Rezension

The Growlers

City Club


Highlights: Dope on a Rope // Neverending Line // Too Many Times
Genre: Indie-Rock // Surf-Rock // Garage
Sounds Like: The Strokes // Allah-Las // Night Beats

VÖ: 04.11.2016

Was zeichnet eine große Band aus? Eingängige Melodien? Instrumentales Können und Traditionsbewusstsein? Genialität und das Ausloten von Grenzen? Instinktiv wählt wohl jeder letzteres und verweist auf die akustischen Experimente der Beach Boys, Beatles und anderer stilprägenden Größen der letzten 60 Jahre. Zu stark ist das Bild des genialisch schaffenden Künstlers, der völlig neue Klanglandschaften erkundet, in unseren Vorstellungen von der wirklich hohen Kunst verankert. Nur: Das ist alles lange her und jede mögliche Akkordfolge wurde mittlerweile tausendfach zusammengeschraubt. Was bleibt der Rockmusik?

Die kalifornischen Growlers versuchen gar nicht erst, das Rad neu zu erfinden oder disparate Genres zu verknüpfen. „City Club“ ist das mittlerweile fünfte Album und nach etlichen Underground-Erfolgen hat sich Julian Casablancas der großen Strokes nun der Band angenommen und sie sowohl persönlich produziert als auch auf seinem Label Cult Records veröffentlicht. Als Hörer sollte man sich nun verwundert am Kopf kratzen, wieso sich Casablancas gerade in eine doch recht beliebige Garage-Band verknallt hat. Wohl hört er gerade in der Entspanntheit seine eigene Band heraus und schreckt deshalb auch prompt nicht davor zurück, die Growlers in eine jüngere und hippere Version der Strokes zu verwandeln. Dies ist in Anbetracht der Bandbiographie merkwürdig, schließlich haben die Growlers damals die Produktion ihres Albums „Hung At Heart“ durch Dan Auerbach von den Black Keys verworfen, da dieser sie zu sehr auf Hochglanz polierte und so den rauen Charme der Band leugnete. „City Club“ verwirft jegliche Authentizitätsbestreben: Das hier ist ungefilterter Radiopop.

Dabei will Casablancas es wohl noch einmal wissen und verpasst auch den Growlers den Achtziger-Jahre-Touch, der schon bei den Strokes vielen sauer aufgestoßen ist. „City Club“ klingt wie eine Nachtfahrt im weißen Cabrio oder eine Cocktailparty mit komplizierten Rezepten aus dreieckigen Gläsern: Style over substance, der dann auch nicht vor Scheußlichkeiten wie Saxophonen, Synthie-Brimborium und AM-Softrock haltmacht. Aller Oberflächlichkeit zum Trotz ertappt man sich dann doch dabei, zu Liedern wie „Too Many Times“ oder „Blood Of A Mutt“ mitzusummen und leicht melancholisch einem pinken Sonnenuntergang zuzuwinken. Das liegt einerseits daran, dass Sänger Brooks Nielsen seine Lieder immer noch charmant nonchalant vor sich hin nölt. Sicher, auch hier erinnert er wieder an den großen Herrn Casablancas. Ansteckend bleibt der hier vorgetragene Singsang trotzdem. „City Club“ geht gut rein und gerade deshalb schämt man sich dann doch ein wenig, diesem kalkulierten Retortenbaby auf den Leim zu gehen.

Yves Weber

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