Rezension

The Big Moon

Walking Like We Do


Highlights: Your Light // Why // Holy Roller // Take A Piece
Genre: Indiepop // Indierock
Sounds Like: Marika Hackman // Boy Azooga

VÖ: 10.01.2020

Der Januar ist seit eh und je der Monat des Neubeginns, der Monat der guten Vorsätze. Aufhören zu rauchen, weniger Alkohol, mehr Sport, mehr neue Musik hören. Okay, letzteres ist vielleicht nicht so weit verbreitet, dennoch bietet es sich an. Nach der Talsohle im Dezember, der bis auf wenige Ausnahmen nur Best-Ofs oder Weihnachts-Kompilationen anzubieten hat, kommen Anfang Januar endlich wieder gute, frische Alben. Man nimmt sich Zeit, hört sich in Unbekanntes rein, bis spätestens einen Monat später wieder ein unüberschaubarer Wust aus etlichen halb angehörten Alben auf dem Schreibtisch liegt – und ins Fitnessstudio geht man dann auch nicht mehr.

Eine dieser Entdeckungen ist die zweite Platte von The Big Moon. 2017 sorgten sie, von uns sträflich unbeachtet, mit ihrem Debüt „Love In The 4th Dimension” für erste Erfolge, um nun mit einer wunderbar abwechslungsreichen Sommerplatte komplett durchzustarten. Besonders das Gefühl für griffige Melodien liefert Hits über Hits, die den eh schon warmen Januar wie einen sonnigen Juli-Nachmittag wirken lassen. So bringt „Your Light” tanzbare Indie-Gitarren mit eingängigen Synths zu einem Song zusammen, der nicht nur auf den Tanzflächen der 00er-Indie-Parties seine Anhänger finden wird, sondern jetzt schon auf einigen Shortlists für den Song des Jahres 2020 stehen dürfte. Ein bisschen ruhiger, aber nicht weniger ohrwurmverdächtig steht es um „Holy Roller”, der sich zwischen Indiepop der Jahrtausendwende und Gitarren des Post-Punk-Revivals bewegt und dessen Refrain “I'm gonna start a religion // Something to keep my hands busy // Paint our angels on the ceilin' // We need somethin' to believe in // Oh, I know I know I know the feelin'” auch nach Tagen den Kopf nicht verlässt. Und ist das dann irgendwann der Fall, ist es nicht unwahrscheinlich, dass „Holy Roller” von „Why”, „Take A Piece” oder „Barcelona” ersetzt wird.

Deshalb ist es auch nicht fair, „Walking Like We Do” auf einzelne Lieder zu reduzieren. Zu vielfältig, facettenreich und schlichtweg gut sind die gesamten 42 Minuten. Großartig, dass diese Platte eben nicht in den sich auftürmenden Plattenstappeln untergeht, sondern wahrscheinlich das ganze Jahr über laufen wird – auch wenn die anderen Vorsätze erfahrungsgemäß schon jetzt im Sande verlaufen.

Lewis Wellbrock

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Video zu "Your Light"
Video zu "Take A Piece"

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