Rezension

The Dandy Warhols

The Machine


Highlights: The Autumn Carnival // Alternative Power To The People
Genre: Power-Pop // Synth-Pop // Psychedelic-Rock
Sounds Like: Kula Shaker // The Electric Soft Parade // The Brian Jonestown Massacre

VÖ: 27.04.2012

Warum immer noch über die Dandys reden? Haben wir nicht oft genug Songs wie „Not If You Were The Last Junkie On Earth“ oder dieses unsägliche „Bohemian Like You“ gehört und kam nach diesen vereinzelten „Hits“ jemals etwas Nennenswertes nach? Das Werk der Dandy Warhols ist vielleicht ebenso bunt, aber bestimmt nicht so innovativ wie wahrscheinlich das letzte oder vorletzte Björk-Album. Aber wer hört das denn bitte noch gerne und regelmäßig an?

Gegründet 1992, können die Dandy Warhols wohl inzwischen nicht nur als eine Säule der Musik-Szene ihrer Heimat Portland (Oregon) gelten, sondern ein paar wenige Statements wie beispielsweise schon das erste Album („Dandys Rule, OK?“) reichen für einen Gegenbeweis aus, dass diese Band zu mehr taugt als ein paar blöden Hits. Außerdem vergeht Unkraut bekanntlich nicht. Wenn man einmal kurz versucht, das Wesentliche der Dandys zu benennen, so würde man unter Umständen bei einem reißerischen Header wie "Pop-Art meets psychedelischen Heavy-Rock" landen. The Velvet Underground sind der naheliegende Einfluss, aber auch Bowie und Iggy & the Stooges lassen grüßen. Und natürlich wären die Dandys Ende der 60er mit Alkohol und einer Menge Drogen im Gepäck gerne mit anderen Gruppen der West Coast unterwegs gewesen. Jam-Sessions, wie sie in der Nähe von San Francisco in der Ära des Acid Rock zelebriert worden sind, dürfen da nicht fehlen. Mal spacig, mal freaky und dieses mal ganz schön creepy! So sind sie, die Dandys.

Courtney Taylor-Taylor kündigte im Vorfeld des Release zu „This Machine“ ein eher Grunge-lastiges Album an. Nun, dem tut er wohl mit dem Opener-Track „Sad Vacation“ Genüge: ein gut klebriger Fuzz-Sound, die semi-flüsternde Stimme von eben jenem Courtney Taylor-Taylor, die eingängigen Becken von Zia und die Umgebungstemperatur durch Riffs von Peter Holmström. Wenngleich kein Höhepunkt, klingt das unverkennbar nach den Dandy Warhols und das ist ja immerhin etwas. Zunächst kein esoterischer Ausflug entlang von Hanfplantagen an der Milchstraße, sondern ziemlich bodenständig und solide, beinahe langweilig. Das Credo scheint klar: "Je mehr man seiner Linie treu bleibt, je mehr hat man das Gefühl, dass man sich verändert". Davon ist zumindest Courtney Taylor-Taylor überzeugt.

Tatsächlich haben sich die Dandys eigentlich gar nicht verändert, vielmehr soll „This Machine“ viel zu viel auf einmal sein. Das Album, das sich seiner Wurzeln besinnt, das Album, das möglichst viele Musikrichtungen und Instrumente bündelt, das Album, das etwas mysteriöser und dunkler sein soll, weswegen Kurt Cobains Geist gerufen wird und – als Sahnehäubchen obendrauf – ein Konzeptalbum kreiert wurde. Als solches nimmt es Bezug zu kleinen Kurzgeschichten (zu jedem einzelnen Bandmitglied), welche unter dem Titel Titel „Outlaw Exits – Escaping The Machine“ von Science-Fiction-Autor Richard Morgan eigens für dieses Album geschrieben wurden. Es geht also um Menschen, die die Flucht nach vorne antreten. Eine Revolte!

Was diese Revolte allerdings mit diesen ganz unterschiedlichen Songs zu tun haben soll, wird nicht immer klar. Die Gruppe schwankt zwischen Synthesizer, Trompeten, Gitarren, Saxophon und Theremin und gibt sich in Gänze dem Wunsch hin, etwas Neues machen und schaffen zu können. Natürlich ist Heterogenität begrüßenswert, aber „This Machine“ bleibt über weite Teile ein fragwürdiges Album, das die Flucht nach vorne antritt und dabei nicht weiß, wo es hin will. Also werden fleißig alte Themen aufgegriffen wie auf dem eigentlich großartigen „Rest Your Head“ oder dem psychedelischen, sechsminütigen „Don’t Shoot She Cried“. An vielen Stellen flattern störenderweise seltsame Sound-Schnipsel ins Bild und dann wären da noch seltsam träger Totengesang wie bei „Well, They’re Gone“, der irgendwie auch als Zelda-Soundtrack dienen könnte. Es ist und bleibt nicht das einzig auftretende Fragezeichen.

Die Dandy Warhols geben sich so fleißig, bemüht und aufwändig wie selten zuvor. Einer Band, die aus lauter Faulheit einen schlichten Popsong für Hänger schreibt, steht sowas nicht zu Gesicht. Es bedarf keiner Maschine, die die Gruppe vorantreibt, sondern eines Esels, um die Dandys im richtigen Tempo von A nach B zu bringen. Bitte mehr lätschigen Scheiß-Egal-Pop!

Achim Schlachter

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Das Video zu "Sad Vacation" bei Vimeo

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