Rezension

Spinning Coin

Hyacinth


Highlights: Feel You More Than World Right Now // Black Cat // Never Enough
Genre: Indie
Sounds Like: Rolling Blackouts Coastal Fever // The Clientele // Blank Realm

VÖ: 21.02.2020

Kopf oder Zahl. Laut oder leise. Dur oder Moll. Geschmeidig oder schräg. Die meisten Musiker wählen eine Seite und formieren eine klare Identität, doch ganz so binär scheinen Spinning Coin auch auf ihrem zweiten Album „Hyacinth“ nicht zu funktionieren. Die musikalische Neubesetzung mit Rachel Taylor und die geographische Delokalisation der Band, die nun gleichzeitig in Glasgow und Berlin angesiedelt ist, haben diese Ambiguität weiter verstärkt.

Spinning Coin greifen viele angesagte Indie-Elemente besonders neuerer australischer Prägung auf, bleiben dann allerdings doch immer etwas schräger als andere. Egal ob Gitarrenmelodien oder Gesang, der hier gleich von drei Bandmitgliedern übernommen wird: So ganz entscheiden kann sich „Hyacinth“ nicht, ob es eingängig oder kratzig sein möchte. Klar, es gibt gewaltige Hits wie „Never Enough“, welches sogar an die großen Go-Betweens erinnert, oder „Feel You More Than World Right Now“, doch auf jeden Hit kommt leider auch ein belangloses Gebimmel wie „Despotic Sway“, welches nirgends wirklich ankommt. Der Gesang auf „Ghosting“ erinnert irgendwie an Win Butler von Arcade Fire, und ist dann doch ein Ticken zu hysterisch und zu nah an der Parodie, um große Gefühle zu wecken. „Hyacinth“ setzt sich zwischen sämtliche Stühle und scheint sich dort wohlzufühlen. Selbst nach unzähligen Durchläufen lässt das Album einen ratlos zurück und man fragt sich, ob die Band doch vielleicht etwas zu schräg sein möchte, oder ob das Album einfach noch einen weiteren Durchlauf braucht.

So eiert die Münze vierzig Minuten lang munter vor sich hin… und bleibt nach dreizehn Songs doch unentschlossen auf der Kante stehen. Was irgendwie schon wieder eine Leistung ist. Irgendwie. Irgendwie aber auch nicht.

Yves Weber

Sehen


Musikvideo zu "Ghosting"

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.