Boy Soldiers


Highlights: Level // Together // Blue Veins // Store Bought Bones
Genre: MC-Rock
Sounds Like: The Stooges // MC5 // The White Stripes // Led Zeppelin

VÖ: 12.05.2006

Du bist jung, häßlich, hast kein Geld, keinen Klamottengeschmack, kannst wenig leiden, prügelst dich hin und wieder und wohnst in Detroit, in der großen Motor City. Was machst du? Richtig! Du gründest eine Band. Die Raconteurs das sind everybody's Anti-Darling Jack White, auch bekannt durch das schlechte Drumming seiner besten Freundin, dann wäre da noch Brendan Benson, ein Singer und Songwriter der noch immer nach einem Hit sucht, der ihn irgendwie populärer machen könnte und zwei Kerle von den Greenhornes, einer Dirtbombs-Coverband. Völlig unspannend so weit? Richtig, der Begriff Supergroup taugt ja auch nicht gleich für jede Schülerband, deren Mitglieder auf drei verschiedene Schulen gehen und nicht dasselbe Sharing-Tool benutzen.

Und jetzt erzähl ich euch, wieso das hier eine gute Platte ist, das ist nämlich fast so einfach wie genial: Die Jungs sind völlig entspannt. Lassen sich nicht viel vormachen und kicken einfach ein paar Jams raus. Einmal Detroit, immer Detroit. Was die da machen, das ist ja auch ganz und gar nicht neu, aber wenn der "Broken Boy Soldier" so klingt, als wäre er in seinem Flieger von einem Led Zeppelin abgeschossen worden und wenn "Intimate Secretary" nach den Stooges auf modernen Drogen klingt, dann macht das schon mehr als Spaß.

Amerika kann eh keiner mehr hören, bekriegen und sehen und deshalb lassen sich die Haudegen nicht lumpen: Klingen sie eben mal ein wenig angelsächsisch. Ist ja auch schwer in gerade und die richtige Single fehlt auch noch. "Steady As She Goes", das ihr bereits kennen solltet erfüllt dann auch alle Erwartungen der gierigen Inselfans und wackelt frustrierend spaßig untanzbar durch die Gehörgänge. Dass es da nicht so lange bleibt ist zwar schade, macht aber nichts. Die Raconteurs wollen ja so viel mehr sein."Together", die waschechteste Ballade seit es Meister Popper gibt, muss Brendan Benson viel Kummer bereitet haben. Schließlich singt er da das beste Lied seines Lebens und darf es nicht auf eines seiner Soloalben packen, weil er es ohne Jack ja doch nie hingekriegt hätte. Ärgerlich. Und auf dem Cover darf er auch nicht vorne stehen. Ja dumm gelaufen. Ob er wohl dafür verantworlich ist, dass die alle so ramponiert darauf aussehen? Keine Ahnung. Jedenfalls ist der Schmu auch schon wieder ganz flott vorbei und die Band trifft Janis. An die denkt man nämlich, wenn man das herrlich peace-riot-mäßige "Level" hört. Inklusive schickem Hendrix-Gedächtnis-Gitarrensolo.

Amerika, oh Amerika. Welch Faszination übst du auf uns, deine Liebhasser, aus. Haben wir nicht immer schon gewollt einmal dabei gewesen zu sein, damals? Die Raconteurs auch. Schließlich waren sie damals noch damit beschäftigt die Windeln sauber zu halten und heutzutage erleben sie auch nicht viel mehr als MC5-Livevideos in ihren Stammkneipen. Deshalb passiert auch nicht mehr viel Highlight auf der Platte. Brendan Benson stibitzt dem Jack noch einen tollen Song und schunkelt die Platte mit "Call It A Day" fast zum Ende. Wäre nicht dieser furchtbar coole Backgroundgospel der drei anderen Blutsbrüder, der Track wäre furchtbar uncool. Am Ende gibt es nochmal was Versöhnliches und man bemerkt, dass die Platte doch ganz gut ist. Braucht nur ein bißchen. Wie ein gepflegter Fußpilz, oder ein richtig fieser Pickel, doch je länger man beidem Zeit gibt, desto strahlender die Blüte. "Blue Veins" ist dann wieder so ein Song. Ein Hauch Blues legt sich über das Gemüt und die Luft riecht nach Metall.

Konstantin Kasakov

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