Rezension

T.Raumschmiere

Heimat


Highlights: Jaguar // Juli // Le Fux // Zwerg
Genre: Ambient // Elektro // Techno
Sounds Like: Geotic // Katermukke // Gas

VÖ: 19.05.2017

Der King of Knarz, Marco Haas, hat ein neues Album: "Heimat"! Vor 20 Jahren gründete er das Label Shitkatapult, das ein Sammelbecken für feine elektronische Musik geworden ist. Ambient, Noise, Elektropop. Hauptsache es knallt und ist livetauglich.

Im Gegensatz zu dem elektronischen Noise-Punk-Bastard, für den er musikalische Anerkennung sammelte, ist "Heimat" nahezu sanft. Haas' Begeisterung für Ambient kann man so auf Albumlänge genießen. Die Verzerrer setzen Akzente, statt den Hauptbestandteil eines Liedes auszumachen. Die durchschnittliche Songlänge sind gute sieben Minuten. So ist "Heimat" Easy-Listening für kaputte Ohren, denn wirklich weich und rund ist der T.Raumschmiere-Sound nicht. Rhythmen laufen hier und da gegeneinander, im Hintergrund scheinen mehrere Plattenspieler einen kleinen Wettkampf mit weißem Rauschen zu führen und ein Kofferradio humpelt regelmäßig vorbei und produziert Störgeräusche par excellence.

Trotz seines atmosphärischen Schwerpunkts bleibt die Platte abwechslungsreich. Zwischendurch beschert einem ein Song wie "Jaguar" starke technoide Momente. Dessen Refrain besteht hauptsächlich aus einem anstrengenden, rhythmischen Quieken, welches erst irritiert, dann aber so energetisch eingebettet wird, dass man schon wieder darauf wartet, wenn es einen verlässt. In "Le Fux" ringt ein Piano mit einem Knarzbass um die Vorherrschaft im Song. Sie werden nach 5 Minuten von einem Theremin-Imitat ausgestochen. "Juli" hypnotisiert durch einen Orgelloop und zerhackte Gitarren, die in guter Four-Tet-Manier vor sich hinflimmern. Und der "Zwerg", der das Album beendet, hinterlässt wirklich ein Gefühl von Heimat: Warm, fröhlich, ein bisschen poppig mit zustimmendem Kopfnicken.

Mit "Heimat" beweist Marco Haas, dass er neben eskalativem Lärm auch verträumte und ruhige Klänge produzieren kann. Die Kenner wussten das schon vorher. Der Rest sollte sich auf dem neuen Album selbst davon überzeugen. Von Afterhour bis Spätnachmittag oder für die laue Sommernacht eine passende Platte.

Peter Heidelbach

Sehen


Video zu "Jaguar"
Video zu "Wacker"

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.