Rezension

The Courtneys

The Courtneys II


Highlights: Country Song // Tour // Lost Boys
Genre: Indie-Rock // Garage-Rock
Sounds Like: Gurr // Colleen Green // Bleached

VÖ: 19.05.2017

Die Neunziger sind längst zurück und das macht sich nicht nur in bedingt ansprechenden Kleidungstrends wie Mom-Jeans oder logobepackten Jogginghosen bemerkbar. Auch musikalisch gibt es ein klassisches Indie-Rock-Revival, zu dem auch das neuseeländische Flying-Nun-Kultlabel tüchtig die Ärmel hochkrempelt und dem geneigten Hörer neue Veröffentlichungen entgegenschüttelt. Zu dem schon guten Erstling von Fazerdaze gesellt sich nun auch das noch etwas bessere zweite Album der Courtneys aus Vancouver, und so, als wüssten die drei Kanadierinnen, dass sie hier einen ganz guten Wurf vorgelegt haben, heißt es ganz simpel und selbstbewusst „II“.

Auch die Courtneys passen in den gerade grassierenden Mädchenband-Trend, bleiben allerdings doch um einiges rudimentärer als viele andere. Das liegt vor allem daran, dass Gitarren und Bass hier eher in den Hintergrund gerückt werden, während der mächtige Drumbeat und die mit Effekten gespickte Stimme von Sängerin Jen Twynn Payne in vorderster Reihe stehen. Dadurch bekommen die Lieder eine euphorisierende und dringliche Note, welche selbst eigentlich abgenutzte Belanglosigkeiten wie die eigene Orientierungslosigkeit auf „Country Song“ oder die diffuse Vampirromantik auf „Lost Boys“ zu bisher unbeachteten Wahrheiten emporhebt. Auf inhaltliche Verlorenheit prallt eine stringente musikalische Ausrichtung. „II“ ist fuzzgewordener Stadionrock, der gerade in seinen Refrains zum schaurig-schiefen Mitgrölen einlädt. Höhepunkt ist das atemberaubende „Tour“, welches mit seinen sonnengetränkten „Higher Higher“-Chören zu Exzessen jeder Art einlädt.

Obwohl dem Album dann in der zweiten Hälfte etwas die Puste ausgeht und gerade die letzten drei Songs dann doch etwas in der Beliebigkeit untergehen, da der Drumbeat irgendwann trotz seiner stumpf-aufputschenden Großartigkeit abfällt und doch etwas banal wird, hat die Band hier eine sehr gute Sammlung an Liedern veröffentlicht, die sich besonders wegen ihrer Produktion abhebt. Und man hat da halt eben „Tour“, diese verdammt großartige Hymne, die sicher ein paar Sommer schaffen wird.

Yves Weber

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