Rezension

The King Blues

The Gospel Truth


Highlights: Heart Of A Lion // The Bullingdon Boys // Getting Better
Genre: Punk // Hip Hop
Sounds Like: Jamie T // The Clash // Rancid

VÖ: 14.04.2017

Wahrheit – pff, so ein überholtes Konzept, zu dem es im Jahre 1 Trump'scher Zeitrechnung sowieso beliebig viele Alternativen gibt. Wenn das Wort „truth“ dann aber immerhin viermal in Titel und Tracklist des ersten Albums von The King Blues nach ihrer Reunion auftaucht, kann man ja denken, dass eine der lautesten Stimmen des britischen Proletariats da noch ein Wörtchen mitzureden hätte. Da läge man dann aber falsch.

Gesellschaftliches und Persönliches hielten sich bei den Briten zwar stets die Waage – auf „The Gospel Truth“ konzentriert sich Frontmann Jonny „Itch“ Fox aber vermehrt auf Zweiteres, persönliche Wahrheiten nämlich, jedoch immer noch mit demselben Potenzial für Liebe und Wut gleichermaßen, das ihn schon immer auszeichnete. Dieses zeigt sich auch manchmal in ein und demselben Song, wie hier etwa „Wish You Weren't Here“, in dem Fox zwischen "wish you were here" und "wish you weren't here" hin- und herspringt und in dem The King Blues auch mal wieder zeigen, warum sie so oft mit The Clash verglichen werden.

Darüber hinaus ziehen die Londoner wieder einmal alle Register von wütendem Punk („Not Another Love Song“) über sommerlichen Indie-Ska, der so gar nicht zur Perspektive verzogener Oxford-Verbindungsmitglieder passt, die er einnimmt („Bullingdon Boys“), bis hin zu ruhig-getragenen Songs, in denen Fox seinen Gefühlen keinerlei Riegel vorschiebt. Das klingt zwar schnell schmalzig, wenn es mit Gospelchören („Nike Town“, „You've Taken My Spark“) unterlegt wird, doch sagt er selber gleich an mehreren Stellen auf „The Gospel Truth“: "What other people think of me, is none of my business". Und das wäre dann doch eine Wahrheit, die auch in unserer Zeit bestehen kann.

Jan Martens

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