Rezension

Sting & Shaggy

44/876


Highlights: 44/876 // Morning Is Coming // Don't Make Me Wake
Genre: Pop // Raggae
Sounds Like: UB40 // Sean Paul // Wyclef Jean

VÖ: 20.04.2018

Es gibt Kollaborationen, an die man erst glaubt, wenn man sie wirklich sieht oder hört und vor denen man sich ein wenig fürchtet. Wer hätte sich in den 90ern vorstellen können, dass Adam Sandler und Al Pacino zusammen einen Film drehen? Dass das nicht gut endete, war zu vermuten, aber dass ‘Jack Und Jill’ zehn goldene Himbeeren völlig zu Recht erhalten sollte, übertraf doch deutlich die Befürchtungen.

Die Zusammenarbeit von Sting und Shaggy ist auch so ein Fall, der den Kiefer weit nach unten klappen lässt, wenn man davon erfährt, und den man zuerst für eine Falschmeldung hält. Dabei gibt es, mal ganz abgesehen von der Freundschaft zwischen den beiden, durchaus einige Parallelen. Beide lebten auf Jamaika – Shaggy in seiner Jugend, Sting zu den Hochzeiten von The Police, wo er “Every Breath You Take” in Ian Flamings Haus Goldeneye schuf. Danach wandten sie sich dem Pop zu, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise: Shaggy mit eingängigen, tanzbaren Hits und seinem ganz eigenen Gesangsstil. Sting mit deutlich höherem künstlerischen Anspruch und nur selten mit der Absicht auf einen Charterfolg. Inzwischen sind die beiden schon seit einiger Zeit Wahlbürger in den Vereinigten Staaten.

Entgegen aller Erwartungen schaffen es die beiden, auf “44/876” eine gelungene Schnittmenge zu treffen. Stings Spaß an dem Projekt ist in jeder einzelnen Sekunde des Albums spürbar, was auch für Shaggy gilt, nur ist es bei ihm weniger erstaunlich. Das ungewöhnliche Duo legt es nicht sonderlich auf Singles an und verzichtet weitgehend auf Uptempo-Nummern. Shaggy variiert mehr als auf seinen Soloalben, Sting ist deutlich weniger verkopft als zuletzt. Dabei entstehen Popsongs mit einem ordentlichen Schuss Reggae, die ein wundervolles Sommeralbum ergeben. Vom Stil her hätte es auch gut in die 90er gepasst und man kann froh sein, dass in der Produktion nicht einfach aktuelle Standardchartformeln angewendet wurden. So ist das nach den Vorwahlen der Heimatorte benannte Album, vielleicht mit der Ausnahme des etwas zu banalen “Dreaming In The USA”, ein erfreuliche Überraschung.

Das einzige, was an “44/876” als Katastrophe betrachtet werden kann, ist das Cover. Zwei alte Männer mit arrogantem Blick auf Motorrädern mag zu den Raggaewurzeln des Albums passen, schön ist es aber keineswegs.

Marcel Eike

Sehen


Sting & Shaggy - Don't Make Me Wait

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.