Rezension

Tellavision

Add Land


Highlights: The Laboratory // Hat Makers // Purple View
Genre: Art-Pop // Electro-Pop // Avantgarde
Sounds Like: Sophia Kennedy // The Knife // Fever Ray // Planningtorock

VÖ: 12.04.2019

Fee Kürten ist mit ihrem Pseudonym Tellavision ebenso bekannt für durchgestylte Live-Choreografien wie ihre Experimentierfreude im Samplen und Erzeugen karger, trostloser elektronischer Soundlandschaften. Mit „Add Land“ erscheint neben einigen Tapes und EPs bereits das vierte Album.

Relativ schnell stellt sich hier ein (beabsichtigtes) unbequemes Gefühl der Disharmonie ein: In Tellavisions Welt ist Liebe etwas Revolutionäres („it seems so hard to say I love you“ in „Love Is Revolutionary“) und auch klanglich regiert die Desillusion. Die Instrumentierung ist reduziert (und überwiegend programmiert). Wie mutierte Vögel beobachten flirrende Synthies als Zaungast, wie ein wild aufgestachelter Beat die studierte Künstlerin und Wahl-Hamburgerin vor sich her treibt. „Add Land“ wirkt wie ein hysterischer Psychotrip.

Besonders artifiziell und schwer auszuhalten erscheint dieses Spiel während der Single „Salty Man“ („zu versalzen“ beschreibt ein eingestreutes Vocal-Sample den Song passend). Kürten gibt sich zwar sichtlich Mühe, einen mit ihrer Fülle an weirden Sounds vor den Kopf zu stoßen, sucht aber doch vergleichsweise einfache Antworten, ihre Songs zu Ende zu bringen. Am Ende spielt sich das meiste dann eben doch im gut verdaulichen Pop-Duktus ab und kaum ein Song streift die 5-Minuten-Marke oder verweigert sich einem wiederkehrenden Muster. Dabei öffnen sich an mancher Stelle Möglichkeiten wie in „Hat Makers“, in dem Kürten irgendwann den blechern hämmernden Rhythmus aufbricht und mit sirenenartigem Gesang kontrastiert, oder in „The Laboratory“, das wirklich mal ein zwingendes Sample in den Mittelpunkt stellt, auf dem ihre Krautrock-Drums noch problemlos weitere Minuten herumhacken könnten.

„Why are you so salty?“, beschwert sich die Musikerin und kritisiert, dass Menschen sich hinter ihre Schalen zurückziehen und verstecken. Auf „Add Land“ wirkt Tellavision jedoch selber nur schwer greifbar, einerseits textlich Verletzlichkeit andeutend und andererseits mit einer gespielten Lässigkeit und einer Flucht in einen nur selten überzeugenden Avantgardismus Wände zwischen sich und dem Hörer hochziehend.

Jonatan Biskamp

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Video zu "Salty Man"

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