Rezension

Stephen Malkmus

Real Emotional Trash


Highlights: Hopscotch Willie // Cold Son // Gardenia // Elmo Delmo // Real Emotional Trash
Genre: Progressiver Rock
Sounds Like: Dinosaur Jr. // Pavement // Cake // Doors // The Greatful Dead // Quasi

VÖ: 07.03.2008

Drachenflugpastete – oder besser: Drachenflugkuchen – damit beginnt das neue Album des Ex-Pavementkopfes. Und wer sich einen ordentlichen Happen der alles zersetzenden Gitarre des Openers „Dragonflypie“ – der nichts mit der Verhuschtheit einer Libelle gemein hat - auftischen lässt, dem verpasst Stephen Malkmus automatisch die Flügel für einen Feuerflug.

Dessen kann man gewiss sein: Malkmus definiert sich mit jedem seiner Solo-Alben neu, auch wenn er inzwischen das zweite Mal, wie schon von bei dem von den Kritikern und seinen Fans geliebten Vorgängeralbum „Pig Lib“ (2003), mit seiner Band The Jicks zusammen im Studio war. Am Schlagzeug trommelt sich (sehr präsent) Janet Weiss (Sleater Kinney, Quasi) durch das Set, während weiterhin Joanna Bolme die Rhythmussektion am Bass verstärkt und Mike Clark an der Gitarre und fantastisch am Keyboard arbeitet. Produziert hat T. J. Doherty, der schon für Wilco und Sonic Youth tätig war.

Malkmus ist mit seinem vierten Album nach Pavement weiter von Pavement entfernt, als er es je war, ohne jedoch ganz seine Spuren zu verwischen. Er schreibt in aciddurchtränkten Farben „Progrock“ auf das Drachenbanner und zieht damit in den Kampf. Die Songs wirken allesamt frisch, neu und einnehmend und tragen doch auch klassische Farben. Sie bewegen sich zwar auf altbewährten, aber dennoch auf den für ihn typischen, verworrenen Pfaden, die in dieser Weise noch keiner vor ihm betreten hat.

Malkmus setzt frische Spuren auf vergessene Wege, ohne jedoch jemals diesen ganz speziellen Malkmus-Touch zu verlieren, der sie nicht zuletzt herrlich und gleichzeitig derb schräg klingen und dadurch viel spannender, facettenreicher und bunter erscheinen lässt, als die Kategorisierung Progrock in diesem Zusammenhang (und in diesen indie-viduellen Zeiten) auch nur vermuten ließe.

Allein die Tatsache, dass Hörvergleiche kaum beschreibbar sind, weil sie sich fast unvorstellbar darstellen, denn ein Song wie „Hopscotch Willie“ klingt wie ein wilder Mix aus Doors auf Dinosaur Jr. auf The Presidents Of The United States America, dann doch wieder ganz eigen und macht die Songkonstrukte so speziell. Der Malkmus-Touch eben.

„Cold Son“ – ein wirkliches Highlight – ist schon wegen der Texte einfach unfassbar: „The world is my oyster, i feel like a nympho stuck in a cloister“. Und der Refrain wird durch die wunderbaren Backingvocals (Janet Weiss) noch strahlender und schöner, ähnlich bunt wie die psychedelischen Soundtrips, die sonst nur die Flaming Lips schaffen.

Viele der Songs wirken so frisch, als seien sie direkt aus einer Jam-Session heraus aufgenommen, erinnern in ihrer psychedelischen Abgehobenheit aber an klassische Jams der Fairport Convention oder Quicksilver Messener Service. Gleichwohl geht’s auch direkt nach vorne durch, Flowerpowerpop mit „Gardenia“ (wiederum die herrlichen Backingvocals!) oder gleich der Vollrausch beim Headbangen mit „Elmo Delmo“. Das mache mal einer nach. Das wird schwer. Eben Malkmus.

Silke Sprenger

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