Rezension

Stars

In Our Bedroom After The War


Highlights: Take Me To The Riot // Barricade // In Our Bedroom After The War
Genre: Indiepop
Sounds Like: Arcade Fire // The Decemberists

VÖ: 21.09.2007

Unter allen kanadischen Lieblingen, die alles andere als wenig zahlreich sind, gehören die Stars sicherlich zu den besonderen Schätzen aller romantischen, verwuschelten Träumer. Ihr 2006er Album „Set yourself on fire“ barg Wunderbares wie „Your Ex-Lover is Dead“ oder „One more night“, verlief sich aber zwischendurch im Langeweile-Labyrinth. Das neue Werk trägt nun also den bedeutungshochschwangeren Titel „In Our Bedroom After The War“. Wie schon beim Vorgänger entführt auch hier ein überaus tiefschürfender Satz in die kleine, kanadische Welt. When there is nothing left to burn, you have to set yourself on fire war es beim letzten Mal, was von vielen immer wieder gerne zu passenden Gelegenheiten zitiert wurde.

Diesmal folgt auf das elektronisch angehauchte Intro „The beginnig after the end“: Oh the blood and the treasure and the losing it all. The time that we wasted and the place where we fall. Will we wake in the morning and know what it was for, up in our bedrooms after the war? Worum geht es hier also? Um den täglichen Krieg, den wir alle zu kämpfen haben? Um, kaum an Pathos zu überbieten, den Krieg für die und verursacht von der Liebe? Lieblingsthema der Stars seit jeher. Auf in eine weitere Runde... Bemerkenswert ausdrucksstark ist diese Einleitung zweifellos.

Der anschließende Song gibt sich weniger tiefgründig. „The night starts here“ ist der gläserne Popsong, sanft, herrlich akzentuiert, aber so simpel aufgebaut und vorhersehbar, dass man sich fast darüber erschrickt. Fakt ist: Amy Millan hat eine der schönsten weiblichen Stimmen unserer Tage. Trotzdem werden die größten Momente nicht von ihr, sondern von Torquil Campbell getragen.“Take me to the riot“ ist schlichtweg atemberaubend. Der kraftvolle Song für den kraftvollen Sommer, den wir niemals hatten. Weiterhin beliebt ist auch das Konzept der beiden miteinander interagierenden Bandköpfe, glanzvoll dargestellt in „Midnights Coward“ und „Personal“. Die Fragen sind auch diesmal die gleichen. Soll ich? Soll ich nicht? Liebt er mich wirklich? Spielt er nur mit mir? Fragen, die regelmäßig durch dating-abgedroschene Köpfe geistern.

Highlights aufzuzählen ist an dieser Stelle müßig. So abgedroschen es klingen mag: Das Album ist ein einziger Höhepunkt. Die Produktion erinnert an frisch gefallenen Schnee auf dem Feld, weiß und makellos, der Blick schmerzt ob so viel Schönheit. Die Stars haben verstanden, wie man perfekte Musik für unperfekte Menschen schreibt. Mal zurückhaltend, mal opulent (Finalsong: „In Our Bedroom After The War“, natürlich), immer tragisch, verletzlich. Gefühle im Überfluss. Aber darunter leiden wir alle gerne mal. Es sei geraten: Gerade in diesem Moment sollte man das Album tunlichst nicht hören, wenn man sich nicht am Ende selbst in Flammen setzen will, weil sonst alles tot ist.

Lisa Krichel

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