Rezension

Superorganism

Superorganism


Highlights: Everybody Wants To Be Famous // Something For Your M.I.N.D.
Genre: Internet-Pop
Sounds Like: Soft Hair // The Brady Bunch // Alaskalaska

VÖ: 02.03.2018

„Everybody Wants To Be Famous”, singen Superorganism im gleichnamigen Song. Was Wunsch war, ist für die Band nun Realität: aus den selbstbenannten Außenseitern und Nerds sind die neuen Popstars geworden. Ausverkaufte Konzerte, hohe Klickzahlen, kreischende Fans, die davon träumen, in die Superorganism-WG einziehen zu können und mit ihnen Musik machen zu können – oder zumindest mit ihnen über das Internet verbunden zu sein.

Orono, Emily, Harry, Ruby, B, Robert, Tucan und Soul haben sich aus allen Ecken der Welt zusammengefunden und wohnen nun in London zusammen in der besagten WG. Dort sind die Songs ihres selbstbetitelten Debüts entstanden, genauso wie die Videos, das Artwork und die gesamte Gestaltung. Dabei wird es nicht wundern, dass sich die Songideen, genauso wie die neuesten Memes, über eine WhatsApp-Gruppe herumgeschickt werden. Und genauso klingt es und sieht es aus: Quietschige Synthiesounds, experimentelle Soundschnipsel, im Weltall herumfliegende Katzen, das Smartphone immer in der Hand, gute Laune und Schnelllebigkeit.

Superorganism sind eine Art moderne Hippies. Sie haben sich als Gruppe gefunden und sind als diese stark. Sie selbst sagen, dass sie als diese Gruppe ein Superorganismus geworden sind: spannender und wertvoller als die einzelnen Individuen, die aber alle ihren kleinen Teil zum großen Ganzen hinzufügen. Eine Art Schwarmintelligenz, die den Nerv der Zeit trifft. Sie bringen locker leichte Synthiemelodien, freundliche Gitarrenläufe, gesampelte Geräusche, Oronos oft lethargische Gesänge und die lieblich-fröhlichen Gruppengesänge der übrigen Mitglieder zu modernen Popsongs zusammen, schaffen Collagen, an denen man gerne in der Timeline hängen bleibt. Sie sind überladen, witzig und bunt; und ob man es glaubt oder nicht, total authentisch.

Das Debüt dieser Crew klingt allerdings so, als hätte der Druck von außen, mehr hören zu wollen, den Entstehungsprozess beeinflusst. Hier wurde sich nicht die notwendige Zeit gelassen, die es zu einem vielleicht wirklich großartigen Popalbum gemacht hätte. Viele Songs sind sich von der Melodie und Struktur überaus ähnlich, nach ein paar Hördurchgängen wird kaum noch etwas Neues gefunden. Superorganism sind ein Kind des Internets, sie sind damit aufgewachsen, haben sich durch dieses gefunden, stellen sich gerade durch dieses dar. Und sie wissen wahrscheinlich selbst genauso gut wie alle anderen, dass Internethypes manchmal schneller wieder vorbei sein können, als es den Gehypten lieb ist.

Marlena Julia Dorniak

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"Everybody Wants To Be Famous"
"Something For Your M.I.N.D."
"Reflections On The Screen"
Live at Paste Studio NYC

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